SZ +
Merken

Mehr Freiheit für die Wiederitz

Der Bach wird derzeit für künftige Hochwasser fit gemacht. Aber das Projekt Flutschutz ist in Freital noch nicht zu Ende.

Teilen
Folgen

Von Jane Jannke

Neben dem ruinösen Modelllager der Porzelline an der Carl-Thieme-Straße herrscht ungewöhnlicher Trubel entlang der Wiederitz. Baumaschinen dröhnen; voluminöse Rohre durchziehen das Flüsschen, das stellenweise regelrecht trockengelegt ist. Das Stadtbauamt hat sich des während der Flut 2013 arg in Mitleidenschaft gezogenen Gewässers angenommen. In Sachen Hochwasserschutz geht es in Freital damit wieder ein großes Stück voran. Schäden von rund drei Millionen Euro hatten die außer Kontrolle geratenen Fluten im Juni 2013 in Freital verursacht. Auch die Wiederitz war betroffen. Besonders schwer hatten die Wassermassen im Bereich der Carl-Thieme- und der Kesselsdorfer Straße gewütet. Bereits im Herbst 2014 hatte die Stadt gemäß dem Wiederaufbauplan für die Wiederitz damit begonnen, den Bach hinter dem Grundstück Nummer 31 an der Kesselsdorfer Straße für 132 000 Euro aus Flutmitteln zu sanieren. Ein viel zu kleiner Rohrdurchlass, durch den die Wiederitz hier strömt, hatte im Juni 2013 die Fluten nicht mehr bewältigen können, die dann das Grundstück unter Wasser setzten und massive Schäden am Bachbett hinterließen.

Auf 75 Meter Länge wird die Wiederitz vor der Brücke Carl-Thieme-Straße flutsicher gemacht. Die einengenden Steinmauern am Ufer müssen weichen. Visualisierung: Maut+Selzer
Auf 75 Meter Länge wird die Wiederitz vor der Brücke Carl-Thieme-Straße flutsicher gemacht. Die einengenden Steinmauern am Ufer müssen weichen. Visualisierung: Maut+Selzer

Ein ähnliches Bild bot sich wenige Kilometer bachabwärts in Potschappel: Dort, wo die Wiederitz die Carl-Thieme-Straße unterquert, zwängten zwei Meter hohe Ufermauern den Bach in ein viel zu schmales Bett. „Unter dem Druck der Wassermassen wurden große Teile davon damals einfach weggerissen“, erläuterte Jana Krupa vom Bauamt. Der Maßnahmenplan sehe nun eine nachhaltige Flutsanierung für diesen Bereich vor. Rund 102 000 Euro stellt der Landkreis dafür zur Verfügung.

Nachhaltig bedeutet, dass so saniert werden muss, dass ein vergleichbares Hochwasser nicht mehr zu vergleichbaren Schäden führen kann. Auf einer Länge von rund 70 Metern wurden in den letzten Tagen am rechten Bachufer die Reste der beschädigten Mauer sowie ein nicht mehr benötigter Steg abgebrochen. Statt des engen Steinkorsetts entsteht hier nun eine weitläufige Böschung, die dem Wasser Raum gibt. Die Wiederitz gewinnt dadurch um bis zu einem Meter an Breite. Die im 45-Grad-Winkel ansteigende Böschung lässt ein Ausdehnen des Gewässers im Flutfall auf bis zu fünf Meter Breite zu. „Das sorgt dafür, dass der Wasserstand bei Hochwasser niedriger ist und das Wasser weniger Kraft entwickelt“, erklärt Jana Krupa. Ähnliches sei auch an der Kesselsdorfer Straße erfolgt. Um die Massen zusätzlich zu bändigen, werden an beiden Orten auf dem Grund des Baches Querriegel aus Stein installiert, um eine schnelle Erosion des Bachbettes zu verhindern. Bei den Katastrophen 2002 und 2013 hatten die Fluten zum Teil metertiefe Krater in den Untergrund getrieben. Für die Arbeiten auf dem Grund des Baches muss die Wiederitz zeit- und stellenweise trocken gelegt werden. Dazu wird zunächst ein Damm errichtet und das Wasser dann aus dem zu bearbeitenden Bereich über Rohre hinausgeleitet.

Während die rechte Bachseite bis Ende Mai saniert sein soll, bleibt die linke vorerst ein Provisorium. Eigentlich, so Jana Krupa, seien dort genau dieselben Maßnahmen erforderlich wie rechterseits. Weil hier aber das Modelllager der Porzelline steht, dessen Zukunft noch immer nicht geklärt ist, kann der nach wie vor gemauerte Uferbereich auf 25 Metern vorerst nur mittels einer vorgesetzten Mauer gesichert werden. Ende Mai sollen nach Stadtangaben auch die Maßnahmen an der Kesselsdorfer Straße abgeschlossen sein.

Beendet ist das Mammutprojekt Flutschutz in Freital damit aber noch lange nicht. 900 000 des 1,7 Millionen Euro schweren städtischen Maßnahmenpakets sind bislang erst ausgeschöpft. Weitere Schäden in Höhe von abermals 900 000 Euro hat die Stadt zudem im Jahr 2014 nachgemeldet. Bis Ende Mai muss die Verwaltung die Anträge beim Landratsamt einreichen, um dafür Mittel zu erhalten. Weitere Maßnahmen, vor allem an der Weißeritz, liegen in Händen des Freistaates. Allein die Ufersanierung in Potschappel wird 1,5 Millionen Euro kosten. Ein Baubeginn ist laut Landestalsperrenverwaltung aber nicht vor 2017 vorgesehen.