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Ein Urlaub wie im Märchenland

Paddeln, Wandern, Radeln: In der Mecklenburgischen Seenplatte führt jeder Weg zu grandiosen Naturerlebnissen.

In der Mecklenburgischen Seenplatten können Touristen Touren voller Abwechslung erleben.
In der Mecklenburgischen Seenplatten können Touristen Touren voller Abwechslung erleben. © Jens Büttner/dpa (Symbolbild)

Von Ekkehart Eichler 

Montag, Punkt neun in Kratzeburg. Als Christin und Robert ihren roten Canadier zu Wasser lassen, herrscht weit und breit noch himmlische Ruhe auf dem Käbelicksee. 23 Kilometer haben die beiden heute vor der Brust, auf ihrer Paddeltour von den Quellseen der Havel bis zum Rand des Nationalparks im Süden. Ein satter Tagestörn, auf dem im Idealfall See- und Fischadler zu sehen sind, Milane, Haubentaucher und Rohrdommeln. Und dazu anderes Feder- und Fellgetier, das in den streng geschützten Gewässern, Wäldern und Mooren des Müritz-Nationalparks zu Hause ist.

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Eine Tour voller Abwechslung. Umkreisten die beiden eben noch ein idyllisches Inselchen nebst Seerosenfeld, wird es jetzt schlagartig duster. Die Passage zum Granziner See gleicht einem romantischen Spreewaldfließ. Mit dichtem Spalier aus Schwarzerlen, mit Brückenröhre inklusive Fischotter-Laufsteg und mit bizarren Astfingern, die wie Hexenkrallen nach dem frühen Störenfried greifen. Ein märchenhafter Dschungel, durch den das Boot lautlos treibt in fast meditativer Stille. Bis unverhofft ein türkiser Blitz übers Wasser zuckt und für Aufregung sorgt – den leuchtenden Eisvogel-Pfeil bekommen selbst Paddel-Profis nicht alle Tage zu Gesicht.

Jeder See hat seinen Charakter

Was es dafür immer wieder gibt, sind diverse Wechsel: Jeder See – auf diesem Törn sind es insgesamt neun – hat seinen Charakter, jeder Havel-Verbinder dazwischen seinen spezifischen Reiz. Und zweimal fährt das Kanu sogar über Land. Wandert huckepack auf eine Lore und wird über Feldbahngleise bequem zum Nachbarsee geschoben – für Christin und Robert reine Routine und ein weiteres besonderes Teil im Paddel-Puzzle dieses Tages. Als sie spätnachmittags an der Useriner Mühle aus dem Boot steigen, sind sie geschafft, vor allem aber glücklich. Über einen tollen Naturtag im Nationalpark.

Dienstag, Punkt zehn am Warener Hotel Amsee. Als sich Stefan und Paul am Bootssteg treffen, herrscht eitel Sonnenschein im Revier. Bestes Wetter für ihr heutiges Programm: eine lockere Runde um den Tiefwarensee. Neun Kilometer, fast immer am Ufer entlang, mit vielen reizvollen Punkten. Und eine Reise zu den Spuren der letzten Eiszeit, die das Seenplatten-Gemälde vor ein paar Tausend Jahren hingekleckst hat. Auch der Tiefwarensee, mit 23 Metern etwas flacher als die große Müritz nebenan, ist eine von Gletscher-Schmelzwasser aufgefüllte Rinne. Und ein Paradebeispiel für die typischen eiszeitlichen Landschaftsformen Grundmoräne, Endmoräne und Sander.

Besonders die Endmoräne am Nordende des Sees hat es den alten Studienkumpels angetan. Auf ihren wallartigen Aufschüttungen erheben sich die berühmten Warener Buchen. Ein kleiner, feiner Wald direkt am See mit herrlichen Exemplaren des für Norddeutschland so typischen Baumes. Für Fotograf Paul ein Eldorado an Formen, Mustern und Figuren, für Lehrer Stefan eine botanische Schatzkammer – alles, was hier kreucht, fleucht und sprießt, kennt er quasi per Handschlag.

Zen-Meister und einsame Badestellen

Auf dem Eiszeitlehrpfad durchquert man die Wolfsschlucht und den Falkenhäger Bruch. Passiert die Pommersche Wiese, den Mühlenberg mit Freilichtbühne und den Schaugarten im Hotel am Tiefwarensee, dem sogar ein Zen-Meister seinen meditativen Stempel aufgedrückt hat. Man streift einsame Badestellen, wo Einzelgänger ungestört abhängen und abtauchen können. Begeistert sich an den Panoramen vom See und der Stadt Waren mit der markanten Turmhaube der Marienkirche. Und kann schlussendlich Paul und Stefan nur uneingeschränkt zustimmen: Schöner kann ein Wanderweg Natur und Stadt nicht miteinander verbinden.

Mittwoch, Punkt 9.30 Uhr in Waren. Als der erste Nationalparkbus des Tages an der Steinmole startet, hat er neben anderen frühen Vögeln Melissa und Thomas an Bord. Die enthusiastischen Biker wollen heute eine gemütliche 25-Kilometer-Runde im Nationalpark drehen. Die Räder haben sie auf dem Bus-Anhänger verstaut. Der Fahrer macht Späßchen, und als die zwei in Federow aussteigen, sind alle gut drauf. Ein kurzer Blick in die Nationalpark-Info, wo man per Live-Kamera dem Fischadler ins nahe Nest gucken kann. Dann noch ein kurzer Check von Route und Rädern, und schon radeln die beiden los.

Eine Nacht ist Pflicht

Anreise: Mit dem Auto von Dresden nach Waren (Müritz) rund 360 km. Mit dem Intercity achtmal täglich über Berlin ohne Umsteigen.

Eine Nacht ist Pflicht

Wegen Corona müssen Besucher aus anderen Bundesländern mindestens eine Übernachtung in Mecklenburg-Vorpommern nachweisen.

Eine Nacht ist Pflicht

Übernachtungsgäste erhalten eine Gästekarte, die zahlreiche Vorteile im Nahverkehr, im Nationalpark, in Städten und bei Tourismusbetrieben bietet.

Eine Nacht ist Pflicht

Herbst-Highlight: Entdeckerwoche im Nationalpark vom 17. bis 25. Oktober.

Eine Nacht ist Pflicht

Die Recherche wurde unterstützt vom Tourismusverband Meckl.-Vorpommern.

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Erster Halt: Schwarzenhof. Auch in dem winzigen Gutsdorf lädt eine Nationalpark-Station mit toller Fotoausstellung zur Verschnaufpause ein. Ein kurzer Plausch mit Rangerin Liane über Wetter und Wege, dann sitzen Melissa und Thomas schon wieder im Sattel. Bis im nächsten Dorf mit dem schönen Namen Speck nach kurzem steilen Anstieg der „Fuchsbau“ lockt. Ein rustikaler Imbiss, an dem kein Passant vorbeikommt – zu gut schmecken frisch gebackenes Brot, hauseigener Apfelsaft, Wildgulaschsuppe, Soljanka und Kuchen.

Gleich danach ein Höhepunkt im doppelten Sinn: Den 100 Meter hohen Käflingsberg krönt ein Aussichtsturm, der noch einmal 55 Meter beisteuert – für Meck-Pomm sind das Höhenangst-Dimensionen. Und die Aussichten in alle Richtungen entsprechend atemberaubend – allein sechs schimmernde See-Perlen lohnen den langen Drehwurm-Aufstieg. Wieder unten strampeln unsere beiden nach Boek. Das kleine Dorf ist das südliche Tor zum Natio-nalpark und ungemein populär für seine Führungen zum Thema Greifvögel.Und als Melissa und Thomas nach zwölf weiteren Kilometern in Federow wieder in den Bus nach Waren klettern, sind sie sich ganz und gar einig: Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt.

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