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Mausohr zappelt und protestiert lautstark

Weißenberg. Teilnehmer der Fledermaustagung im Schloss Sornßig gehen auf eine Expedition an die Niedermühle am Löbauer Wasser.

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Von Kerstin Fiedler

Es ist 22 Uhr. Die Frauen und Männer haben sich nach einem Rundgang durch die von Norbert Vogel Stück für Stück wieder aufgebaute Niedermühle am Löbauer Wasser kulinarisch gestärkt. Danach hängen sie an zwei Stellen schwarze Netze auf. Fast unsichtbar verschwinden sie in der Dunkelheit. Eines hängt genau über dem Flüsschen, das andere auf einem Wiesenstück auf der anderen Seite der Mühle. Die Expeditionsteilnehmer wollen Fledermäuse fangen, bestimmen und beringen. „Am Freitag hatten wir großes Glück. Da gingen uns zwischen 22 und 24 Uhr innerhalb von zwei Stunden elf Tiere in die Netze“, erzählt Arndt Hochrein, der Vorsitzende des Verbandes für Fledermausforschung und -schutz. Sogar Langohren, eine ziemlich große Fledermausart, waren dabei. Da waren die Tagungsmitglieder im Kuppritzer Park. Hier in Weißenberg passiert erst einmal nichts. Leicht ungeduldig leuchtet immer mal wieder eine Lampe auf. „Licht aus!“ brüllt Arndt Hochrein gegen das rauschende Wasser an. Und alle sehen, wie in dem Moment eine Fledermaus nicht ins Netz geht, sondern darüber hinwegfliegt.

Straffes Programm zur Tagung

36 Interessenten kamen nach Sornßig zur achten Tagung des Verbandes. „Ich hatte nur mit 20, 25 gerechnet, war natürlich erfreut über so viele Leute“, sagt Hochrein. Dabei wäre beinahe noch alles im Programm durcheinandergeraten, weil einige Referenten erst ab- und später überraschend wieder zugesagt haben. Es war ein straffes Programm, doch alle waren zufrieden. Einige der Teilnehmer kommen von der ornithologischen Richtung und beschäftigen sich nur nebenbei mit den Fledermäusen. So wie Bernd Hieke aus der Nähe von Plauen, der in seinem Arbeitszimmer bereits junge Fledermäuse groß gezogen hat. Wenn er davon erzählt, spürt der Zuhörer die Freude über den Erfolg. Als Inhaber einer grafischen Werkstatt hat er bereits viele Motive aus der Natur genutzt. Eine Auswahl von Fledermausbildern, wie sie der Grafiker sieht, hat er mit nach Sornßig gebracht und dort ausgestellt. Sein bisher größter Erfolg im Bereich des Nauturschutzes war der Erhalt einer Mauersegler-Kolonie, erzählt Bernd Hieke.

Langes Warten auf den Fang

Nach knapp einer Stunde findet sich immer noch kein Tier im Netz. Also holt Gundula Fischer, die Lebensgefährtin von Arndt Hochrein, eine junge Fledermaus aus dem Auto. „Die muss jetzt unbedingt gefüttert werden“, sagt Gundula Fischer. Es ist eine Große Bartfledermaus, – nun ja, groß will sie wohl erst werden – die mächtig hungrig ist. Aus der Pipette bekommt sie Katzenmilch getröpfelt, die ihr sichtlich schmeckt. Weniger schmeckt ihr dann wohl der Rummel um das Fotografieren. „Jetzt wird sie ungeduldig und munter. Sie muss wieder in ihren Karton“, legt Arndt Hochrein fest.

Elke und Reimund Francke aus Chemnitz haben die Kopfhörer auf. Durch den Detektor hören sie, das Fledermäuse in der Nähe sind. Warum nur geht keine ins Netz? Doch plötzlich Aufregung am Wiesennetz. Die Kirchturmuhr schlägt gerade 23 Uhr. „Hier ist eine. Bringt einen Handschuh mit“, wird gerufen. Und tatsächlich. Es ist ein Mausohr, keine ganz kleine Fledermaus, die sich verfangen hat und nun mächtig strampelt, um aus dem Handschuh zu kommen. Doch es hilft nichts. Reimund Francke hat das Leinensäckchen parat, in das das Tier erst einmal hineinkommt. Andere Beobachter kommen hinzu, wollen den Fang begutachten. Schätzungen über das Gewicht werden abgegeben. Arndt Hochrein holt den Utensilienkoffer. Zunächst wird noch einmal festgestellt, dass es sich um ein männliches Tier handelt. Beim Alter gehen die Meinungen etwas auseinander. Einerseits könnte es schon älter sein, andererseits sind die Vorderzähne noch gut erhalten, was heißt, dass es noch jünger sein könnte. Die Unterarmlänge beträgt 56,5 Millimeter, 27,6 Gramm schwer ist das Tier. Bevor es wieder in die Freiheit entlassen wird, bekommt es einen Erkennungsring, der eher einer Klammer gleicht, damit er auf dem kleinen Knochen hin- und herrutschen kann.

Kurz vor Mitternacht geben die Fledermausfreunde auf. Mehr gehen wohl heute nicht mehr ins Netz. Aber immerhin weiß der Mühlenchef nun, dass es sie dort wirklich gibt, die Fledermäuse.