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Mehr als ein Job

Mit einer frechen und fröhlichen Ausstellung feiert Ines Hoferick das 20-jährige Bestehen ihres Keramikstudios.

Von Birgit Andert

Die meisten Künstler betrachten ihre Lehrtätigkeit als notwendiges Übel zum Broterwerb. Viel lieber als vor Studenten und Schülern würden sie den ganzen Tag im Atelier stehen und ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Anders Ines Hoferick. Für die Radebeuler Keramikerin sind ihre Kurse das reinste Lebenselixier. Die Freude der Leute, ihre Begeisterung und Kreativität, das ist es, was für die gebürtige Chemnitzerin den größten Reiz ihrer Tätigkeit ausmacht. „Es ist mehr als ein Job“, sagt sie, „und ohne meine Kursleute könnte ich nicht sein.“

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Was lag da näher, als das 20-jährige Bestehen ihres Keramikstudios mit eben diesen Menschen zu feiern. „Ich wollte gern, dass es die Kursleute selbst sind, die eine Ausstellung auf die Beine stellen, vorbereiten, bekannt machen, gestalten“, sagt Ines Hoferick. Ihren aktuell 58 Kursteilnehmern hat sie es freigestellt, wer bei der Ausstellung mitmachen will. Das Ergebnis: Von 58 Kursleuten stellen 58 aus – jeder das Werk oder die Serie, die er oder sie selbst dafür ausgesucht, vielleicht sogar speziell dafür angefertigt hat.

„Freche Skulpturen, zauberhafte Gefäße und verrückte Objekte“ verspricht das Plakat, das natürlich auch die Kursleute gestaltet haben. Von Ines Hoferick selbst ist kein einziges Werk in der Ausstellung zu sehen, und dennoch ist sie dabei. „Ohne ihre Ideen und ihre handwerklichen Fähigkeiten wäre nichts von alldem entstanden, was wir nun ausstellen“, ist Lolo Schulz überzeugt. Sie stolperte bei einem Spaziergang vor 19 Jahren geradezu über die verrückten Skulpturen in Hofericks Garten und besuchte daraufhin ihren ersten Kurs, der nicht der einzige bleiben sollte.

Damit ist sie einer der treuesten Kursteilnehmer überhaupt, denn vor 20 Jahren – am 16. Juni 1994 – öffnete das Keramikstudio seine Tore auf der Borstraße. Damals hatte sich die Töpferin Ines Hoferick, die einige Jahre als Requisiteurin an den Landesbühnen gearbeitet hatte, zum Schritt in die Selbstständigkeit entschlossen. Und musste in den ersten anderthalb Jahren vor allem Geduld und Kampfgeist zeigen. „Ich wäre am liebsten auf die Straße gerannt und hätte die Leute in mein Studio geholt“, erinnert sich die 50-Jährige lächelnd an die Anfänge. Mit Kursen an der Volkshochschule und in Kindergärten fing sie an, sich nach und nach einen Namen in Radebeul zu machen. „Ich habe wirklich Klinken geputzt, bis irgendwann die ersten Eltern anfragten, ob ich auch Kurse für Erwachsene mache“, sagt Ines Hoferick.

Nach 20 Jahren sind die Kurse bei ihr inzwischen ein Geheimtipp. Wer nach einem langen Arbeitstag am Abend in den Keller des Hauses auf der Makarenkostraße steigt, in den das Keramikstudio 2008 umzog, der tut das, weil es gut tut. „In die Kurse kommen Ärzte und Schwestern, die nach einer anstrengenden Schicht eigentlich ins Bett gehören“, erzählt die Töpferin. „Aber wenn ich sie frage, warum sie trotzdem kommen, dann sagen sie: ‚Das sind die einzigen zwei Stunden, in denen wir uns mal entspannen können.‘“

Wie gern ihre „Schüler“ den Ton in die Hände nehmen, mit Form und Farbe spielen und dabei wunderbare Dinge erschaffen, das sieht man jedem einzelnen Exponat der Schau an. „Es sind traumhafte Sachen, die in der Ausstellung zu sehen sind“, schwärmt denn auch die Kursleiterin selbst, „von Stücken en miniature bis zu lebensgroßen Skulpturen.“ Hingehen lohnt sich also auf jeden Fall, denn so wie die Frau, die ihr 20-Jähriges feiert, wird definitiv auch die Ausstellung sein: Frech, fröhlich, unkonventionell, verrückt.

„Schwabbulös und kugelrund“ – Keramik-Ausstellung anlässlich 20 Jahre Radebeuler Keramikstudio Ines Hoferick, Stadtbibliothek Radebeul-Ost, zu sehen vom 7. April bis 10. Juni, jeweils zu den Öffnungszeiten der Stadtbibliothek

www.keramikstudio-hoferick.de