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Roscher trotzt Corona und feiert Richtfest

Der Wiederaufbau nach dem Großbrand in Görlitz soll bis Februar geschafft sein. Jetzt beginnt die Suche nach neuen Mietern.

Carl-Jochen Vielhaben hämmert beim Richtfest im Roscher-Gewerbepark den symbolischen letzten Nagel ins Gebälk.
Carl-Jochen Vielhaben hämmert beim Richtfest im Roscher-Gewerbepark den symbolischen letzten Nagel ins Gebälk. © Nikolai Schmidt

Die Zimmerer haben es Carl-Jochen Vielhaben wahrlich nicht leicht gemacht. Für das Richtfest haben sie dem geschäftsführenden Gesellschafter des Maro-Gewerbeparks an der Reichenbacher Straße einen extra langen Nagel gegeben, den er in einen besonders dicken Balken hämmern soll. Doch als er sich redlich müht, aber die Anzahl der Schläge trotzdem langsam dreistellig zu werden drohen, erlösen sie ihn von der Arbeit. Der Nageleinschlag ist schließlich nur ein symbolischer Akt im Rahmen des Richtfestes, das Bauarbeiter, Bauherren, Planer und Mieter am Freitag auf dem Roscher-Gelände feierten.

Zimmerermeister Volker Tauchmann verliest auf dem Gerüst stehend den Richtspruch.
Zimmerermeister Volker Tauchmann verliest auf dem Gerüst stehend den Richtspruch. © Nikolai Schmidt

Viele von ihnen haben noch ganz andere Bilder im Kopf: Jene vom Großbrand am 25. Februar 2019, als mehrere Gebäude niederbrannten und die schwarze Rauchwolke über die ganze Stadt zog. Ursache war eine fahrlässige Brandstiftung durch einen damaligen Mieter, der mittlerweile zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden ist. Die Gesamtschadenssumme lag zwischen neun und zehn Millionen Euro.

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Inzwischen ist längst Optimismus angesagt. Viele der ursprünglich 27 Mieter haben dem Roscher-Areal bis heute die Treue gehalten. Manche, wie die SF Lackiererei, sind in ihre sanierten Räume zurückgekehrt, bei anderen, etwa der Autopflege Görlitz, steht das kurz bevor. Doch beim Richtfest wurde sichtbar: Auch die am schwersten geschädigten Gebäudeteile nehmen mittlerweile wieder Gestalt an. Die Brandsanierung ist längst abgeschlossen, die Wände nicht mehr schwarz, der Gestank nach Verkohltem verschwunden. Und der Wiederaufbau ist so weit vorangeschritten, dass nun gut erkennbar ist, welche konkreten Räume wo entstehen.

Drinnen ist schon gut zu erkennen, was hier entsteht. In den früheren Räumen von Autoglas gibt es wieder eine Galerie. Sie ist so groß wie die alte, aber aus Stahlbeton statt aus Holz.
Drinnen ist schon gut zu erkennen, was hier entsteht. In den früheren Räumen von Autoglas gibt es wieder eine Galerie. Sie ist so groß wie die alte, aber aus Stahlbeton statt aus Holz. © Nikolai Schmidt

Bestes Beispiel sind die bisherigen Flächen von Autoglas. Darin ist wieder eine Galerie entstanden. Sie ist so groß wie die alte, aber aus Brandschutzgründen aus Stahlbeton statt Holz. Die Stahlträger und die geschwungene Treppe, die nach oben führt, sind noch die alten. „Wir haben sie aufwendig sandgestrahlt und mit einer feuerfesten Beschichtung versehen“, erklärt Vielhaben. Zusammen mit Verwalterin Anke Klaus beginnt er jetzt, einen neuen Mieter für die große Gewerbeeinheit zu suchen: „Anfangs konnte sich ja keiner die Räume vorstellen, aber jetzt sind wir baulich so weit, dass wir sie zeigen können.“

Ganz viele Gewerke denkbar

Die größte Veränderung gibt es in der Gewerbeeinheit hinter Autoglas, also da, wo der Brand ausbrach. Hier ist die Galerie verschwunden, stattdessen eine Massivdecke eingezogen worden. „Der untere Raum misst etwa 550 Quadratmeter“, sagt Vielhaben. Oben ist sogar noch mehr Platz, denn das Obergeschoss reicht auch über die Räume der Autopflege Görlitz. „Wir können beide Etagen zusammen oder einzeln vermieten“, erklärt Vielhaben. Denkbar seien alle möglichen Gewerke. Während sich vor dem Brand fast alles um Autos drehte, wäre nun viel mehr denkbar. „Außer vielleicht Konkurrenz zu den ansässigen Firmen“, sagt Anke Klaus. Eine Auto-Lackiererei ist schon da, da soll es keine zweite geben.

Die vielleicht hochwertigste Einheit entsteht ganz oben: Am straßenseitigen Giebel der langen Halle gibt es ein „Turmzimmer“, darunter einen großen, hellen Raum. „Das würde sich sogar für eine Kanzlei eignen“, überlegt Anke Klaus. Letztlich kommt jetzt alles darauf an, welche Mieter sich finden. Zumindest zwei, die vor dem Brand nicht da waren, stehen fest: Eine Zweirad-Reparatur ist eingezogen, ein Casino will ins straßenseitige Obergeschoss, über den früheren Auto-Teile-Handel.

Zum Richtfest am Freitagvormittag haben sich Bauarbeiter, Bauherren, Planer und Mieter auf dem Roscher-Gelände versammelt.
Zum Richtfest am Freitagvormittag haben sich Bauarbeiter, Bauherren, Planer und Mieter auf dem Roscher-Gelände versammelt. © Nikolai Schmidt

Die Brandsanierung hat 1,5 Millionen Euro gekostet, beim Wiederaufbau liegt die Kostengrenze bei 5,6 Millionen Euro. „Das übernimmt komplett die Versicherung, dazu kann ich nur Lobenswertes sagen“, erklärt Vielhaben. Hinzu komme natürlich noch der Mietausfall, aber auch der sei akzeptabel versichert. Einige Ausbaukosten übernimmt die Versicherung nicht – und alles, was über den 5,6 Millionen Euro liegt, sodass auch auf die Eigentümer ein Restbetrag zukommt. Oder auf die künftigen Mieter, die sich gegebenenfalls selbst am Innenausbau beteiligen können.

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Auch beim Zeitplan sind Anke Klaus und Carl-Jochen Vielhaben optimistisch: Spätestens Ende Februar soll der Wiederaufbau geschafft sein – exakt zwei Jahre nach dem Brand. Dieser Plan steht schon länger. „Ich bin zuversichtlich, dass wir ihn halten können“, sagt Vielhaben. Vor der Fertigstellung hat er noch etwas ganz Besonderes vor: In den früheren Räumen von Autoglas soll es am 8. November ein Sinfoniekonzert mit der Deutschen Akademischen Philharmonie geben. Das ist ein Reiseorchester, dem Vielhaben selbst angehört und das er auch managt: „Wir sind schon auf der ganzen Welt aufgetreten.“ Wenn die Corona-Situation es zulässt, sollen 100 Leute auf der Galerie und 200 im Parterre den Werken von Mendelssohn, Beethoven und Schubert lauschen können.

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