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Medinger sitzen auf dem Trockenem

Der Dorfbrunnen ist versiegt. Das ärgert die Menschen im Ort. Doch mit der Reparatur hat es die Gemeinde nicht sonderlich eilig.

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Von Sebastian Kositz

Wasser sprudelt schon seit Monaten nicht mehr aus dem Dorfbrunnen. Der Hahn an dem Auslass fehlt, die Leitung dahinter ist bereits lange abgeklemmt. Wer dort gegenüber am Medinger Gasthof kühles Nass entnehmen möchte, bleibt buchstäblich auf dem Trockenem sitzen. Ein Umstand, der viele Medinger zunehmend verärgert. Denn mit nur einigen Handgriffen und wenig Aufwand ließe sich der Brunnen nach Ansicht von Ortsvorsteher René Edelmann (Die Linke) doch problemlos wieder zum Laufen bringen.

Schon mehrfach hat sich der Ortsvorsteher deshalb bei der Gemeindeverwaltung erkundigt, auf das Ärgernis hingewiesen, darum gebeten, doch endlich den Brunnen zu reparieren. Doch geschehen ist bislang nichts. Zuletzt hatte sich René Edelmann im Mai an das Rathaus gewandt, in einer E-Mail noch einmal das Anliegen ausführlich vorgetragen. „Ich warte deshalb bis heute noch auf eine Antwort“, schäumt der Medinger Ortsvorsteher.

In seinem Schreiben vom Frühjahr monierte der Ortsvorsteher nicht nur die unterbrochene Wasserzufuhr, auch das trostlose Gesamtbild stieß ihm sauer auf. Unkraut, das verbogene Gelände, herausgebrochene Sandsteine an der Mauer des Ende der 1990er-Jahre vom Medinger Heimatverein auf Vordermann gebrachten Brunnens fielen ihm wie vielen anderen Menschen in der Ortschaft ebenfalls als äußerst unschön auf. „Seit Monaten hat sich die Gemeinde darum nicht geschert. Und es kann nicht sein, dass wir uns immer in unserer Freizeit darum kümmern müssen“, sagt René Edelmann, der öfters schon selbst am Dorfbrunnen mit angepackt hatte.

Immerhin hat die Gemeinde nun kürzlich den Wildwuchs beseitigt, das Geländer wieder herrichten lassen. Doch das allein genügt René Edelmann nicht. „Die Gemeinde wirbt mit dem Brunnen sogar auf ihrer Homepage für die schönen Seiten unseres Ortes. Da erwarten wir auch, dass sie sich dauerhaft darum kümmert und vor allem auch das Wasser wieder anstellt“, ärgert sich der Ortsvorsteher über die Tatenlosigkeit der Gemeindeverwaltung.

Ottendorfs Bürgermeister Michael Langwald (parteilos) äußerte auf Nachfrage der SZ durchaus Verständnis für das Ansinnen der Medinger. „Wir sind bestrebt, den Brunnen wieder in Betrieb nehmen zu können, allerdings müssen dazu noch einige Fragen geklärt werden“, sagt Michael Langwald. Das Problem: Einst speiste den Brunnen eine Leitung vom Goldborn. Doch als in Medingen die Ortsdurchfahrtsstraße erneuert worden ist, rissen Bauleute diese aus dem Erdreich. Seitdem hängt der Brunnen am Trinkwassernetz. „Wir können nicht einfach Wasser aus dem Netz entnehmen. Dazu muss ein Zähler eingebaut werden, der den Verbrauch ermittelt, für den wir am Ende auch bezahlen müssen“, erklärt Michael Langwald. Dazu müsse nun erst der Wasserversorger angefragt werden. Dass der Brunnen bereits dieses Jahr wieder sprudelt, glaubt der Bürgermeister nicht. Stattdessen will die Gemeinde versuchen, über den Winter alles in die Wege zu leiten, damit der Dorfbrunnen möglicherweise ab dem kommenden Jahr in Betrieb genommen werden kann. „Es wäre natürlich schön, wenn der Brunnen bald wieder Wasser spendet. Aber das ist von den vielen Aufgaben, die wir bewältigen müssen, nun einfach nicht die wichtigste, die ganz vorn ansteht“, so Michael Langwald.