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Warum der Rathausmaler nach Görlitz kommt

Martin Baier aus Leipzig zeichnet hin und wieder in der Altstadt. Diesmal war Görlitz' berühmteste Treppe sein Motiv.

So hat ihn der eine oder andere in den vergangenen Tagen vielleicht gesehen: Martin Baier an der Görlitzer Rathaustreppe. Um sie zu zeichnen, kam er extra aus Leipzig.
So hat ihn der eine oder andere in den vergangenen Tagen vielleicht gesehen: Martin Baier an der Görlitzer Rathaustreppe. Um sie zu zeichnen, kam er extra aus Leipzig. © André Schulze

Es war der Wunsch seiner Tante, die den Leipziger Martin Baier wieder einmal an die Neiße reisen ließ. Die Tante wünschte sich ein Bild von der Justizia, die auf der Görlitzer Rathaustreppe steht. Es ist eine besondere Figur an einem malerischen Ort.

Die Justizia trägt, anders als gleichnamige Figuren sonst, keine Augenbinde. Ob das so ist, weil sie einen guten Blick auf die Neißstraße haben soll, das weiß Martin Baier nicht. Der gebürtige Kodersdorfer hat sich darüber keine Gedanken gemacht.

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Menschen zu zeichnen, muss man trainieren

Vorige Woche war der Künstler erneut für ein paar Tage im Landkreis. Das macht der 65-Jährige öfter. "Je nachdem, wie ich bei Verwandten und Freunden hier und in der Lausitz Quartier bekomme", sagt er. Manchmal fährt er schon morgens zeitig in Leipzig los, um das Grab seiner Eltern in Kodersdorf zu pflegen, und abends zurück in seine neue Heimat. Aber immer nutzt er die Zeit auch fürs Malen oder Zeichnen. 

Waren es früher vorwiegend Stadtansichten, die der freiberufliche Mediengestalter zu Papier brachte, sind es jetzt viel mehr figürliche Darstellungen. "Ich wende mich mehr dem Menschen zu", erklärt er. "Das muss man üben." Das tut der Mann unter anderem im Kunstverein "Zinnober" in Böhlitz -Ehrenberg. Malen und Zeichnen ist für ihn ein Ausgleich zur täglichen Computerarbeit. "Es spricht meine Wahrnehmung durch aktive Erkundung und mein Gehirn an", erklärt er. 

Design und Bilder in Ausstellungen

In mehreren Ausstellungen, darunter in Kodersdorf, Riesa und Altranstädt, zeigte der Künstler seine Arbeiten, die er in Öl, Acryl, als Aquarell oder Druckgrafik anfertigt. Die Grundlagen dafür legte er in der Schule Kodersdorf, wo er den Zeichenzirkel von Martin Wauer besuchte. Später, nach Abitur und Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenmonteur, studierte Baier an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein. 1988 erhielt er den Designpreis der DDR.  Er beteiligte sich an Designausstellungen in Leipzig, Berlin, Stuttgart und Moskau. 

1995 schloss er eine Ausbildung zum Computergrafiker und Multimedia-Fachmann ab, seit 2004 arbeitet Baier freiberuflich. Hin und wieder ist er im Fernsehen zu sehen: als Komparse für Spielfilme, unter anderem bei Soko Leipzig.

Wenn der Freizeitkünstler in der Görlitzer Altstadt sitzt und zeichnet, schauen ihm oft und gern Touristen über die Schulter. Häufig wird er fotografiert. "Ich sehe mich dann sozusagen als Teil der Stadt, die den Gästen etwas bietet", erklärt er. Fragen der Besucher beantwortet er gern, "die Leute wollen doch etwas erfahren".

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