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Mathe-Abi: Noten werden leicht angehoben

Nicht nur Schüler hatten sich in diesem Jahr über die Aufgaben beschwert. Der Kultusminister reagiert nun.

Sachsens Schüler haben auch in diesem Jahr ganz regulär die Abiturprüfungen abgelegt.
Sachsens Schüler haben auch in diesem Jahr ganz regulär die Abiturprüfungen abgelegt. © dpa

Dresden. War das Matheabitur zu schwer? Nach Auswertung einer repräsentativen Umfrage an den Gymnasien lenkt das Kultusministerium nun ein. Im Grund- und Leistungskursfach Mathematik werden die Noten um einen Punkt angehoben. Das hat Kultusminister Christian Piwarz (CDU) entschieden, teilte das Ministerium am Mittwoch  mit.

In diesem Jahr hatten nicht nur Schülerinnen und Schülern den Schwierigkeitsgrad der Aufgaben in den schriftlichen Abiturprüfungen im Unterrichtsfach Mathematik kritisiert. Die Prüfungsaufgaben seien zu anspruchsvoll und zu textlastig gewesen. Auch sei das Zeitbudget für die Lösung der Aufgaben zu knapp bemessen. Von Eltern und erstmals auch von Lehrkräften kam in den vergangenen Wochen ebenfalls Kritik. "Klagen über ein zu schweres Abitur gibt es in jedem Jahr", teilt das Kultusministerium mit. "Doch in diesem Jahr hatten die Hinweise eine andere Qualität."

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Schlechtester Notendurchschnitt seit 2013

Eine repräsentative Stichprobe unter den Gymnasien ergab, dass der erreichte Notendurchschnitt im Mathe-Abi tatsächlich schlechter ausgefallen ist als im Vorjahr. Im Leistungskurs erreichten die Abiturienten einen Durchschnitt von 3,1. 2019 lag er bei 2,5. Das sei das schlechteste Ergebnis seit 2013, so das Ministerium. Im Grundkurs lag der Notendurchschnitt bei 3,3 - immerhin das zweitschlechteste Ergebnis. Viele Schülerinnen und Schüler seien erheblich unter ihren Vorleistungen geblieben.

Die gestellten Aufgaben haben zwar grundsätzlich dem sächsischen Lehrplan und den Bildungsstandards der Kultusministerkonferenz entsprochen, hieß es. Allerdings gab es viele Aufgaben, bei denen es darum ging, das erworbene Wissen auf neue und unbekannte Sachverhalte anzuwenden. Sachsen hatte nach Angaben des Kultusministeriums in diesem Jahr mehr Aufgaben unverändert aus dem gemeinsamen Aufgabenpool der Länder entnommen, einige Aufgabenstellungen seien in ungewohnten Kontexten formuliert gewesen.

Vorbereitung zu Hause

Solche Aufgabenstellungen standen aber nicht im Fokus der Prüfungsvorbereitung. Durch die Schulschließungen wegen der Corona-Pandemie lag der Schwerpunkt der Vorbereitung  für viele Schüler vor allem im Lösen von Aufgaben aus den  vergangenen Jahren. Die Lehrer hatten in der häuslichen Lernzeit weniger Einfluss als üblich. Wegen der anderen Umstände fanden die Zweitkorrekturen der Abiturarbeiten an der eigenen Schule statt. Die Korrektoren konnten ihre Bewertung anpassen, falls einzelne Inhalte wirklich nicht behandelt worden sind.

„Ich hatte bei der Begründung meiner Entscheidung im April, dass die Prüfungen in Sachsen wie geplant stattfinden werden, betont, dass unseren Schülerinnen und Schülern kein Nachteil erwachsen soll", sagte Kultusminister Christian Piwarz. "Zu diesem Wort stehe ich." Die Problemlage in einigen Aufgabenstellungen sei nicht von den Schülern zu verantworten gewesen.

Der Landesschülerrat Sachsen begrüßte die Entscheidung, die Prüfungsnoten im Fach Mathematik anzuheben. "Dieser Nachteilsausgleich ist nötig und angemessen", sagte Landesschülersprecherin Joanna Kesicka. In diesem Jahr seien die Auswirkungen der Corona-Krise und die neue Art der Aufgabenstellungen zusammengekommen. "Schülerinnen und Schüler des Abiturjahrganges werden entlastet und die nicht gehaltenen Unterrichtsstunden für die Prüfungsvorbereitung während der Corona-Krise wieder kompensiert."

Ungewohnte Aufgabenformate

Der Philologenverband Sachsen sieht die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. "Aus Sicht der Schüler ist der Schritt sicher zu begrüßen", sagte Thomas Langer, der Vorsitzende des Verbands der Gymnasiallehrer. "Es sollte aber kein Präzedenzfall werden, dass Noten im Nachhinein geändert werden, weil der Druck durch Petitionen oder Leserbriefe zu groß geworden ist." Das sei ein "schwieriges Signal" an die Öffentlichkeit. 

Auch in der Lehrerschaft sei der Unmut groß. "Der Zeitpunkt ist sehr ungünstig", sagt Thomas Langer. Eine Woche vor Übergabe der Abiturzeugnisse müssen die Abiturnoten nun neu berechnet werden. Die Note der Matheprüfung zählt vierfach für das Gesamtergebnis.  Die Zeugnisse müssen nun neu gedruckt werden. "Das ist ein Riesenaufwand für Schulleiter und Oberstufenberater."

Das Problem sei aber nicht das corona-bedingte Schuljahr, sondern vielmehr, dass die Kommunikation über die Aufgaben aus dem deutschlandweiten Pool verbessert werden muss. "Unsere Schüler bekommen nun Aufgabenformate aus anderen Bundesländern, die sie nicht gewöhnt sind", so Langer. Hier müssten die Lehrer mehr geschult werden. 

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Piwarz kündigte an, während der Sommermonate Maßnahmen zu diskutieren, um künftig besser an allen Gymnasien die neue Aufgabenkultur und das damit verbundene Niveau der Bildungsstandards umzusetzen.

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