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Der Neue im Görlitzer Stadtrat

Matthias Schöneich tritt bei der CDU die Nachfolge von Thomas Leder an. Manches will er ganz anders machen als sein Vorgänger.

Matthias Schöneich (CDU) steht vor dem Görlitzer Rathaus. Dort will er künftig im Stadtrat mitwirken.
Matthias Schöneich (CDU) steht vor dem Görlitzer Rathaus. Dort will er künftig im Stadtrat mitwirken. © Nikolai Schmidt

Matthias Schöneich saß am 28. Mai gerade in einem Café an der Müritz, als die Nachricht auf seinem Telefon einging: „Jetzt ist Deine Zeit gekommen.“ Drei oder vier CDU-Stadträte schrieben ihm gleichzeitig aus der laufenden Stadtratssitzung, wo ihr Fraktionskollege Thomas Leder gerade seinen Abschied nach 30 Jahren bekanntgab. „Da habe ich mich sofort in die Liveübertragung der Stadtratssitzung eingewählt und noch die Abschiedsrede von Thomas Leder erlebt“, sagt der 39-Jährige.

Einzug in Stadtrat knapp verpasst

Leder hatte voriges Jahr bei der Wahl 745 Stimmen bekommen und damit CDU-intern Platz 9. Das reichte gerade so für den Einzug in den Rat – die CDU bekam neun Sitze. Schöneich kam mit 663 Stimmen auf Platz 10 und wird somit jetzt für Leder nachrücken. Noch ist er kein Stadtrat, aber wenn nichts dazwischenkommt, wird er Ende Juni vereidigt. Dass er es nicht auf Anhieb schaffte, muss für ihn eine riesige Enttäuschung gewesen sein, denn er wollte unbedingt in den Stadtrat, druckte sogar eigene Flyer, startete eine Kampagne. Auch in CDU-Gremien wird er als drängend wahrgenommen. Jetzt kann er doch noch loslegen – und ist darüber sehr überrascht: „Ich hätte nie gedacht, dass Thomas Leder aufhört, er hat das nie kommuniziert.“

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Matthias Schöneich ist Görlitzer durch und durch. Hier wurde er im März 1981 geboren, hier machte er 1999 sein Abitur und dann seinen Zivildienst im Diakoniewerk Salem. „Ich wollte nie wirklich weg“, sagt er. Also ging er zum Maschinenbaustudium nach Zittau. Das war eine kooperative Ingenieursausbildung: „Ich habe nebenbei eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Siemens in Görlitz gemacht.“ Genau dort fing er dann nach dem Studium im Jahr 2005 an – als Angebots-Projektleiter.

Seit 15 Jahren fest bei Siemens

Diese Stelle hat er nun seit 15 Jahren ununterbrochen, schreibt Angebotstexte für Industrie-Dampfturbinen, sammelt die Infos der verschiedenen Gewerke zusammen – und fliegt auch viel zu Kunden auf der ganzen Welt. Doch so viele schöne Plätze er gesehen hat: „Ich wollte nirgendwoanders auf Dauer leben.“ Görlitz liebe er über alles, nicht nur wegen der Architektur. „Die Stadt ist klein genug, um Charme zu haben, aber auch groß genug für ein gewisses Angebot.“ Zudem sei die Lage in der Nähe von Bergen und dem See fantastisch.

Schöneich lebt in der Landeskronsiedlung am Fuße des Hausberges. Seit drei Jahren ist er verheiratet, seit fast zwei Jahren bereichert ein Sohn sein Leben. Nebenbei blieb immer Zeit für anderes, zum Beispiel für den Stadthallen-Förderverein, wo er im Vorstand aktiv ist, sowie für den Karnevalsverein, in dem er ebenfalls mitwirkt. Und für den Sport. Fast 30 Jahre lang trainierte er Judo und schaffte es bis in die Regionalliga. Bei der Kulturhauptstadtbewerbung 2006 war er Initiator und Mitorganisator des Staffellaufes von Görlitz nach Brüssel und seit 2006 nimmt er am Europamarathon teil. Zuerst lief er den Halbmarathon, mit 29 seinen ersten vollen Marathon. Und ausgerechnet dieses Jahr, wo der Europamarathon wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, schaffte er vor drei Wochen seine persönliche Bestzeit: „Ich habe im Training einen Marathon in unter drei Stunden absolviert“, sagt er stolz.

Politisch schon immer interessiert

Auch politisch sei er schon immer interessiert gewesen. Die Initialzündung aber war der Staffellauf 2006: „Da habe ich viele Leute kennengelernt, auch Politiker.“ Von da an habe er gewusst, dass er früher oder später in die Kommunalpolitik will. Dass es am Ende die CDU wurde, ist kein Zufall: Obwohl er kein Christ ist, hat er diese Partei gewählt, seit er wählen darf: „Mit dem Wahlprogramm der CDU habe ich mich immer ganz wohl gefühlt.“ Nach der Bundestagswahl 2017 unternahm er aber einen Abstecher zur Bewegung Motor Görlitz, die sich damals aus dem Schock über das hohe Wahlergebnis der AfD heraus formierte.

„Ich fand es klasse, dass sie politisch teilhaben wollten“, sagt er. Als Motor Görlitz noch ein loser Haufen war, sei er dabeigewesen, später nicht mehr. Er habe sich dann zur CDU bekannt. Der heutige OB Octavian Ursu, den er durch den Stadthallenverein schon lange kennt, fragte ihn Anfang 2018, ob er für die CDU für den Stadtrat kandidieren will. Er sagte zu – und wurde im Sommer 2018 CDU-Mitglied. Das war die Voraussetzung, um am CDU-Wahlprogramm mitschreiben zu können.

Wirtschaft und Kultur wichtig

Doch Schöneich hat auch sein persönliches Programm: „Ich möchte mich vor allem bei den Themen Wirtschaft und Kultur einbringen.“ Weltoffenheit und Toleranz sind ihm sehr wichtig, die Stadthalle ebenso. Doch im Gegensatz zu Thomas Leder sei er nicht Mr. Stadthalle: „Das kann und darf nicht das einzige Thema sein, Wirtschaft ist mir auch sehr wichtig.“ Mit Motor Görlitz verbindet ihn bis heute die Distanz zur AfD. In der CDU gibt es einen Grundsatzbeschluss, der die Zusammenarbeit mit der AfD untersagt. „Das finde ich richtig, daran werde ich mich halten“, sagt Schöneich.

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