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Mathe top, Ehrenamt flop

Kein Musterschüler, doch immerhin ein „gut“ darf dem Landkreis Bautzen im Bereich Bildung und Lernen attestiert werden. Im Deutschen Lernatlas der Bertelsmann Stiftung landet der Kreis zwar nur im grauen...

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Von Sebastian Kositz

Kein Musterschüler, doch immerhin ein „gut“ darf dem Landkreis Bautzen im Bereich Bildung und Lernen attestiert werden. Im Deutschen Lernatlas der Bertelsmann Stiftung landet der Kreis zwar nur im grauen Mittelfeld, doch dafür findet sich Bautzen in einzelnen Teilbereichen immerhin in den jeweiligen Spitzengruppen wieder. Unterm Strich belegt Bautzen im Vergleich von insgesamt 75 ländlichen Landkreisen in Deutschland einen respektablen 40. Platz.

Für die Studie hat die Stiftung eine Reihe von Daten herangezogen. Nach einem komplizierten mathematischen Verfahren haben die Experten daraus 38 einzelne Vergleichspositionen gebildet. Diese wurden wiederum in vier Kategorien eingeteilt:

Schulisches Lernen: Spitze in den Naturwissenschaften

In der Kategorie „Schulisches Lernen“ hat die Stiftung den Lernerfolg von Kindern und Jugendlichen in der Schule unter die Lupe genommen. Das Ergebnis ist erfreulich: Der Landkreis ist dabei besser als der Durchschnitt. Bei den mathematischen und naturwissenschaftlichen Kompetenzen thront Bautzen gemeinsam mit anderen sächsischen Kreisen sogar auf dem Spitzenplatz. Auch bei der Lesekompetenz in Deutsch erzielte der Kreis gute Werte. Die Zahl der Sitzenbleiber ist gering, lediglich in fünf der insgesamt 75 ländlichen Landkreise in Deutschland müssen noch weniger Schüler eine Klasse wiederholen. Eher mau sieht es bei der Lesekompetenz in Englisch aus.

Für die Regionalstelle Bautzen der Sächsischen Bildungsagentur sind die Werte eine Bestätigung der guten Arbeit der Lehrer. „Wir werten das zudem als Bestätigung des sächsischen Bildungssystems“, sagt Sprecherin Angela Ruscher.

Berufliches Lernen: Hohe Bereitschaft zur Weiterbildung

Man lernt nie aus, heißt es im Volksmund. Im Landkreis Bautzen spiegelt sich das bei der Teilnahme an beruflicher Weiterbildung wieder. Jeder Sechste ruht sich hier nicht auf dem einmal erlernten Handwerkszeug aus, sondern verfeinert später seine Qualifikation. Das bedeutet mit dem zweitbesten Wert im Vergleich eine weitere Top-Platzierung. Allerdings ist die Berufsausbildung junger Menschen nicht immer von Erfolg gekrönt. Im Schnitt brechen etwas mehr Azubis ihre Lehre ab als anderswo.

Soziales Lernen: Zu wenig ehrenamtliches Engagement

In dieser Rubrik hat Bautzen schlechte Karten. Das ehrenamtliche Engagement hinkt dem deutschen Durchschnitt in den einzelnen Bereichen deutlich hinterher. In nur wenigen der anderen Kreise sind so wenige Menschen in politischen Parteien aktiv. Hier reicht es gerade einmal zu Platz 68. Immerhin ist das Angebot an Jugendeinrichtungen vorbildlich, was dem Kreis den fünften Platz einbringt.

Dem „Sozialen Lernen“ wird eine wichtige Bedeutung beigemessen. In Vereinen und Parteien erlernen Menschen soziale Kompetenzen. Dass Bautzen schlecht wegkommt, macht der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt vor allem an den Umbrüchen nach dem Mauerfall fest: „Viele Menschen hatten nach der Wende andere Sorgen, als sich in Parteien oder lokalen Vereinen zu engagieren“, erklärt Patzelt.

Persönliches Lernen: Theater und Konzerte statt Museum

Sport, Kultur oder einfach mal ein Buch lesen – auch das garantiert Lerneffekte. Die Bewohner des Landkreises gehen laut der Studie gerne ins Theater oder zu Konzerten. Hier nimmt Bautzen mit dem zweiten Platz wieder eine Spitzenposition ein. Im Gegensatz gehen die Menschen unterdurchschnittlich oft ins Museum. Stattdessen greifen sie lieber mal zu einem Buch (Platz zwölf). Auf ein Wort