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Megadrome: Jetzt die dritte Eröffnung?

Immobilie. Bereits imvorigen Jahr sollte die Großdisco am Radebeuler Rand wieder öffnen. Doch bis heute steht sie leer und verfällt.

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Von Torsten Oelsner

Im vergangenen Jahr schien es, als stünde die ehemalige Großdisco Megadrome vor einem fulminanten Comeback. Lars Hunger, ein 28-jähriger Betreiber einer Modelagentur, zeigte Interesse an der Immobilie und versprach Großes. Zur Eröffnung des Hauses sollte Schlagersternchen Yvonne Caterrfeld auftreten, mit der Hunger angeblich verwandt ist.

Beim Mangement der Künstlerin in Berlin wird das bestritten.

Auch ein Musik-Fernsehsender sollte künftig regelmäßig die Welt live aus Radebeul mit Sound und bunten Bildern versorgen. Das alles ab September 2004.

Istzustand jetzt: Alles wie gehabt. Die einstige Vorzeigedisko, zu der Mitte der Neunziger Tanzwütige selbst aus Leipzig und dem tiefstem Ostsachsen anreisten, steht und setzt langsam die Patina des Verfalls an – Unkraut wuchert, Farbe blättert und Fliesen heben sich durch Frost und Wasser.

Neustart im September?

Im Bauamt in Radebeul hat man ebenfalls schon lange nichts mehr aus der Ecke Megadrome gehört, heißt es bei Baubürgermeister Jörg Müller. Dessen ungeachtet verspricht Investor Lars Hunger wieder den Neustart, diesmal im September diesen Jahres. Mehrmals hieß es bereits, die Finanzierung stehe, es gehe nur noch um Kleinigkeiten.

Gestern räumte der Investor auf Nachfrage der SZ ein, dass noch ein Wirtschaftlichkeitskonzept fehle, das der Bank vorgelegt werden müsse. Finanziert werden soll alles über die Euro-Hyp in Frankfurt/Main. Man spricht über eine Gesamtsumme von zwei Millionen Euro.

Hunger möchte die Immobilie kaufen, deutet aber ohne konkret zu werden an, dass es nach wie vor Schwierigkeiten mit der Insolvenzverwaltung, der Dresdner Kanzlei Derra, Meyer und Partner gebe.

Dort ist man jedoch bereit, die Immobilie, die einst zum Immobilienimperium des Lebemannes und Baulöwen Dieter Tobollik gehörte, zum Preis von 1,5 Millionen zu verkaufen.

„Wir haben noch nichts Schriftliches von Herrn Hunger gesehen“, sagt Kanzleimitarbeiter Reinhard Wagner. Bisher gebe es lediglich die Bekundung einer Verkaufsabsicht. Die Gläubigerbank, ebenfalls die Euro-Hyp, würde das Gebäude gern loswerden. Die Einnahmen aus der Vermietung von Teilen des Hauses deckten nicht einmal die Kosten für das Gebäude, ganz zu schweigen von den Forderungen der Gläubiger. Ein erster Zwangsversteigerungstermin im Januar blieb ohne Ergebnis.

Radiosender im Gespräch

„Wir wollen raus aus der Insolvenz“, so Verwalter Wagner. Das soll mit Hilfe eines Konzeptes geschen, das Hunger von der Saxonia-Unternehmensberatung, einer Tochterfirma der sächsischen Dehoga, erarbeiten lässt. Der zuständige Bearbeiter ist Andreas Viehweg. Er sei erst seit Februar mit dem Vorgang befasst, so Viehweg. Bestätigen könne er, dass es bereits Vorverträge mit Partnern gebe, darunter auch von Viva. Damit widerspricht er seinem Auftragsgeber bereits wieder. Von der Fernsehbeteiligung hat sich Lars Hunger schon verabschiedet. Jetzt ist von Radio Energy die Rede.