merken
PLUS

Niesky

Megastau - ein Protokoll des Versagens

Die Sperrung des A4-Autobahntunnels am Sonntag führte zu stundenlangen Wartezeiten. So schlimm hätte es bei Weitem nicht kommen müssen.

Viel Geduld brauchten die Kraftfahrer am Sonntag, die mit dem Auto auf der  B 115 in Richtung Norden unterwegs waren. Am Vormittag staute sich der Verkehr von der Jänkendorfer Kreuzung bis Kodersdorf. Am Nachmittag bis Ödernitz (im Foto).
Viel Geduld brauchten die Kraftfahrer am Sonntag, die mit dem Auto auf der B 115 in Richtung Norden unterwegs waren. Am Vormittag staute sich der Verkehr von der Jänkendorfer Kreuzung bis Kodersdorf. Am Nachmittag bis Ödernitz (im Foto). © Foto: Rolf Ullmann

Welch ein Ärger für tausende Autofahrer: Am Sonntag war der Autobahntunnel Königshainer Berge in beiden Richtungen gesperrt, von 6 bis 18 Uhr. Die Umleitung über Niesky funktionierte (wieder einmal) nicht. Als der Autor gegen 11 Uhr von Horka Richtung Görlitz fuhr, reichte der Rückstau von der Jänkendorfer Kreuzung in Niesky bereits bis Mitte Kodersdorf (rund acht Kilometer). Dann folgten zähfließender Verkehr bis zur Autobahn, auf der sich an der Kodersdorfer Abfahrt der Verkehr noch einmal rund zwei Kilometer staute. Im Stau standen so nicht nur Autobahnfahrer, sondern auch Fahrer, die einfach nur von Görlitz Richtung Norden unterwegs waren.

Die Ursache für diesen Megastau ist schnell ausgemacht: die einzige Ampel auf der gesamten Umleitungsstrecke zwischen der Kodersdorfer Autobahnabfahrt und der Nieder Seifersdorfer Autobahnauffahrt. Sie steht an der Jänkendorfer Kreuzung in Niesky, dort, wo die Autobahnfahrer von der B115 über eine Linksabbiegerspur Richtung Nieder Seifersdorf abbiegen müssen. Für diese Spur, so ergaben es Messungen der Sächsischen Zeitung am Sonntagnachmittag während des Megastaus, schaltet die Ampel für zehn Sekunden auf Grün, danach ist für 57 Sekunden Rot. In den zehn Sekunden schaffen es – so unsere Beobachtungen – maximal fünf Pkw, die Kreuzung zu passieren, wobei der letzte die Grenze des Erlaubten ausreizt, manchmal auch überschreitet. Am Stauende kommen in den 57 Sekunden wesentlich mehr Autos an. Der Stau wächst schnell an. Die Situation ist nicht neu. Die SZ hat zum Beispiel am 30. August 2018 über genau so einen Megastau nach einer geplanten Tunnelsperrung am Tag zuvor berichtet. Damals, an einem Wochentag, wurde beobachtet, dass nicht selten nur ein einziger Lkw diese Kreuzung, während einer Grünphase passieren konnte.

Anzeige
Das Gefühl der Freiheit - gerade jetzt!
Das Gefühl der Freiheit - gerade jetzt!

Hotels geschlossen, Flugreisen gestrichen: In der Urlaubssaison 2020 sind Reisemobile die flexible Alternative für alle, die sich richtig gut erholen wollen.

Nun will niemand in Abrede stellen, dass Wartungsarbeiten am Autobahntunnel zwingend sind. Der damalige Polizeisprecher Thomas Knaup forderte im August 2018 zu Geduld und Gelassenheit auf, wenn es deswegen zu Wartezeiten komme. Eine Strategie, den Megastau im Falle einer Tunnelsperrung wenigstens zu verringern (und so die stundenlangen Wartezeiten zu reduzieren), hat offensichtlich niemand. Oder es fehlt der Wille dazu.

Die Kette der Fehler und ausgelassenen Möglichkeiten im konkreten Fall dieses Wochenendes ist lang: So informierte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr am Freitag über die Quartalswartung im Autobahntunnel am Montag und Dienstag, für die einzelne Fahrstreifen gesperrt werden müssten, aber keine Umleitung notwendig sei. Von einer Vollsperrung am Sonntag ist da keine Rede! Warum das so war, konnte am Sonntagnachmittag nicht geklärt werden. Autobahnfahrer konnten sich deshalb auf diese Situation nicht einstellen. Die Polizei hat diese Vollsperrung übrigens nicht überrascht. Laut Auskunft des Pressesprechers René Krause hatte die Polizeidirektion seit einigen Tagen die Information, dass der Autobahntunnel am Sonntag wegen Reinigungsarbeiten im Vorfeld der Wartungsarbeiten komplett gesperrt wird. Auf die Idee, die Lage an der Jänkendorfer Kreuzung zu entschärfen, kam trotzdem niemand. „Viel besser wäre es doch, die Ampel im Falle einer Tunnelsperrung anders zu schalten. Das wäre aber Sache der Straßenmeisterei“, sagt René Krause. Damit hat er zweifellos recht, technisch sollte so etwas kein Problem sein. Warum die Straßenmeisterei diese offensichtliche Möglichkeit nicht umsetzt, war am Sonntagnachmittag ebenfalls nicht zu klären. Trotzdem hätte „Freund und Helfer“ Polizei helfen können. Niemand wird ernsthaft bezweifeln, dass der Stau schneller abgeflossen wäre, wenn Polizisten den Verkehr auf der Jänkendorfer Kreuzung mit der Hand geregelt hätten. Zumal aus den drei anderen Richtungen an dieser Kreuzung kaum Verkehr kam. Krause sagt dazu: „Das hätte unsere personellen Möglichkeiten überschritten!“ Warum standen dann aber zwei Polizisten mindestens von 10 bis 11 Uhr am Kodersdorfer Abzweig nach Wiesa und sperrten den Schleichweg über Thiemendorf ab? Und kann man 24 Stunden Arbeitszeit (bei Doppelbesetzung mit zwei Polizisten an der Ampel) mit zig tausend Stunden Wartezeit im Stau aufrechnen?

Als Fazit bleibt: Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr informierte unzureichend. Das Umleitungsnadelöhr an der Jänkendorfer Kreuzung in Niesky bleibt viel zu klein, weil die Straßenmeisterei nicht mit der Einrichtung einer extra Ampelschaltung für diese Sondersituation reagiert. So organisiert man den Megastau. Die Polizei schafft an der Ampel keine Erleichterung, die mit einer Handregelung möglich wäre und ignoriert ihn so. Nur fast, weil sie stattdessen für eine Absperrung des Schleichwegs sorgt.

Mehr Lokalthemen lesen Sie hier

www.sächsische.de/ort/niesky

www.sächsische.de/ort/goerlitz

Weiterführende Artikel

Tunnel-Chaos: Landesbehörde hat Schuld

Tunnel-Chaos: Landesbehörde hat Schuld

Die Ampel an der Jänkendorfer Kreuzung in Niesky kann von Dresden ausgeschaltet werden. Doch am Sonntag tat das niemand.