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Medizin-Fans sind eine Macht

Die Anhänger der Hochweitzschner Fußballer haben für ihre Jungs gesammelt. Herausgekommen ist ein Trikotsatz.

Von Dirk Westphal
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Edeltraud Anke (Mitte) übergab mit Birgit Klingner (rechts) und Ines Helm (links) stellvertretend für die „Edelfans“ des
SV Medizin Hochweitzschen einen kompletten Trikotsatz an die Westewitzer Fußballer.
Edeltraud Anke (Mitte) übergab mit Birgit Klingner (rechts) und Ines Helm (links) stellvertretend für die „Edelfans“ des SV Medizin Hochweitzschen einen kompletten Trikotsatz an die Westewitzer Fußballer. © Dirk Westphal

Hochweitzschen. Schlagerstar Frank Schöbel hat es schon immer gewusst. „Die Fans sind eine Macht, wer keine hat gut Nacht. Und sind es auch nur sieben oder acht, es sind Fans und Fans sind eine Macht“, sang er bereits 1987. Umso dankbarer sind Fußballer und Vorstand des SV Medizin Hochweitzschen, dass sie auf die Unterstützung von weit mehr Anhängern bauen können. „Wir sind breit aufgestellt und wollen uns als Verein präsentieren“, sagte Präsident Holger Mimel und fügte an: „Und ich glaube, wir sind im Dorf gut angekommen.“

Das spiegelte sich am Freitagabend beim alljährlichen Fantreffen im Sportlerheim des Vereins wider. Kein Platz an der großen Tafel war mehr frei. Zusätzliche Sitzgelegenheiten mussten von draußen für die ehemaligen Kicker, Eltern, Großeltern oder einfach nur Fußballenthusiasten herangeschafft werden. Dabei sind diese in den vergangenen Jahren durch ein Wechselbad der Gefühle gegangen. Getreu dem Text im Schöbel-Hit: „Läuft das Spiel mal eben nicht ganz so gut. Vertrau den Fans, sie geben dir wieder Mut. Und wenn du’s dann gepackt hast, und kommst groß raus, ist der Dank, minutenlang Applaus.“ 

So sei, laut Mimel, 2017 das ganze Dorf unterwegs gewesen, um die Mannschaft auf dem Weg zum Kreismeistertitel zu unterstützen, ehe nur zwei Jahre später die Katastrophe folgte. Die Mannschaft stieg sportlich ab, blieb dann aber in der Liga, da andere Kontrahenten verzichteten. Die Fans hielten zu ihrer Truppe und wurden belohnt. Wie Phönix aus der Asche kehrten die Medizin-Kicker an die Tabellenspitze zurück und führen das Klassement souverän an. 

Von Aufstieg allerdings will in Westewitz auch in gemütlicher Runde noch niemand etwas wissen. Weder Vereinschef Holger Mimel, noch Trainer Klaus Krzemyk oder Fan Edeltraud Anke. „Warten wir mal ab, wie die Saison weiter verläuft und dann sehen wir mal“, sind sie sich praktisch einig. Applaus für die grandiose Hinrunde hatte die Abordnung der Mannschaft dennoch verdient. Noch größeren bekamen in einer angenehmen, familiären Atmosphäre die Edelfans, die eine Überraschung der besonderen Art vorbereitet hatten.

„Wir haben zusammengesessen und uns überlegt, für unsere Jungs mal etwas Gutes zu tun“, erklärte Birgit Klingner vom Versorgungsteam. „Bei einem Glas Rotwein“, sagte Edeltraud Anke verschmitzt. Und so kam den Frauen die Idee, Geld für Trikots zu sammeln. Anke sei dann losgezogen und hätte Klinken geputzt. „Ich habe Zeit und die kennen mich doch alle im Dorf. Ich hab überall geklingelt und gefragt“, erzählt die rüstige Ruheständlerin und weiter: „Jeder hat da gesagt, ja ich geb was.“ 

Zusammengekommen ist ein komplettes Trikotset für die erste und zweite Männermannschaft. Das nahmen stellvertretend Christopher Wiesner und Marco Jähnichen entgegen, die sich auch bei ihren Anhängern bedankten. „Es ist schon beeindruckend, dass so etwas zustande gekommen ist“, sagte der Abteilungsleiter Herrenbereich, Axel Klingner. Holger Mimel hatte dafür aber eine einfache Erklärung: „Es ist eben ein Dorf. Da gibt es doch noch einen anderen Zusammenhalt.“

Und so werden Edeltraud Anke und die anderen Fans die Medizin-Mannschaften auch weiterhin bei den Spielen, aber auch ehrenamtlich bei der Absicherung der Versorgung im Vereinsheim unterstützen. „Das ist nicht selbstverständlich. Aber die Jungs freuen sich, wenn auswärts 20 Fans mitfahren und bei den Heimspielen 50 und mehr Anhänger dabei sind“, so Holger Mimel, dem die Seniorin Helga Gutzmann letztendlich aus dem Herzen sprach. Denn die bedankte sich bei den Frauen des Versorgungsteams für die stets tolle Bewirtung mit kleinen Präsenten.