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Mehr Burnouts wegen Corona-Krise?

Die Krise belastet einige Mittelsachsen sehr stark. Die Nachfrage nach Betreuung ist anhaltend hoch, so ein Experte.

Das Fachkrankenhaus Bethanien ist für einen Einzugsbereich mit rund 230.000 Einwohnern zuständig. Von der Klinik wurde eine Corona-Hotline eingerichtet.
Das Fachkrankenhaus Bethanien ist für einen Einzugsbereich mit rund 230.000 Einwohnern zuständig. Von der Klinik wurde eine Corona-Hotline eingerichtet. © Dietmar Thomas

Mittelsachsen/Hochweitzschen. Homeoffice, Kinderbetreuung, Haushalt – auch ohne Corona-Krise eine immense Belastung für viele. Die Einschränkungen im alltäglichen Leben, die das Virus mit sich bringt, verschärfen die Situation zusätzlich. Hinzu kommen Ängste um die Zukunft, den Job, die Existenz. Doch bisher haben die Mittelsachsen dem Druck offenbar gut standgehalten. Denn der Beratungsbedarf ist in den vergangenen Wochen noch nicht signifikant angestiegen.

„Viele Bürger fühlen sich derzeit emotional belastet. Manche von ihnen kommen nicht zur Ruhe, schlafen schlecht oder fühlen sich einsam“, sagt Matthias Gröll, Psychiatriekoordinator im Kreis. Insgesamt sei von einer zusätzlichen Belastung zu sprechen, die von den Mittelsachsen zum Ausdruck gebracht werden. 

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Aber: „Eine Zunahme psychischer Erkrankungen stellen wir noch nicht fest“, ergänzt er. Das bestätigt auch Michael Veihelmann, Theologischer Geschäftsführer am Fachkrankenhaus Bethanien in Hochweitzschen. „Zurzeit ist hier noch keine signifikante Erhöhung festzustellen.“ Doch das müsse nicht so bleiben. Laut Gröll könne davon ausgegangen werden, dass es perspektivisch leicht steigende Fallzahlen gibt. Insbesondere je länger die Krise andauere.

Aktuell beschreibt der Psychiatriekoordinator die Nachfrage nach Angeboten der ärztlichen, psycho- oder sozialtherapeuthischen Behandlungen als anhaltend hoch. Wer schon in Behandlung ist, würde regelmäßig über die Corona-Krise mit den Ärzten und Therapeuten sprechen.

Gut ausgebautes Versorgungssystem

Gröll sieht den Landkreis gut aufgestellt in Bezug auf die Behandlung von Menschen mit psychischen Erkrankungen. „Wir verfügen über ein gut ausgebautes gemeinpsychiatrisches Versorgungssystem.“ Jenes stehe auch denjenigen zur Verfügung, die sich ausgebrannt fühlen. „Medizinisch steht hier in der Regel eine Depression dahinter“, weiß Gröll.

 Auch am Krankenhaus in Hochweitzschen, das für ein Einzugsgebiet mit rund 230.000 Einwohnern zuständig ist, ist die Versorgung gewährleistet. „Wir sind derzeit wie auch zukünftig voll und ganz in der Lage, unserem Versorgungsauftrag in Mittelsachsen gerecht zu werden und sehen hier keinerlei Einschränkungen“, betonte Michael Veihelmann. 

Ob das System jedoch auch einem Anstieg der Fallzahlen standhalten würde, können beide Experten nicht sagen. Niemand könne die Entwicklung zurzeit vorhersehen“, meint der Theologische Geschäftsführer aus Hochweitzschen.

 Auch ein gut ausgebautes Behandlungssystem könne zumindest in Einzelbestandteilen an Kapazitätsgrenzen kommen. „Ich denke hier vor allem an den Bereich mit niedergelassenen Psychiatern“, gibt Gröll zu bedenken. Etwas vorteilhafter sehe es bei den ambulanten psychologischen Psychotherapeuten aus.

Am Krankenhaus in Hochweitzschen wurde für Ratsuchende während der Corona-Krise eine Hotline eingerichtet. Von Montag bis Freitag von 10 bis 12 Uhr steht den Anrufern dort jeweils ein Psychologe der Klinik als Ansprechpartner zu Verfügung. „Bisher wurde die Hotline noch nicht allzu oft genutzt“, informierte Veihelmann. Das Angebot solle trotzdem weiterhin aufrechterhalten werden.

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Als weiteres Angebot für Ratsuchende hat der Landkreis mit dem Fachkrankenhaus jetzt einen Flyer veröffentlicht, auf dem die Kontakte zu sämtlichen psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen zusammengefasst worden sind. „Dieser wird in den kommenden Wochen an zahlreichen Stellen verteilt und auf mehreren Internetseiten veröffentlicht“, heißt es dazu vom Landratsamt. Eine ähnliche Aktion gab es schon einmal zum Thema Suizid.

Gröll rät dazu, die Angebote, die vom Landratsamt finanziert werden, zu nutzen. Dabei richtet er sich auch an die Angehörigen. „Die Gespräche unterliegen der Schweigepflicht. Sie können einen entlastenden Charakter haben. Wir versuchen zu beruhigen, Vertrauen zu gewinnen“, erklärt der Psychiatriekoordinator und ergänzt: „Die Beratungsstellen richten meist innerhalb einer Woche einen Termin für ein Erstgespräch ein“.

 Der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes vermittelt zu den Hilfsangeboten und begleitet die Betroffenen bei Bedarf auch über einen bestimmten Zeitraum.

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Hilfe erhalten Betroffenen auch in den Tageskliniken des Fachkrankenhauses Bethanien in Döbeln und Freiberg. Der Betrieb dort läuft nach wie vor weiter. „Die Behandlung erfolgt zurzeit in Einzeltherapien unter Einhaltung der empfohlenen Abstandsregelungen und mit Mund-Nasen-Schutz. Darüber hinaus verweist Veihelmann auf die Psychiatrischen Institutsambulanzen in Döbeln, Freiberg und Hochweitzschen.

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