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Mehmets Fenster sind jetzt gesichert

Vor einem Jahr stürzte Mehmet aus einem Fenster im dritten Stock. Längst haben seine Eltern dafür gesorgt, dass dies nicht noch einmal geschieht.

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Von Mario Heinke

Die quirlige Stimme und der offene Blick des Achtjährigen lassen sein Temperament schon erahnen. Alles wieder in Ordnung, sagt Mehmet und lacht. Fragen beantwortet der Achtjährige wie aus der Pistole geschossen. Nur wie es zu dem Fenstersturz im letzten Jahr kommen konnte, weiß Mehmet bis heute nicht. Tagelang hatte der ominöse Sturz Zittau in Atem gehalten. Überregionale Medien hatten über das ungewöhnliche Ereignis ausführlich berichtet, ein tragischer Ausgang drohte.

Es passierte in der Nacht vom 23. November 2011. In der Johannisstraße fiel Mehmet Arslan aus dem Fenster im dritten Stock, fast sieben Meter in die Tiefe. Gegen 22.30 Uhr hatte ihn eine Nachbarin entdeckt. Reglos hatte der kleine Junge im Hof gelegen. Seine Mutter war der festen Überzeugung, ihr Sohn schlafe in seinem Zimmer. Der Notarzt wurde alarmiert. Noch in der Nacht ist Mehmet dann mit dem Hubschrauber ins Dresdner Uniklinikum geflogen worden. Das war genau eine Woche vor seinem achten Geburtstag. Ob er den erleben würde, war zu dem Zeitpunkt alles andere als gewiss.

„Wir hatten solche Angst“, berichtete Mutter Meryem Arslan. Einen Tag später kam dann die erleichternde Botschaft aus Dresden: Mehmet ging es den Umständen entsprechend gut. Sein Vater war ins Klinikum gefahren, um seinem Sohn beizustehen. „Ich bin ins Bett gegangen und im Krankenhaus in Dresden wieder aufgewacht“, schilderte Mehmet damals die Ereignisse.

Der Junge musste nicht einmal operiert werden. Lediglich eine Platzwunde am Kopf haben die Ärzte nähen müssen. Der erhöhte Druck im Kopf musste jedoch auf der Intensivstation beobachtet werden. Diese konnte Mehmet aber schon nach einigen Tagen verlassen. Seinen achten Geburtstag musste er jedoch im Krankenhaus verbringen, wo er insgesamt 14 Tage zugebracht hatte.

Ob der nachtaktive Bursche nun ein Schlafwandler ist oder nicht, weiß bis heute niemand genau. „Ich frag mich, wie ich das Fenster aufgemacht habe“, sagt Mehmet selbst dazu. Er wisse auch nicht, aus welchem der beiden Fenster des Kinderzimmers er damals gefallen sei. Das spielt nun auch keine Rolle mehr, denn inzwischen hat sein Vater Muhittin Arslan alle Fenster in der Wohnung mit Schlössern am Griff versehen lassen. Den Schlüssel trägt die Mutter immer bei sich.

Mehmet besucht die dritte Klasse in der Lessing-Grundschule. Dort läuft es sehr gut für ihn. „Ich gehöre halb zu den Besten“, sagt der Drittklässler selbstbewusst und berichtet von seinen guten Noten. Ganz schön gewachsen sei er seit dem Ereignis, sagt die Mutter nicht ohne Stolz. Nach seinem Lieblingsfach befragt, antwortet der jetzt 1,40 Meter große Mehmet: Sport!

Diesen Donnerstag feiert der Junge mit Schwester Berfin und Bruder Furkan seinen neunten Geburtstag in der Johannisstraße, die Fenster werden dabei zubleiben.