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Meißen

Mehr Erzieherinnen gefordert

Mehr als 100 Bürger diskutierten mit den Gemeinderäten, was schnell gegen die Personalnot getan werden kann.

Bei den Sitzungen des Gemeinderates geht es immer um die Interessen der Bürger. Wenn sie sich wie im Falle der Kinderbetreuung unmittelbar betroffen fühlen – kommen sie, wie hier am Dienstagabend - um sich Gehör zu verschaffen.
Bei den Sitzungen des Gemeinderates geht es immer um die Interessen der Bürger. Wenn sie sich wie im Falle der Kinderbetreuung unmittelbar betroffen fühlen – kommen sie, wie hier am Dienstagabend - um sich Gehör zu verschaffen. © Udo Lemke

Klipphausen. Der Gemeinderat war von Anfang an umstellt: In den Saal des Rathauses waren am Dienstagabend um die hundert Bürger geströmt. Bürgermeister Gerold Mann (parteilos) sagte, dass es das letzte Mal so voll war, als es um die Abwasserbeiträge gegangen sei. Diesmal ging es allerdings um etwas noch wichtigeres – um Kinder.

Anlass des riesigen Interesses war ein Schreiben der Gemeindeverwaltung vom 26. April an die Elternräte der fünf Kindergärten in der Gemeinde. In dem Schreiben schlägt die Verwaltung aufgrund von Personalengpässen vor, die Kindereinrichtungen ab 1. August nicht mehr ab 6 Uhr, sondern erst ab 6.30 Uhr zu öffnen. Nachmittags sollen sie nicht mehr bis 17 Uhr, sondern nur noch bis 16.30 Uhr geöffnet haben. 

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Der zweite Vorschlag betrifft die Zeit ab 2020. Von da an sollen alle Kindereinrichtungen die jeweils ersten beiden Wochen der Sommerferien generell geschlossen bleiben. mit einem entsprechenden Beschluss sollte der Gemeinderat die Betreuungssatzung für die Kindergärten in diese Richtung ändern.

Um es vorwegzusagen: Der Beschluss kam nicht zustande, die Gemeinderäte entschieden sich, den Punkt von der Tagesordnung zu nehmen. Stattdessen folgte eine gut einstündige, teils hitzige, aber im Großen und Ganzen sachliche Diskussion.

Gerold Mann erklärte, dass es bei Anzeigen sogar passieren könne, „dass wir Einrichtungen schließen müssen“. Nämlich dann, wenn Eltern den Betreuungsanspruch für ihre Kinder einklagten, dieser aber nicht gewährleistet werden könne, weil das Personal fehlt. Bereits jetzt hat die Gemeinde einen Aufnahmestopp für alle Kinder von April bis Juli des Jahres verhängt.

Würde die Betreuungszeit auf die Zeit von 6.30 bis 16.30 Uhr verkürzt - das sind zehn Stunden -, dann könne sie nicht mehr Vollzeit arbeiten gehen, erklärte eine Mutter aus dem Auditorium. Denn zu den acht Stunden Arbeitszeit komme ja noch das Pendeln zum Arbeitsplatz - etwa nach Dresden – hinzu. Für Alleinerziehende mit mehreren Kindern, die in verschiedene Einrichtungen gebracht werden müssten, sei das überhaupt nicht mehr leistbar.

Verschiedene Bürger machten der Gemeinde den Vorwurf, bislang eine falsche Personalpolitik betrieben zu haben. Die Werbung von Erziehern auf dem Internetauftritt der Gemeinde sei vollkommen nichtig. Es gebe keine Stellenbeschreibungen, keine Angebote – etwa flexible oder verkürzte Arbeitszeiten – die Personal in Klipphausen halten oder anziehen würde. „Wir müssen unsere Erzieher gewinnen“, forderte eine Elternvertreterin, eine aktive Personalpolitik der Gemeinde. Hauptamtsleiterin Anja Jähnigen entgegnete, „wir haben in den vergangenen Monaten jede Woche Personalgespräche geführt“.

Kritisiert wurde zudem, dass nicht rechtzeitig mit den Elternräten und Erziehern gesprochen worden sei, dass nicht der Versuch unternommen worden sei, gemeinsam Lösungen zu finden. Auf mehrfache Nachfragen konnten weder der Bürgermeister noch seine Mitarbeiter sagen, wie viele Erzieherinnen in den Kindertagesstätten genau fehlen.

Der Gemeinderat und die Bürger einigten sich darauf, sich am kommenden Dienstag, dem 14. Mai, 19 Uhr wieder in der Gemeindeverwaltung zu treffen, um schnellstmöglich Lösungen zu finden.