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Der Run auf die Maske

Seit Montag gilt Maskenpflicht in Geschäften, Bus und Bahn. Das sorgte für einen Ansturm in Apotheken. Der Weg war oft vergeblich. Der Kreis will nun helfen.

Anne-Kathrin Rausch von der Paracelsus-Apotheke mit einer FFP2-Maske. Lange hält man es mit denen im Alltag aber nicht aus. Sie sind eher fürs medizinische Personal gedacht.
Anne-Kathrin Rausch von der Paracelsus-Apotheke mit einer FFP2-Maske. Lange hält man es mit denen im Alltag aber nicht aus. Sie sind eher fürs medizinische Personal gedacht. © SZ/sdn

Nur diese eine Frage: Haben Sie Masken? Innerhalb von fünf Minuten betreten am Montag eine Handvoll Kunden die Hirsch-Apotheke am Görlitzer Postplatz. Und alle stellen sie die eine Frage.  

Angela Tirschler konnte sie bejahen - bis zum Mittag. Dann war die neueste Lieferung von Nase-Mund-Masken alle. "Wir haben am Sonnabend eine größere Menge bekommen", erzählt die Inhaberin der Hirsch-Apotheke in Görlitz. Auf ein weiteres Paket dagegen wartet sie schon seit zwei Wochen, das hing offenbar beim Zoll fest. 

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Selbstgenähte Masken waren Sonntag aus

Wie man im Stadtbild sieht, haben viele sich selbst hinter die Nähmaschine gesetzt. Bereits seit mehreren Wochen werden im Café Herzstück an der Weberstraße Masken genäht. Ursprünglich, um medizinisches Personal zu unterstützen. "Wir haben aber von Anfang an auch Anfragen von Privatleuten gehabt", erzählt Inhaberin Nancy Scholz. Man kann bei ihr welche bestellen, etwa zwei bis drei Tage, schätzt sie, braucht sie, "es ist so eine hohe Nachfrage da." 

Nancy Scholz, Inhaberin des Café Herzstück näht schon seit mehreren Wochen. Übers Wochenende war ihr Vorlauf plötzlich weg. Man kann Masken aber bei ihr bestellen.
Nancy Scholz, Inhaberin des Café Herzstück näht schon seit mehreren Wochen. Übers Wochenende war ihr Vorlauf plötzlich weg. Man kann Masken aber bei ihr bestellen. © Susanne Sodan

"Kriege ich die jetzt vom Freistaat bezahlt?", scherzt ein Mann, der bei Angela Tirschlers Kollegin ein kleines Päckchen erstanden hat. In Dresden beispielsweise hatte die Stadt 200.000 Masken ausgegeben. In Görlitz hatte die Linke 275 Stoffmasken bei einer lokalen Selbstständigen bestellt und in der Stadt verteilt. Schon am Freitagabend hieß es  auf der Facebook-Seite der Görlitzer Linken: "Unsere Masken sind leider alle." 

Sorgt der Kreis für Masken?

Masken für die Bevölkerung  - das war Montagfrüh auch in der Lagebesprechung des Landkreises Görlitz Thema. Der Kreis unterstützt seit einigen Wochen medizinische und Pflege-Einrichtungen bei der Beschaffung von Schutzkleidung durch das Textilunternehmen Frottana in Großschönau. "Wir werden versuchen, nach unseren Kapazitäten auch Masken für die Bevölkerung  bereitzustellen", sagt Susanne Lehmann aus dem Landratsbüro. Wie das genau funktionieren wird, dazu laufen aber noch die Planungen. Zumal mancher Apotheker wie Daniela Scholze, die in Kodersdorf und Görlitz Apotheken hat, sich auch kurzentschlossen ins Auto setzt und bei Frottana 2.000 Stück ordert. Sonst holt die Apothekerin nur 1.000 Masken ab, erzählt ihre Tochter Maria Scholze. Sie leitet die Kodersdorfer Apotheke. „Fast alle Kunden, die heute zu uns kamen, wollten Masken kaufen“, erzählt die junge Frau.

"Gibt's Masken?", ruft ein älterer Herr auf der Berliner Straße in Görlitz dem Sicherheitsmann am Eingang vom Drogeriemarkt dm zu. Dm hatte tatsächlich welche im Sortiment, erzählt Christoph Schulze, stellvertretender Filialleiter an der Berliner Straße. "Aber im Moment sind sie nicht lieferbar. Das Unternehmen bemüht sich sehr, dass wir wieder welche bekommen zum Verkauf." Am Schaufenster draußen hängen A4-Blätter mit der Info: Wer zum Einkaufen keine Maske hat, kann sich bei dm eine für einen Euro geben lassen. Im Moment sind auch diese Masken zum Ausgeben nur in einem kleinen Bestand da, hier erwartet Christoph Schulze im Laufe der Woche eine Lieferung. 

Desinfektionsmittel wieder zu haben - Masken ausverkauft. So geht es nicht nur der Pluspunkt-Apotheke auf der Berliner Straße.
Desinfektionsmittel wieder zu haben - Masken ausverkauft. So geht es nicht nur der Pluspunkt-Apotheke auf der Berliner Straße. © SZ/sdn

Lieferung schwer abschätzbar

500 Masken hatte Anne-Kathrin Rausch am Freitag für ihre Paracelsus-Apotheke auf der Bismarck-Straße erhalten. Sonnabend waren sie größtenteils weg, die allerletzten gingen Montagfrüh über die Theke. Am Mittag kam noch mal eine kleine Lieferung, "ich habe gerade die ersten fünf schon wieder abgegeben." Ob Bestellungen kommen wie geplant, ist für Apotheken gerade schwer abzuschätzen. Für Mittwoch erwartet sie FFP2-Masken. Die kosten im Moment um die sechs Euro pro Stück. Anne-Kathrin Rausch nimmt an, dass sie eher günstiger als teurer werden - weil die Produktion sehr angekurbelt worden sei. Sie selbst nutzt ebenfalls Stoffmasken. Aus den gleichen Gründen wie Angela Tirschler: Sie sind nachhaltiger.

Der Nieskyer Apotheker Heiko Neumann mit einem Mundschutz. .Derzeit sind die Masken in der Zinzendorf-Apotheke ausverkauft. Bestellungen für die neue Lieferung werden entgegengenommen.
Der Nieskyer Apotheker Heiko Neumann mit einem Mundschutz. .Derzeit sind die Masken in der Zinzendorf-Apotheke ausverkauft. Bestellungen für die neue Lieferung werden entgegengenommen. © André Schulze

Auch in Niesky sind die Schutztücher rar geworden. So hat  Apotheker Heiko Neumann derzeit weder die Einweg-Masken noch die aus Baumwolle in seiner Zinzendorf-Apotheke vorrätig. „Für mich ein Unding. Wenn ich eine Mundschutzpflicht einführe, muss ich auch dafür sorgen, dass ausreichend Masken vorrätig sind“, kritisiert er. Derzeit nehmen er und seine Mitarbeiterinnen nur Bestellungen an. „Wir hoffen, dass diese Woche die bestellte Nachlieferung kommt“, so Neumann.

Frau bringt selbst genähte Masken

In der Linden-Apotheke im Nieskyer Süden ist zwar noch kein Ausverkauf. Inhaberin Yvonne Gärtner sagt aber, dass nur noch die Einweg-Masken zu haben sind. „Die Stoffmasken sind alle raus, wir erwarten für Mittwoch eine neue Lieferung.“ Auch hier erlebten die Mitarbeiterinnen einen regelrechten Ansturm, der Freitag begann und sich am Montag fortsetzte. Auch wenn es nur einen Tropfen auf den heißen Stein ist: Yvonne Gärtner freut sich über eine Kundin, die ihr 70 selbstgenähte Baumwoll-Masken vorbeibrachte.

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