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Dresden

Dresdens erste Adresse für Ärzte

Vor 65 Jahren ist die Medizinische Akademie Dresden gegründet worden. Dafür mussten aber erst Parteifunktionäre umgestimmt werden. 

Die Medizinischen Akademie Dresden 1964 zehn Jahre nach der Gründung. Sie war in den Jahren zuvor großzügig ausgebaut worden.
Die Medizinischen Akademie Dresden 1964 zehn Jahre nach der Gründung. Sie war in den Jahren zuvor großzügig ausgebaut worden. © ADN/ZB/Giso Löwe

Es gibt zu wenige Ärzte. Schon in der Frühzeit der DDR wurde ein „empfindlicher Mangel an Ärzten“ festgestellt. Deshalb wurden in Dresden, Erfurt und Magdeburg Medizinische Akademien gegründet. Mit einem Festakt vor 65 Jahren wurde am 7. September 1954 die Medizinische Akademie in Dresden eröffnet. Bis 1993 wurden dort mehr als 6.000 Ärzte und Zahnärzte ausgebildet.

Während der Feierstunde im Großen Haus der Staatstheater Dresden erklang vor Wissenschaftlern, Ärzten und Funktionären der Schlusschor aus Richard Wagners „Meistersinger von Nürnberg“: „Verachtet mir die Meister nicht.“ „Dresdens fünfte Hochschule eröffnet“, jubelte damals die „Sächsische Zeitung“. DDR-Ministerpräsident Otto Grotewohl und der Rektor der Technischen Hochschule, Horst Peschel, gratulierten.

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Erste Pläne für eine eigenständige medizinische Hochschule hatte es schon 1938 gegeben. Dennoch war die Gründung der Medak, wie die neue Einrichtung umgangssprachlich bald genannt wurde, keineswegs selbstverständlich. Im Beschluss des DDR-Ministerrates vom 6. August 1953 waren die Städte Erfurt, Magdeburg, Frankfurt (Oder) und Berlin-Buch als Standorte vorgesehen. Dresden fehlte. Doch die Dresdner Ärzteschaft intervenierte erfolgreich.

Vor allem der bekannte Chirurg und Chefarzt des Friedrichstädter Krankenhauses, Albert Fromme, soll es gewesen sein, der mit einer Rede in Berlin Regierungsvertreter und Sachverständige umstimmte. Er wurde erster Rektor der neuen Medizinischen Akademie Dresden, und er soll es auch gewesen sein, der den Namen des Dresdner Arztes, Künstlers und Gelehrten Carl Gustav Carus gegen den von Ernst Thälmann durchsetzte.

Fromme stammte aus Gießen und hatte dort und in Berlin bis 1905 Medizin studiert. 1921 war er als Chefarzt an die chirurgische Klinik des Krankenhauses in Dresden-Friedrichstadt gekommen, das er auf universitäres Niveau führte und wo er eine „Dresdner Schule“ von Chirurgen begründete. Aus ihr ging unter anderem der spätere Nobelpreisträger Werner Forßmann hervor. Fromme gehörte zu den Gründungsmitgliedern der 1924 eingerichteten Fortbildungsakademie für Ärzte in Dresden und war von 1943 bis 1949 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie.

Schon unter Kurfürst Friedrich August II. war in Dresden damit begonnen worden, Ärzte auszubilden. In Gebäuden der Infanteriekasernen auf Neustädter Seite war 1748 das Collegium medico-chirurgicum gegründet worden. Nach der Schlacht von Dresden 1813 wurde es aufgelöst und die Ausbildung ein Jahr später in der späteren Königlich Chirurgisch-Medicinischen Akademie wieder aufgenommen, die 1815 in das Kurländer Palais einzog. Dort lehrte unter anderem auch deren Mitbegründer Carl Gustav Carus als Professor Geburtshilfe. Die Akademie wurde 1864 geschlossen.

Heimstatt der Medizinischen Akademie Dresden wurde das 1901 gegründete Krankenhaus Johannstadt. Die Kriegszerstörungen waren beseitigt worden, Studentenwohnheime, Hörsaal, Rektorat und Übungsräume für die Studenten wurden errichtet. Nach langer Debatte wurde die Medizinische Akademie 1993 als Medizinische Fakultät in die Technische Universität Dresden eingegliedert und 1999 Universitätsklinikum und Medizinische Fakultät rechtlich voneinander getrennt.

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