SZ +
Merken

Mehr Druck und Freiheit für Hochschulen

Jahrelang wurde darüber diskutiert, verhandelt, gestritten. Jetzt endlich bekommen die sächsischen Hochschulen ihre Selbstständigkeit. Das Hochschulfreiheitsgesetz ist fertiggestellt und soll nun im zweiten Quartal in den Landtag kommen.

Teilen
Folgen

Von Stephan Schön

Jahrelang wurde darüber diskutiert, verhandelt, gestritten. Jetzt endlich bekommen die sächsischen Hochschulen ihre Selbstständigkeit. Das Hochschulfreiheitsgesetz ist fertiggestellt und soll nun im zweiten Quartal in den Landtag kommen. Zugleich hat das Kabinett gestern die Marschrichtung für die 15 Hochschulen in Sachsen vorgegeben. Es ist der Entwicklungsplan, der bis ins Jahr 2020 reicht. Er legt fest, wo gekürzt und wo zusammengelegt wird. Hier einige der Schwerpunkte:

Standorte geschlossen

Alle Hochschulen bleiben erhalten, aber nicht alle Standorte. Die Außenstellen der Fachhochschulen Mittweida und Zwickau werden geschlossen. Das betrifft Roßwein und Reichenbach. Doppelte Studienangebote, mangelndes Studieninteresse und unsanierte Gebäude zählen zu den Hauptgründen.

Standorte zusammengelegt

Das Internationale Hochschulinstitut (IHI) in Zittau bleibt bestehen, aber nicht selbstständig. Zu klein und immer weniger ausgelastet sei das IHI. „Es hat keine tragfähigen Strukturen entwickeln können und wird Teil einer großen Universität“, kündigte Wissenschaftsministerin Sabine von Schorlemer an. Ziel sei es, so Schorlemmer, dass Studenten in dieser Region promovieren können. Nach Informationen der SZ laufen ebenso Verhandlungen zur Angliederung an die Senckenberg-Institute, zu denen auch das Naturkundemuseum in Görlitz und die Naturhistorischen Sammlungen Dresden gehören.

Umverteilung der Fächer

Die Hochschule Zittau/Görlitz muss Architektur und Bauingenieurwesen schließen. Vier vorhandene Öko- und Umwelt-Studiengänge werden zu den „Life Sciences“ zusammengefasst. Mathematik als eigenes Studienfach wird zumindest kritisch gesehen. Die TU Dresden und die HTW Dresden müssen eine weitreichende und verbindliche Kooperation vereinbaren, besonders in Fächern, die beide anbieten.

Neue Lehrerausbildung

Die eben erst geschlossene Lehrerausbildung der TU Chemnitz wird 2013 wieder eröffnet. Grundschullehrer werden dort studieren. Das wird nötig, weil in Sachsen bald massenweise Lehrer fehlen.

Campus Sachsen

Ganz Sachsen wird als Hochschulstandort künftig gemeinsam auftreten. „Campus Sachsen“ soll dafür gegründet werden und auch in Brüssel arbeiten, um internationale Aufmerksamkeit zu erlangen. Es wird ein Campusbeirat berufen, in dem Experten von außerhalb und die Hochschulen mitwirken.

Hochschulfreiheitsgesetz

Im Entwurf fertig und vom Kabinett gestern bestätigt ist nun ein neues Gesetz: Sächsisches Hochschulfreiheitsgesetz nennt es sich. Schnellere Entscheidungen und deutlich weniger Bürokratie sind zwei der wesentlichen Ziele. Die seit Jahren schon geforderten Freiheiten bei den Finanzen wird es damit geben. Bereits sehr weit in der Vorbereitung ihrer Selbstständigkeit sind die TUDresden, die TUChemnitz und die Bergakademie Freiberg.

Auch über die Stellen können diese Hochschulen dann selbst entscheiden und ebenso, wie viel sie beispielsweise den Top-Forschern aufs normale Gehalt noch drauflegen. Die Hochschulen bekommen ein Gesamtbudget.

Studiengebühren

„In Sachsen wird es keine Studiengebühren geben“, kündigte einmal mehr die Wissenschaftsministerin an. Nur Langzeitstudenten, die mehr als fünf Semester zusätzlich studieren, müssen 500 Euro im Semester bezahlen.