merken
PLUS

Mehr Einbrüche in Mittelherwigsdorf

Der Polizeipräsident stellt sich den Fragen der Einwohner und will 2019 mehr Beamte auf der Straße einsetzen.

© www.foto-sampedro.de

Von Holger Gutte

Smarter Leben mit diesen Technik-Trends

Erfahren Sie als Erster von den neuesten Trends, Tipps und Produkten in der Technikwelt und lernen Sie Innovationen kennen, die Ihr Leben garantiert leichter machen.

Mittelherwigsdorf. Es gibt kaum ein Thema, das die Leute mehr interessiert als die Kriminalitätsentwicklung in ihrem Ort und der Umgebung. Und weil das angesichts immer wiederkehrender Einbrüche und Diebstähle auch in Mittelherwigsdorf nicht anders ist, hatte Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) schon im Herbst 2017 Polizeipräsident Torsten Schultze und Polizeidirektor Carsten Weber zu einer Gemeinderatssitzung eingeladen. Am Montagabend hatten sich beide nun den Fragen der Gemeinderäte und der zahlreich erschienenen Einwohnern gestellt. Diskussionsstoff gab es reichlich angesichts der jüngsten Vorkommnisse mit Einbrüchen in Schuppen, einer Gaststätte, beim Sandbüschelverein und nun sogar in Windkraftanlagen. Der Polizeipräsident wies in seinem Vortrag aber auch gleich zu Beginn darauf hin, dass die statistischen Zahlen und Fakten der Polizei und die gefühlte Wahrnehmung der Bürger in dieser Hinsicht zu einem völlig anderen Ergebnis kommen.

Anhand der Zahlen gehen innerhalb der Polizeidirektion, zu der die Landkreise Görlitz und Bautzen gehören, die Straftaten zurück. 2014 sind es in diesem Bereich beispielsweise noch 16 940 gewesen. „Im Moment sind es 2 800 Straftaten weniger. Das ist ein Rückgang von etwa 20 Prozent“, schilderte Torsten Schultze. Bei dem Großteil davon handelt es sich um Eigentumskriminalität. „Vor der Grenzöffnung waren es mehr Straftaten“, fügt er hinzu. Das nahmen ihm allerdings die meisten Anwesenden nicht so richtig ab. Ihre Wahrnehmung ist eine andere. Daran ändert auch die von der Polizei gelobte gute Zusammenarbeit gerade bei Autodiebstählen mit ihren Kollegen in Polen und Tschechien und die deswegen gebildete gemeinsame Fahndungsgruppe nicht viel.

Die Einbrüche in Betriebe und Werkstätten gehen seit Jahren zurück. Negativ seien dagegen aber derzeit die zunehmenden Einbrüche in Nebengebäude wie vor allem in Seifhennersdorf, Neugersdorf und dem Schluckenauer Zipfel, erwiderte der Polizeipräsident. Speziell für Mittelherwigsdorf weist die Kriminalitätsstatistik in den letzten zehn Jahren dennoch einen Zuwachs von 60 Prozent auf. Für 2008 stehen darin 82 Straftaten. 2017 sind es 134 gewesen. 78 davon sind Diebstähle, der Rest Sachbeschädigungen, Körperverletzungen, Betrug und anderes.

Auch Torsten Schultze hat den Eindruck, dass die Wahrnehmung der Bürger seit dem vergangenen Sommer hinsichtlich der Kriminalitätsentwicklung heftig angestiegen ist. „Wir haben aber auch seitdem über 20 Tatverdächtige festgestellt, berichtet er. Der Erfolg der Polizei hängt in großem Maße aber auch von der Mithilfe der Bürger ab. 90 Prozent aller gefassten Straftäter konnten durch Bürgerhinweise geschnappt werden, schildert er.

Der Polizeipräsident kann die Argumente von Bürgern nachvollziehen, die Gefängnisstrafen für Einbrecher fordern. Auch so mancher Polizist findet es nicht gut, dass ein Dieb nach der Feststellung seiner Personalien und der Beweisaufnahme wieder auf freiem Fuß kommt, weil er einen festen Wohnsitz nachweisen kann. Und er stellt die Frage in den Raum, ob eine Freiheitsstrafe wirklich immer das beste Mittel sei. Torsten Schultze will in seinem Bericht die Statistik aber nicht so in den Vordergrund rücken. In Niedersachsen hat sich die Polizei 60 Prozent Aufklärungsquote vorgenommen. „Das könnten wir auch schaffen, in dem wir uns auf Schwarzfahrer und Ladendiebe konzentrieren“, sagt er. Seiner Meinung nach erreicht die Polizei aber mehr, wenn sie sich Schwerpunkten widmet. Und er sagt, dass das Land Sachsen, wie angekündigt, in den nächsten fünf Jahren 1 000 Polizisten mehr einstellen wird. Jährlich gehen im Freistaat etwa 500 Polizisten in Ruhestand. Demgegenüber kommen dieses Jahr schon 700 hinzu. In fünf Jahren wird diese Zielstellung so erreicht, meint er.

Das kommt Torsten Schultzes Strategiekonzept sehr entgegen. Er will – wie auch die Bürger – mehr Polizisten auf der Straße haben. Aber nur Präsenz auf der Straße zeigen, bringt nichts, meint er. Sein Ziel ist es, mehr Verkehrskontrollen durchzuführen. Schon 2019 will er das umsetzen. „Ich möchte wieder mehr die Fahrzeuge anhalten, kontrollieren“, sagt er. So lassen sich oftmals schneller Diebe fassen. Zurück zu den Grenzkontrollen möchte er aber nicht.

Nicht wenige der anwesenden Bürger würden sich aber gerade davon mehr versprechen. Ein Bauunternehmer schildert beispielsweise, was es für einen Aufwand bedeutet, Bagger und selbst schwere Rüttelplatten nachts immer wieder von den Baustellen zu nehmen, damit sie nicht geklaut werden können. Und ein anderer erzählt, dass er nach einem Garageneinbruch drei Stunden auf die Polizei warten musste. Vier Wochen später hatten dann Diebe erneut zugeschlagen. Dieser Garageneinbruch wird unter derselben Aktennummer geführt, wie der vorangegangene. Statistiken sind halt so gut, wie sie gemacht werden, heißt es.

Einige Mittelherwigsdorfer wollen sich auch nicht damit abfinden, dass sie selber dafür verantwortlich sind, für mehr Sicherheit für ihr Eigentum zu sorgen. „Das ist der falsche Ansatz. Ich will meine Haustür auch mal offen stehen lassen können. Wir wollen ein Sicherheitsgefühl haben“, sagt ein Bürger.