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Mehr Geld für die Feuerwehrleute

Die Einsätze sollen ab nächstem Jahr besser vergütet werden. An den personellen Sorgen der Coswiger ändert das aber nichts.

© Arvid Müller

Von Philipp Siebert

Notruf 112 – innerhalb von Minuten ist die freiwillige Feuerwehr vor Ort. Die Stadt Coswig würdigt dieses ehrenamtliche Engagement auch finanziell mit bisher bis zu 14  000 Euro im Jahr. Nun soll die Aufwandsentschädigung erhöht werden. Die Entscheidung trifft morgen der Stadtrat.

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Pro Einsatzstunde stünden den Kameraden dann fünf Euro zu. Für eine Ausbildungsstunde bekämen Coswigs Feuerwehrleute vier Euro. Das ist nicht neu. So viel Geld bekommen die Retter schon jetzt. Neu soll dagegen die pauschale Entschädigung pro Monat berechnet werden. „Teilweise wollen wir das Geld verdoppeln oder verdreifachen“, sagt Coswigs Ordnungsamtsleiter Olaf Lier, der in der Verwaltung für die Wehr verantwortlich ist.

Wehrleiter Andreas Schorbogen würden monatlich 150 statt 100 Euro zustehen. Seine vier Stellvertreter bekämen mit 100 Euro das Doppelte des bisherigen Satzes. Die Pauschale der Gerätewarte würde sich mit 75 Euro pro Monat sogar verdreifachen. In den Augen von Olaf Lier ist das gerechtfertigt.

Im Schnitt rücken die Rettungskräfte zu 120 Einsätzen im Jahr aus – vor allem zu Verkehrsunfällen und Bränden. Vor zwei Jahren kostete das die Stadt noch rund 14 000 Euro. In diesem Jahr sind es gerade noch 7 300 Euro. „Die Einsätze sind besser koordiniert, die Kameraden arbeiten effektiver.“ Deren gute und vor allem ehrenamtliche Arbeit soll durch die Erhöhung der Pauschale honoriert werden.

Trotz des Zuverdienstes ist die Wehr jedoch immer noch unterbesetzt – vor allem wochentags. Wenn die Kameraden die Bereitschaftspläne aufstellen, wird das Problem eindeutig. 74 aktive Einsatzkräfte zählt die Feuerwehr zurzeit. Doch nur vier bis fünf Leute stehen tagsüber in der Woche vor Ort bereit. Die meisten Kameraden arbeiten auswärts. Neun Retter müssten es eigentlich sein, damit wenigstens ein Löschfahrzeug angemessen besetzt ist.

„Unsere Aufgaben haben wir im letzten Jahr dennoch sehr gut gemeistert“, sagt Wehrleiter Andreas Schorbogen. Zu insgesamt 50 Brandeinsätzen wurden die Kameraden gerufen. Nur viermal mussten Wehren aus den Nachbargemeinden dabei zu Hilfe eilen. „Außerdem leisteten wir über 80 Mal technische Hilfe“, ergänzt er. Damit sind Einsätze bei Verkehrsunfällen mit Gefahrgut oder Tierrettungen gemeint. 24 Personen retteten die Coswiger Feuerwehrleute 2012.

Deshalb ist für Wehrleiter Schorbogen die Minimalbesatzung auf Dauer keine Lösung. Was fehlt, ist vor allem der Nachwuchs. Über 20 Jungen und Mädchen zählt die Jugendfeuerwehr derzeit. Zu wenig, um ein ständiges Nachrücken der Jugend in die aktive Wehr zu sichern. Im letzten Jahr wurde keiner übernommen. In diesem Jahr waren es zumindest fünf neue Kameraden, die in der Wehr begrüßt wurden.

Was also tun? Nachts und am Wochenende gibt es wenige Probleme, weil da genügend Kameraden in Coswig sind. Die Überlegung, dass sich die Einsatzkräfte der Wehren aus Coswig, Weinböhla und Radebeul tagsüber an einem gemeinsamen Ort treffen und von dort aus ausrücken, ist für Coswigs obersten Feuerwehrmann aber auch keine Option. Das funktioniere seiner Ansicht nach nicht. „Wenn es brennt, kann man nicht warten, bis die anderen kommen“, sagt Schorbogen. Jetzt seien seine Männer in vier bis acht Minuten einsatzbereit. „Die Zeit würde sich verdoppeln“, ist sich Schorbogen sicher. Das könnten die Minuten sein, die letztendlich über Leben und Tod entscheiden.

Aufgeben will in Coswig die Feuerwehr aber definitiv niemand. Schon gar nicht Wehrleiter Schorbogen oder Ordnungsamtschef Lier. Aber vor allem Lier lehnt es ab, diese Problematik selbst zu klären. Dies müssten die übergeordneten Behörden tun. Die Information, dass die Coswiger Feuerwehr Probleme hat, ihre notwendige Einsatzstärke tagsüber in der Woche zu sichern, hat er an die Rettungsleitstelle in Meißen gemeldet. Wenn es brennt und Coswig nicht einsatzbereit ist, müssen die umliegenden Feuerwehren einspringen.

Der Ordnungsamtschef sieht auch noch eine andere Möglichkeit, die Situation zu verbessern. In Schulen und in Vereinen soll mit einem „Tag der Feuerwehr“ für die ehrenamtliche Arbeit geworben werden. Und: Mit etwas mehr Geld hofft Lier, neue freiwillige Helfer in die Wehr zu locken. „Vielleicht ist das für den ein oder anderen ein Grund, der Feuerwehr beizutreten.“ Doch vorerst rückt die Wehr von Coswig weiter aus wie bisher auch, versichern der Amtsleiter und der Feuerwehrchef Schorbogen. Auch wenn wochentags maximal jeder zweite Feuerwehrmann in der Stadt ist.