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Marschübung durch die Lausitz

Rund 300 Armeefahrzeuge werden heute zum Truppenübungsplatz verlegt – auch Hoyerswerda tangiert das.

Dank der mobilen Laderampe können Militärzüge überall entladen werden. Ohne Einweiser geht aber nichts – der Panzerfahrer hat nur eingeschränkte Sicht.
Dank der mobilen Laderampe können Militärzüge überall entladen werden. Ohne Einweiser geht aber nichts – der Panzerfahrer hat nur eingeschränkte Sicht. © Foto: Uwe Schulz

Lausitz. Militärtransporte durch die Lausitz sind keine Seltenheit mehr. Meist erfolgen sie über die A 4 zum Truppenübungsplatz Oberlausitz (TÜP). Aber eine Marschübung über öffentliche Straßen mit Schützenpanzern gibt es auch hier nicht alle Tage. Schon gar nicht die Verlegung einer Brigade mit rund 1 800 Soldatinnen und Soldaten und mit knapp 300 Fahrzeugen. Vor zwei Jahren begann die Planung dieser Übung mit Anfragen beim TÜP. 

Am Montag setzten sich die ersten Fahrzeuge in Bewegung, wurden in Hagenow 32 Schützenpanzer Marder des Panzergrenadierbataillons 401 auf einen Zug der Deutschen Bahn verladen, ein zweiter Zug wurde andernorts unter anderem mit schweren Lkw beladen. Gestern Vormittag kamen beide Züge in Senftenberg an und wurden über eine mobile Rampe entladen. Die Ankunft des ersten Zuges hatte sich in Senftenberg schnell herumgesprochen. Zu DDR-Zeiten wurden im Bahnhof offenbar öfters Militärkonvois entladen. Jetzt also Bundeswehr statt NVA. Dutzende Schaulustige wollten das Entladen mit beobachten. Was die Soldaten aber nicht zuließen. An einer parallel verlaufenden Straße war Schluss. Und das alles unter den Augen von Brigadegeneral Andreas Durst, dem Kommandeur der Brigade. Einige Einheiten haben in den vergangenen Wochen bei der Bekämpfung der Waldbrände im Norden geholfen, einige Einheiten werden im September nach Afghanistan verlegt. Sie werden das Schutzbataillon Regional Command North im Resolute Support-Mission in Masar-I-Sharif stellen. Andere Einheiten der Brigade werden wiederum als Teil der 1. Panzerdivision des Heeres im November auf dem TÜP Wildflecken an der Übung aus Anlass der fünfjährigen deutsch-polnischen Heereskooperation teilnehmen.

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Treff bei Freienhufen

Jetzt also Lausitz. Eine zweiteilige Übung. Auf dem TÜP Oberlausitz werden die Einheiten zwei Wochen lang verschiedene Schießübungen absolvieren. Aber auch die Pioniere sind gefragt. Davor hat man nun die Marschübung gesetzt. In dieser Größenordnung eher selten. Andreas Durst war mittags jedenfalls zufrieden mit dem, was er sah. Der Einsatz der mobilen Entlade-rampe klappte tadellos. Das beim Wenden der Panzer zerwühlte Areal neben den Gleisen wurde gleich im Anschluss von einem Bergepanzer „Büffel“ wieder hergerichtet.

In kleinen Gruppen von rund zehn Fahrzeugen wurden die Schützenpanzer schließlich als Kolonne auf der Straße westlich vom Großräschener See bis in ein Waldgebiet unweit der Autobahn A 13 nördlich von Freienhufen verlegt. Hier fanden sich im Laufe des Tages auch jene Einheiten ein, deren Radfahrzeuge über die Autobahn in die Lausitz rollten.

Vorsicht Kolonnen-Fahrt

Aus diesem sogenannten Verfügungsraum startet heute gegen 6.30 Uhr die erste Marscheinheit in Richtung Truppenübungsplatz. Dabei handelt es sich wieder um Gruppen von 10-12 Fahrzeugen, die sich im Abstand von mehreren Minuten in Bewegung setzen und mit einer Marschgeschwindigkeit von 30 km/h über die Straßen rollen – abgesichert von Feldjägern. Die Fahrzeuge nehmen von Freienhufen den Weg über die B 96 und B 156 durch Bluno bis zur B 97 bei Schwarze Pumpe, biegen hier nach rechts Richtung Hoyerswerda ab, passieren die Ostumfahrung der Stadt, um über die S 108 durch Lohsa zur B 156 und weiter zum Truppenübungsplatz zu gelangen. Dort soll das letzte Fahrzeug nach 14 Uhr ankommen. Es ist also mit Behinderungen zu rechnen.

Andreas Durst ist nicht Teil der Verlegung, aber Beobachter. Intern wird er sich genau die Marschdisziplin anschauen. Nach außen hin hofft er, dass es keine Unfälle gibt. Insbesondere weisen die Militärs darauf hin, dass die Panzer einerseits extrem kurze Bremswege haben, zum anderen beim Abbiegen mit dem Heck ausscheren. Zudem sind die kleinen Fahrzeuggruppen jeweils eine Kolonne (unter anderem an der blauen Flagge zu erkennen), gelten also als ein Fahrzeug, ein Einscheren beim Überholen in die Zwischenräume ist nicht erlaubt.

Die Rückverlegung am Freitag, dem 30. August erfolgt übrigens weitestgehend auf dem Schienenweg direkt über den Gleisanschluss des Truppenübungsplatzes.

Blaue Flagge für die Kolonne, Kelle als Fahrtrichtungsanzeiger. So sind die Panzer auf den Straßen unterwegs.
Blaue Flagge für die Kolonne, Kelle als Fahrtrichtungsanzeiger. So sind die Panzer auf den Straßen unterwegs. © Foto: Uwe Schulz
Die ersten „Marder“ verließen Senftenberg gegen 12 Uhr, übrigens mit Kettenpolstern aus Gummi als Schutz.
Die ersten „Marder“ verließen Senftenberg gegen 12 Uhr, übrigens mit Kettenpolstern aus Gummi als Schutz. © Foto: Uwe Schulz