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Mehr als 100 Hauspumpwerke müssen raus

Deren Betriebszeit ist abgelaufen. Daher investiert der AZV Obere Freiberger Mulde nicht nur in die großen Klärwerke.

Frank Lessig, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Obere Freiberger Mulde, erklärt, warum die Umstellungen nötig sind.
Frank Lessig, Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Obere Freiberger Mulde, erklärt, warum die Umstellungen nötig sind. © Dietmar Thomas

Roßwein. In der zweiten Jahreshälfte hat der Abwasserzweckverband (AZV) Obere Freiberger Mulde beziehungsweise die OFM Abwasserentsorgung GmbH noch einiges abzuarbeiten, was auf dem aktuellen Investitionsplan steht. Die größeren Erschließungen, bei denen Teile von Ortschaften wie etwa Otzdorf oder Marbach einen Anschluss an das zentrale Abwassernetz bekommen haben, hat der Verband inzwischen abgeschlossen. 

„90 Prozent der Haushalte im Verbandsgebiet, für die das vorgesehen war, haben jetzt einen Anschluss an eine Kläranlage“, sagt Frank Lessig, Geschäftsführer von AZV und OFM.

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Eine aggressive Atmosphäre

Keine Frage, auch in die größeren Klärwerke muss der Verband in den nächsten Jahren weiter investieren. In dem an „Fischers Teich“ am Rande von Roßwein ist damit bereits begonnen worden. Das ist seit mehr als 20 Jahren in Betrieb. „Einige Anlagen sind inzwischen so weit verschlissen, dass sie ersetzt werden müssen, beispielsweise die Gebläseanlage und mehrere Pumpen“, sagte Lessig bei der Vorstellung des Investplanes 2019.

Durch die im Klärwerk ablaufenden chemischen Prozesse und die damit verbundene aggressive Atmosphäre korrodieren die Anlagen. „Das zersetzt sowohl die bauliche Substanz, weil der Beton angegriffen wird, aber auch die Rohrleitungen aus Guss oder Stahl“, erklärte Lessig. 

In einem ersten Bauabschnitt ist in der Roßweiner Kläranlage die sogenannte Entwässerungsschnecke erneuert worden. Im vergangenen Jahr ging es an den Tausch der Belüftungsmembrane. Insgesamt 75 Stück mussten die Handwerker wechseln. Auch für das kleinere Klärwerk in Böhrigen sind Mittel nötig. In diesem Jahr hat der Verband für nötige Erneuerungen dort rund 25.000 Euro eingeplant.

Aber nicht nur in den beiden Kläranlagen hat die Zeit Spuren hinterlassen. Insgesamt 150.000 Euro will das Unternehmen allein in diesem Jahr einsetzen, um Pumpwerke zu erneuern. Auch dort bröckelt zum Beispiel der Beton, sind die Zeichen des Verfalls schon seit längerem sichtbar, wie der Geschäftsführer den Stadträten vor einiger Zeit einmal sehr anschaulich anhand von Fotos vor Augen geführt hat.

Bei den Pumpwerken gibt es solche, die die Abwässer eines gesamten Gebietes weiterbefördern und solche, die als Hauspumpwerk nur kleine Abwassermengen transportieren. Von diesen Hauspumpwerken gibt es dem Geschäftsführer zufolge im gesamten Verbandsgebiet 240 Stück. Etwa 150 davon seien inzwischen älter als 20 Jahre. 

Genau 101 will der AZV 2019 und 2020 austauschen. Für den Anfang und die ersten etwa 40 Pumpwerke sind dafür im laufenden Etat rund 60.000 Euro vorgesehen. Die Tiefbau- und Erneuerungsarbeiten haben im Juni begonnen.

Erfolgreich gegen Gestank

Bei den Gebietspumpwerken ist die Erneuerung im Ortsteil Haßlau inzwischen weitgehend abgeschlossen. Die Technik am Sportplatz ist saniert worden, und in der Nähe des Feuerwehr- und Dorfgemeinschaftshauses steht ein neues Pumpwerk. Bereits erneuern musste der AZV beispielsweise die Pumpwerke in Ullrichsberg und in der Nähe des Adamstollens.

Wo es möglich war und in letzter Zeit neue Ortsentwässerungen gebaut wurden, hat der AZV pneumatische Pumpwerke errichten lassen. Das ist etwa in Otzdorf oder hinter Wetterwitz/Wettersdorf unterhalb der Autobahn 14 passiert. 

Obwohl diese Art von Pumpwerken in der Anschaffung teurer sind, weisen sie einige Vorteile auf: Sie sind langlebiger. Für die Wartungsmonteure verbessern sich die Arbeitsbedingungen. Und: Die Technologie gewährleistet, dass sich kein Schwefelwasserstoff bildet. Damit dürfte es nahe dieser Art Pumpstationen nicht nach faulen Eiern stinken.

Über derartige Geruchsbelästigungen hatten die Anwohner der Äußeren Wehrstraße lange Zeit geklagt. Doch gegen den üblen Gestank hat der Verband offenbar ein wirksames Mittel gefunden: eine von AZV, OVM und Eurawasser entwickelte und von der Firma Dolge aus Eschwege hergestellte technische Anlage. Das Besondere an der ist, dass der eingesetzte Aktivkohlefilter mit einer automatischen Mess- und Dosieranlage gekoppelt ist. Wird am Filter an der Äußeren Wehrstraße eine zu hohe Schwefelwasserstoff-Konzentration gemessen, wird an der oberhalb gelegenen Dosieranlage am Adamstollen Eisenchlorid zugesetzt. Der Effekt: Es stinkt weniger.

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