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Mehr Geld für die Feuerwehrleute

Die Gemeinde Mittelherwigsdorf entschädigt die Führungskräfte besser. Reich wird deswegen niemand.

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© SZ Thomas Eichler

Von Thomas Christmann

Zu einem Einsatz sind sie dieses Jahr noch nicht ausgerückt. Aber den Ernstfall geprobt haben Mittelherwigsdorfs neuer Gemeindewehrleiter Jörg Neumann, Eckartsbergs Ortswehrleiter Henry Stuff und weitere Kameraden zumindest schon, als sie vorigen Monat bei der Autoverwertung Rolle in Radgendorf einen Fahrzeugbrand löschen mussten. Das ist die erste von nun mehreren geplanten Alarmübungen dieses Jahres gewesen. „Wir können aber auf Einsätze gerne verzichten, denn jeder bedeutet Leid für irgendjemanden“, sagt Neumann. Voriges Jahr mussten die Kameraden immerhin 19-mal ausrücken, darunter allein wegen zwölf Bränden. In solchen Fällen erwarten Betroffene dann nach seiner Aussage von einem freiwilligen Feuerwehrmann dieselbe Leistung wie von einem, der das beruflich macht. Und ob technische Entwicklungen oder geänderte Einsatztaktiken – all das müsse sich jeder Kamerad aneignen, um die gewünschte Hilfe auch professionell leisten zu können. Zu alldem ist über die Jahre die Verwaltungsarbeit gestiegen. Mittlerweile hat der Gemeindewehrleiter einen Schrank voll mit Ordnern und Heftern.

Für ihre ehrenamtliche Arbeit erhalten Führungskräfte wie Neumann eine Aufwandsentschädigung. Die Gemeinde Mittelherwigsdorf hat diese nun rückwirkend zum Januar 2015 erhöht, um die Tätigkeit besser zu würdigen. Der Rat stimmte in seiner jüngsten Sitzung der entsprechend neuen Feuerwehrsatzung zu. Die musste laut Bürgermeister Markus Hallmann (Freier Wählerverein) nach 13 Jahren durch neue Aufgabenbereiche ohnehin einmal angepasst werden. „Auch die Anforderungen an die Feuerwehr steigen“, berichtet er. Die Verantwortung und der Zeitaufwand gehörten entschädigt, aber davon werde niemand reich, sagt Hallmann. So erhält beispielsweise der Gemeindewehrleiter nun 60 statt 40 Euro pro Monat, die Ortswehrleiter von Mittelherwigsdorf, Oberseifersdorf, Eckartsberg mit Radgendorf bekommen 60 statt 20, ihre Stellvertreter jeweils 30. Und während bis Ende 2014 noch neun Verantwortungsträger bezahlt werden mussten, stehen nun 19 auf der Liste. Somit erhöhen sich die Gesamtausgaben der Gemeinde von 2 280 auf 8 280 Euro pro Jahr. Funktionen wie der stellvertretende Gemeindewehrleiter, Digitalfunkverantwortliche oder Atemschutzbeauftragte sind dazugekommen. Letzterer entlastet die Gerätewarte. „Anderenfalls wäre das für sie inzwischen ein Vollzeitjob“, berichtet Neumann. Beispielsweise ist nach der Flut 2002 sachsenweit bei den Feuerwehren die Hochwasserausrüstung in den Fokus gerückt. Ob die Schmutzwasserpumpen, Notstromaggregate, Schlauchboote, Sandsäcke – all das gehört jetzt zum Bestand und zählt damit zum Aufgabengebiet des Gerätewartes. Deshalb hält der Gemeindewehrleiter einen Spezialisten für die Atemschutztechnik für sinnvoll, die sich weiter entwickelt. „Das Feuerwehrauto werde immer schwerer“, sagt er.

Für die höhere Aufwandsentschädigung hat sich Mittelherwigsdorf daran orientiert, was die Umlandgemeinden zahlen. „Wir liegen bei einem vernünftigen Maß“, sagt Hallmann. Die Feuerwehr müsse attraktiv bleiben, die Arbeit honoriert werden. Es sei ein kleiner Anreiz, aber nicht die Hauptmotivation für die Kameraden, so der Bürgermeister, der Hochachtung vor jedem hat, der diese Aufgabe übernimmt.

Zur Feuerwehr zählen 84 aktive Kameraden. Neumann ist mit der Zahl zufrieden. Damit sei eine gute Abdeckung der Einsatzbereitschaft auch tagsüber möglich, sagt der Gemeindewehrleiter. Die Feuerwehrleute haben voriges Jahr 3 256 Stunden ihrer Freizeit in die Aus- und Weiterbildung investiert. Trotz allem gehört nach seiner Aussage die Nachwuchsgewinnung zu einer der Hauptaufgaben der Ortswehren. Er lädt daher jeden Einwohner zu einem der Ausbildungsdienste ein, um einen Einblick in die Arbeit zu bekommen und sich vielleicht nachher für eine Mitgliedschaft zu entschließen. Die neue Herausforderung der Feuerwehr sieht Neumann in der Einführung des Digitalfunks, wofür bereits die ersten Schulungen gelaufen sind. „Wir haben ein gutes Gefühl, dass wir die Umstellung mit der notwendigen Übung in kurzer Zeit meistern werden“, sagt er. Und auch wenn das Einsatzjahr bisher ruhig verlaufen sei, könne es jeden Augenblick losgehen, erklärt der Gemeindewehrleiter.