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May kämpft ums politische Überleben

Die britische Premierministerin muss sich beim Tory-Parteitag gegen Kritiker verteidigen.

Von Jochen Wittmann, SZ-Korrespondent in London

Die Geier lauern schon, doch die Chefin bleibt. Mit dieser Botschaft ging am Mittwoch der Parteitag der britischen Konservativen in Manchester zu Ende. Theresa May, Premierministerin und Parteivorsitzende, ist zwar politisch angeschlagen, aber noch lange nicht ausgezählt. Mit einer Ruck-Rede forderte May die Partei auf, die „Pflicht für Großbritannien“ zu erfüllen. May wehrte Zweifel an ihrer Führungsrolle ab. „Es war niemals mein Stil“, rief sie, „mich vor einer Herausforderung zu verstecken“, und sie werde sich „angesichts von Schwierigkeiten nicht zurückziehen und aufgeben“.

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Herausforderungen für May hatte es auf dem Parteitag gegeben. Besonders von Außenminister Boris Johnson. Seine Rede am Dienstag war eine als Loyalitätsadresse verkleidete Bewerbung um den Top-Job. Doch später leistete sich Johnson wieder einmal einen seiner verbalen Ausrutscher. Die libysche Stadt Sirte, sagte er, könne zu einem blühenden Dubai werden. Britische Geschäftsleute wären zu Investitionen bereit. „Sie müssen nur“, sagte er lachend, „die Leichen wegräumen.“ Die geschmacklose Bemerkung wurde scharf kritisiert. Kriegsopfer für nichts weiter als Unannehmlichkeiten für Geschäftsleute zu halten, sagte Labours außenpolitische Sprecherin Emily Thornberry, sei „unglaublich krass, kaltblütig und grausam“.

Es ist nicht nur der Außenminister, der in Manchester als möglicher Nachfolger von May gehandelt wurde. Der wie ein Landjunker auftretende Jacob Rees-Mogg zog die Delegierten ebenso an wie Ruth Davidson, die Chefin der schottischen Konservativen.

Ins Bild gesetzt wurden Mays Nöte durch den Komödianten Simon Brodkin, Künstlername: Lee Nelson. Er schmuggelte sich in den Saal, drängte sich während Mays Rede nach vorn ans Pult und drückte der Premierministerin einen sogenannten P45 in die Hand, also das Formular eines offiziellen Kündigungsschreiben. „Boris hat mich dazu angestiftet“, witzelte Brodkin, bevor er von den Sicherheitskräften aus dem Saal gedrängt wurde.