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Massenwanderung im Kronospan-Werk

Riesentrubel beim Lampertswalder Laminatriesen: Über 2 000 Besucher blickten am Sonnabend anlässlich des zehnjährigen Jubiläums von Kronospan einmal hinter die Werkstore.

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Von Marco Mach

Die drei Busse reichten nicht. Sonnabend Mittag musste ein vierter angefordert werden, um die Menschen vom Park- und Verpflegungsplatz Schloss Schönfeld ins Kronospan-Werk nach Lampertswalde und zurück zu bringen. Die Resonanz beim Tag der offenen Tür anlässlich des zehnjährigen Jubiläums war riesig, über 2 000 Besucher wollten den Laminathersteller einmal genau unter die Lupe nehmen. Viel mehr, als das 2001 der Fall war. „Damit haben wir niemals gerechnet“, sagte Prokurist Anton Ott.

„Das, was in einer Fabrik wie unserer abläuft, ist für den Laien nicht leicht nachzuvollziehen. Bei den Führungen dagegen kann sich jeder selbst ein Bild machen und unsere Mitarbeiter direkt fragen“, so Geschäftsführer Wolfgang Seifert. In der 40-Mann-Gruppe von Elektromeister Reinhard Noack, dauert es nicht lange, bis die erste Frage gestellt wird: „Was ist das für ein Rauch, der dort oben aus dem Schornstein kommt?“ Das sei nur Wasserdampf, der durch die Fasertrocknung entsteht, erklärt Noack.

Der 47-Jährige ist von Anfang an im Betrieb dabei und kennt den Hintergrund dieser Frage ganz genau. Vor allem der Verein „Dörfer mit Zukunft“ machte in den vergangenen zehn Jahren immer wieder gegen Kronospan mobil, griff den Betrieb als Lärmverursacher und Umweltstörenfried an. Auch heute wird der Laminatriese von einigen noch so gesehen, wie der Besucher-Fragebogen zum Tag der offenen Tür zeigt. Doch es gibt auch andere Stimmen. „Ich kann die Kritik nicht verstehen. Kronospan ist der größte Arbeitgeber der Region“, sagte Monika Schulz aus Gröditz. Und Andrea Hoffmann aus Freital, deren Eltern in Lampertswalde wohnen, meinte dazu: „Durch so einen Tag werden viele Vorurteile abgebaut.“

Für das teils negative Bild bei den Bürgern geben sich die Kronospan-Macher selbst die Schuld. In der Vergangenheit hätten sie zu wenig Informationspolitik betrieben. Das solle sich jetzt ändern.

Werbebälle sind gefragter als Umweltinformationen

Das Streben nach mehr Transparenz wurde am Sonnabend deutlich – und das nicht nur durch die Werksführungen. An einem extra Stand konnten die Besucher Wissenswertes über den Umweltschutz erfahren. Zum Beispiel, dass die biologische Abgasreinigungsanlage, die Ende 2004 in Betrieb gehen soll, die Belastung beträchtlich senke. Auch der oft übersehene Unterschied zwischen Emission und Immission, also zwischen dem, was aus dem Schornstein herauskommt, und dem, was auf Lampertswalde herunterfällt, war grafisch dargestellt. Doch: Außer Bürgermeister Wolfgang Hoffmann besuchte keiner den Stand. „Das ist enttäuschend. Wir hatten schon gehofft, dass sich Leute aus dem Umfeld informieren kommen“, bilanzierte Matthias Roch, Umweltschutzbeauftragter bei Kronospan. Mehr Andrang herrschte am Werbemittelstand. Die Kronospan-Bälle, Stifte und Schlüsselbänder waren heiß begehrt.