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Mediziner fühlt sich mit 80 noch fit

Der Allgemeinmediziner Dr. Hartwig Bach wehrt sich gegen Gerüchte, dass er seine Praxis schließen will,

© Dietmar Thomas

Von Jens Hoyer

Döbeln. Es ist ein ungewöhnlicher Aushang „in eigener Sache“, den der Allgemeinmediziner und Internisten Dr. Hartwig Bach an die Tür zu seiner Praxis heften ließ. Um „Gerüchten vorzubeugen“ weist der Arzt seine Patienten darauf hin, dass er nicht vor hat, seine Praxis zu schließen. Überweisungen an andere Praxen werden nicht erfolgen. „Ich sah es als notwendig an, in Aktion zu treten, um etwas gegen die Flüsterpropaganda zu unternehmen“, sagte Bach. Anfang April seien diese Gerüchte aufgekommen und es hätten Patienten um Überweisungen an andere Allgemeinmediziner gebeten. Damals hatte die Ärztin Andrea Mielke ihre Praxis an der Kreuzstraße eröffnet. Der Zulassungsausschuss der Kassenärztlichen Vereinigung habe diese neue Praxis genehmigt, obwohl in Döbeln doch wegen der guten Versorgung eigentlich ein Zulassungsstopp herrsche, sagte Bach. Er mutmaßt, dass man ihn wegen seines Alters zur Aufgabe der Praxis bringen wolle. „Ich habe eine Anfrage an die Zulassungskommission gestellt und warte jetzt auf Antwort“, sagte Bach.

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Mit 80 Jahren ist Bach der älteste Allgemeinmediziner der Stadt. Und er ist sozusagen ein gebranntes Kind. Vor elf Jahren hatte er seine Praxis an der Ritterstraße aufgemacht, weil er im Land Brandenburg nach den damals geltenden Regelungen mit 68 Jahren aufhören musste. Damals war er nach Sachsen gekommen, wo nicht nur Ärztemangel herrschte, sondern auch andere Regeln. „Die Kassenärztliche Vereinigung Leipzig hatte mich damals mit Kusshand genommen.“

Ans Aufhören denkt der Mediziner nicht. Gesundheitlich sei er noch auf der Höhe. „Ich nehme noch nicht einmal Tabletten“, sagte er. Fit halte ihn die Arbeit – und nicht nur die in der Praxis. In der Nähe von Eisenhüttenstadt, wo Bach bis heute lebt, hat er eine „Landwirtschaft“, die er an den Wochenenden bewirtschaftet. „Ich habe sogar einen Ochsen, der immer draußen ist. Wo soll ich denn sonst mit dem ganzen Gras hin“, sagte er. Die Woche über wohnt er in Döbeln,

„Es ist doch Quatsch, im Alter zu sagen, ich muss aufhören, wenn ich keine Leiden habe“, sage Bach. „Wenn man das, was man tut, nicht als Arbeit ansieht, dann hilft das sehr.“ Urlaub brauche er auch nicht. „Ich habe ja jede Woche Urlaub“, meint er. Als ehemaliger DDR-Bürger denke er immer in Fünf-Jahres-Plänen, sagte er scherzhaft. „Mein dritter Fünf-Jahres-Plan in Döbeln hat erst begonnen.“

Die Kassenärztliche Vereinigung hat am Montag auf eine Anfrage des Döbelner Anzeigers nicht geantwortet. Anfang des Jahres schätzte sie die allgemeinmedizinische Versorgung aber als gut ein – sie liege bei 98 Prozent. Allerdings seien viele der 44 Allgemeinmediziner im vorgerückten Alter, der Durchschnitt liege derzeit bei 53 Jahren. Drei Ärzte sind über 70 Jahre alt, mehr als die Hälfte zwischen 50 und 60.