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Mehr Biogas ohne zusätzlichen Maisanbau

Der Technische Ausschuss tut sich schwer, zum geplanten Ausbau der Anlage Stellung zu beziehen. Dabei entscheidet ohnehin das Landratsamt.

Von Sven Görner

Die Agrargenossenschaft Radeburg will ihre Ende 2011 in Betrieb genommene Biogasanlage in Großdittmannsdorf erneut erweitern. Bereits im vergangenen Jahr waren ein zweites Blockheizkraftwerk (BHKW) errichtet und der vorhandene Gärrestbehälter überdacht worden. So kann das dort noch entstehendes Gas aufgefangen und im BHKW verbrannt werden.

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Nun sollen ein weiterer Behälter und ein drittes Aggregat hinzukommen. Die elektrische Leistung der Anlage würde sich damit auf insgesamt 590 Kilowatt erhöhen. Rund 420 000 Euro wird das kosten. Nutznießer dieser Investition werden auch Großdittmannsdorfer sein, die ihre Häuser dann kostengünstig mit der Abwärme der Anlage heizen können. Derzeit sind schon 20 Häuser angeschlossen, künftig sollen es 44 sein. Darunter auch städtische Gebäude wie der Kindergarten, das ehemalige Gemeindeamt und das Feuerwehrgerätehaus.

Dennoch gibt es im Dorf Widerstand gegen die Erweiterung. Die Unabhängige Liste Radeburg (ULR) hat diesen auch in den Stadtrat getragen. Dessen Technischer Ausschuss sollte eigentlich schon im April Stellung zu dem Vorhaben nehmen. Auf Antrag der ULR wurde das aber vertagt. Die Stadt sollte beim Landratsamt nachfragen, warum es bei dem Antragsverfahren keine Beteiligung der Öffentlichkeit gibt. Zudem forderte die ULR weitere Unterlagen an, da die zur Verfügung gestellten wenig aussagekräftig seien.

Die Kreisbehörde informierte die Stadt daraufhin, dass eine öffentliche Beteiligung im konkreten Fall gesetzlich nicht erforderlich ist, es dem Antragsteller – also der Agrargenossenschaft – freistünde, ein solches Verfahren zu wählen. Der ULR reichte allerdings auch diese Aussage nicht. Sie forderte daher im Mai eine erneute Verschiebung der Abstimmung über die Ausbaupläne. Stattdessen sollte die Stadtverwaltung beim Landratsamt die Ergebnisse der Emissionsmessungen der vorhandenen Anlage anfordern. Zudem wollte Andreas Hübler (ULR) wissen, welche Prognosen und Gutachten es für den künftigen Betrieb einer erweiterten Biogasanlage gibt.

Am kommenden Dienstag haben die Mitglieder des Technischen Ausschusses das Thema nun zum dritten Mal auf dem Tisch. Wie Bürgermeisterin Michaela Ritter (parteilos) gestern auf SZ-Anfrage sagte, wird die Verwaltung dabei keinen fertigen Beschluss-Vorschlag präsentieren. „Über das Vorhaben soll zunächst noch einmal diskutiert und danach ein Beschluss formuliert werden.“ Ob sich die Räte für oder gegen das dritte BHKW entscheiden, ist offen. Fest steht dagegen: Eine weitere Fristverlängerung wird es vom Landratsamt nicht geben. Wird wieder kein Beschluss gefasst, entscheidet das Amt eben ohne eine Stellungnahme der Stadt. Denn Genehmigungsbehörde für das Verfahren ist ohnehin das Landratsamt und nicht die Stadt Radeburg.

Rüdiger Stannek – Vorsitzender der Agrargenossenschaft Radeburg und selbst Stadtrat – hofft, dass er nun bald eine Entscheidung in der Hand hält, damit gebaut werden kann. Zum beantragten Standort hat das Landratsamt offenbar keine Bedenken. Klärungsbedarf gibt es indes noch zur Maissilage, die in der Anlage eingesetzt werden soll. Laut Antrag ist eine Erhöhung von 1 350 Tonnen im Jahr auf 3 905 Tonnen geplant. Der Mais soll dabei ausschließlich auf eigenen Flächen angebaut werden. Das Problem dabei ist, dass diese zum Großteil im Vogelschutzgebiet Moritzburger Kleinkuppenlandschaft liegen. Eine deutliche Erhöhung des Maisanbaus würde daher vermutlich zu einer erheblichen Beeinträchtigung des Schutzgebietes führen.

Zu diesem Punkt gibt es von Rüdiger Stannek indes eine klare Aussage: „Wir werden auch künftig etwa 580 ha Mais im Jahr anbauen. Und damit nicht mehr als bisher.“ Aber woher kommt dann der beantragte Mehreinsatz von 2 555 Tonnen Maissilage. „Bei einem Ertrag von 30 Tonnen je Hektar, was vorsichtig gerechnet ist, ernten wir 14 400 t Maissilage, wovon 2 400 t als Futter für unsere Milchkühe benötigt werden. Für die derzeitige Biogasanlage sind 1 350 t geplant, weitere 10 000 t sind vertraglich für die Anlage der Drewag gebunden. Es verbleiben also 650 t als Reserve bzw. als optionaler Verkauf an andere Abnehmer.“

In den vergangenen Jahren seien von der Drewag im Schnitt allerdings knapp 2 000 t weniger abgenommen worden. „Der Mehreinsatz lässt sich also so decken.“ Sollte es dennoch einmal einen Engpass geben, ließe sich Mais auch von der Tochtergesellschaft in Ottendorf-Okrilla beziehen. „Vermutlich werden wir die beantragte Menge Maissilage auch gar nicht ausschöpfen müssen, weil wir auch das neue Gärrestlager überdachen wollen und so zusätzlich Gas gewinnen, das genutzt werden kann“, ergänzt der Landwirt.