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Wirtschaft

Masterpläne gibt es schon genug

Industrie und Politik verständigen sich beim Autogipfel nur auf den Ausbau des Ladenetzes für E-Autos. Das ist zu dürftig - ein Kommentar von Nora Miethke.

Nora Miethke
Nora Miethke © dpa/Montage: SZ-Bildstelle

In wichtigen Automobilmärkten steht die Elektromobilität kurz vor dem Durchbruch. In China etwa, wo die deutschen Autobauer bislang fast die Hälfte ihres Umsatzes einfahren, hat sich der Absatz von Elektroautos verdoppelt. Der weltweite Wandel von erdölbetriebenen hin zu strombetriebenen Fahrzeugen ist nicht mehr aufzuhalten.

Doch die Angst besteht, dass Deutschland den Umbau seiner Schlüsselindustrie verschlafen könnte, an der Hunderttausende Arbeitsplätze hängen. Der jüngste Autogipfel im Kanzleramt konnte diesen Eindruck nicht verwischen. Einziges greifbares Ergebnis: der Beschluss, einen „Masterplan“ zum Ausbau des Ladenetzes für E-Autos zu entwickeln. Das ist sehr dürftig, zumal es dafür bereits Vorschläge von der Nationalen Plattform „Zukunft der Mobilität“ gibt.

Ob Kohleausstieg oder Verkehrswende – die Politik verzettelt sich in Kommissionen, Masterplänen und Gipfeltreffen im Kanzleramt, anstatt endlich loszulegen mit der Umsetzung längst vorgelegter Empfehlungen. Es wird viel geredet, aber wenig gehandelt. Wo bleibt die Reform des Miet- und Wohneigentumsrechts? Damit auch in privaten Häusern und Bürogebäuden mehr Ladepunkte installiert werden können, finanziell unterstützt von Förderprogrammen des Bundes. Diese fehlen ebenfalls. 

Die Bundesregierung muss mehr Anreize setzen, damit die Elektrofahrzeuge auch gekauft werden, die ab 2020 auf den Markt kommen. Eine Kaufprämie allein reicht da nicht aus.

E-Mail an Nora Miethke.

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