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Bautzen

Mehr als nur Knöllchenschreiber

Bautzens Ordnungshüter haben nicht den besten Ruf. Dabei jagen sie nicht nur Parksünder.

Anne Bartz arbeitet gern für das Ordnungsamt. Das sieht man ihr an. Doch lieber würde sie keine Strafzettel verteilen, denn das sei einer der Gründe, warum das Ordnungsamt einen schlechten Ruf habe.
Anne Bartz arbeitet gern für das Ordnungsamt. Das sieht man ihr an. Doch lieber würde sie keine Strafzettel verteilen, denn das sei einer der Gründe, warum das Ordnungsamt einen schlechten Ruf habe. © Steffen Unger

Bautzen. Ein roter Skoda parkt auf der Kornstraße. „In der gesamten Innenstadt herrscht eingeschränktes Halteverbot, mit Ausnahme der gekennzeichneten Flächen. Nur das Be- und Entladen ist erlaubt“, erklärt Anne Bartz vom Ordnungsamt Bautzen. „Dieser steht aber schon länger hier, sodass man nicht mehr vom Halten sprechen kann, sondern vom Parken“, erklärt sie weiter und sagt zu ihrer Kollegin Melanie Reese: „Nimmst du den bitte auf.“ 

So zieht Reese ihr Alleskönner-Gerät aus der Tasche und schreibt einen Strafzettel. „Mit diesem Gerät nehmen wir jede Ordnungswidrigkeit auf“, sagt sie. Nur Kaffee kochen könne das Gerät noch nicht. „Natürlich könnten wir wie früher auch alles per Hand notieren, aber so geht es schneller und einfacher“, ergänzt Bartz. „Die Kollegen in der Verwaltung müssen es dann nur noch auslesen“, sagt die gemeindliche Vollzugsbedienstete Reese. Umgangssprachlich werden die beiden auch als Politesse bezeichnet. „Auch wir sagen öfters Politesse, obwohl das eher abwertend klingt“, muss Bartz zugeben. Denn eine Politesse wird ausschließlich für die Überwachung des ruhenden Verkehrs eingesetzt.

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Mit diesem Gerät nehmen die Beamten die verschiedenen Ordnungswidrigkeiten auf – ein wahrer Alleskönner.
Mit diesem Gerät nehmen die Beamten die verschiedenen Ordnungswidrigkeiten auf – ein wahrer Alleskönner. © Steffen Unger

Doch Bartz und Reese haben deutlich mehr zu tun, als nur Knöllchen zu schreiben. „Unsere Aufgaben sind sehr vielfältig“, sagt Bartz. So müssen die beiden neben dem ruhenden Verkehr zum Beispiel auch Straßenschilder kontrollieren. Diese seien des Öfteren mit Aufklebern vollgekleistert und nicht mehr zu erkennen. „Auch solche Fälle müssen wir aufnehmen“, erklärt Reese. Meistens verbinden sie auf den täglichen Kontrollrunden verschiedene Aufgaben.

„Wir gehen selten nur wegen einer Sache kontrollieren“, sagt Bartz. Dabei gebe es bestimmte Hotspots. „Es gibt Bereiche in der Innenstadt, die wir besonders oft kontrollieren.“ Beispielsweise müssten jeden Morgen die Kollegen eine ganz bestimmte Runde laufen. „Sie schauen in der Innenstadt, dass die Parkscheinautomaten nicht kaputt sind“, erklärt Anne Bartz. Öfters würden darauf Sticker kleben, die die Preise verdecken, oder der Münzeinwurf sei defekt. „Der wird öfters manipuliert“, sagt Reese. Insgesamt gehen Bartz und Reese im Schnitt 16.000 bis 20.000 Schritte am Tag. Das sind über zwölf Kilometer. „Wir sind jeden Tag an der frischen Luft und immer in Kontakt mit anderen Menschen“, sagt Bartz.

Zwischen Frust und Dankbarkeit

Mittlerweile sind die beiden Frauen auf dem Kornmarkt angekommen. Ein Mann grüßt sie aus der Ferne. „Das war ein Kollege in Zivil. Unter den Kollegen herrscht eine gute Gemeinschaft“, sagen beide. Aber auch von fremden Menschen werden die beiden öfter angesprochen. „Manche sind sehr dankbar, dass es uns gibt. Andere sind frustriert, weil sie falsch geparkt haben und dafür eine Strafe zahlen müssen“, sagt Reese. Diesen Frust bekomme sie dann verbal zu spüren. „Die meisten Menschen zeigen sich aber einsichtig“, sagt Anne Bartz.

In ihrer siebenjährigen Tätigkeit ist ihr ein Fall besonders in Erinnerung geblieben. „Wir waren mit der Straßenreinigung unterwegs und mussten dafür sorgen, dass Falschparker ihr Auto umparken, damit die Kehrmaschine durchkommt.“ Dabei hätten sie eine Frau zunächst nicht angetroffen. „Wir haben mehrmals geklingelt, aber niemand hat aufgemacht.“ Der Abschleppdienst wurde gerufen, und als das Auto schon fast auf dem Abschleppwagen stand, kam die Frau hinzu. „Wir haben dann veranlasst, das Auto wieder runter zu lassen. Die Frau war darüber so dankbar . Sie hat sich gefreut, dass ihr Auto noch da war“, erzählt Bartz. Diese Reaktion habe sie nicht erwartet, den Strafzettel musste sie der Frau aber dennoch ausstellen.

Auch Straßenschäden, wie hier auf dem Kornmarkt müssen Anne Bartz und Melanie Reese (r.) kontrollieren.
Auch Straßenschäden, wie hier auf dem Kornmarkt müssen Anne Bartz und Melanie Reese (r.) kontrollieren. © Steffen Unger

Zurück auf dem Kornmarkt kontrollieren Bartz und Reese inzwischen die Plasterdecke. „Es gibt zwar weniger gepflasterte Stellen, aber hier sind sie umso gefährlicher als anderswo“, sagt Bartz. Und prompt entdecken sie und ihre Kollegin eine kaputte Stelle. „Man muss sich nur mal vorstellen, dass hier ein Kind hängenbleibt und stürzt“, sagt Bartz. „Deswegen kontrollieren wir auch so häufig Gehwege und Fußgängerzonen. Wir melden diese Fälle dem Hoch- und Tiefbauamt, das sich um die Instandsetzung kümmert“, erklärt Reese. 

Neben Falschparkern, beklebten Straßenschildern und abgesackten Pflastersteinen haben die beiden aber noch einiges mehr zu tun. „Gerade im Winter kontrollieren wir auch, ob die Anliegerpflichten erfüllt werden“, sagt Melanie Reese. Das heißt, ob Schnee geräumt und gestreut wurde. „In diesem Winter kam das bisher noch nicht vor“, sagt Anne Bartz.

Auch Schmiererein und illegale Graffiti müssten die beiden melden. „Besonders, wenn es mit Extremismus zu tun hat.“ Dafür gibt es auch Schulungen durch die Polizei. „Wir bekommen so mit, was gerade angesagt ist in der Szene.“ In Bautzen gebe es in letzter Zeit häufiger solche Schmierereien. Besonders rechtsradikale Symbole würden immer wieder auftauchen.

Die Verwarnung wird vor Ort ausgedruckt und an den Scheibenwischer des Fahrzeugs geheftet.
Die Verwarnung wird vor Ort ausgedruckt und an den Scheibenwischer des Fahrzeugs geheftet. © Steffen Unger

Anne Bartz und Melanie Reese sind mittlerweile wieder auf der Wendischen Straße angekommen und kontrollieren erneut Falschparker. Der Fahrer eines blauen Audi hat keinen Parkschein gelöst. „Hier müssen wir eine Verwarnung ausstellen“, sagt Reese. Plötzlich kommt ein Mann aus einem Café gestürmt. „Der Blaue ist meine, geben sie mir noch zwei Minuten. Ich bin gerade am Ausladen“, sagt er. Melanie Reese nickt. „Wir haben viel Verständnis für solche Situationen und suchen in erster Linie das Gespräch“, sagt Reese, und Bartz ergänzt: „Wir sind am glücklichsten, wenn wir keine Strafzettel verteilen müssen.“

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