merken
PLUS

Mehr Geld für Tagesmütter

Im Landkreis Meißen arbeiten 87. Ihre Zahl wächst, die Bezahlung aber nicht überall.

© Norbert Millauer

Von Ines Scholze-Luft

Landkreis. Wenn Geli ruft, schauen die Kinder hoch. Auch wenn sie noch so vertieft sind ins Spiel. Angelika Kajcsos muss ihre Zitzschewiger Huhlbergzwerge nicht lange von einer gemeinsamen Lesestunde überzeugen. Neben dem Malen und Singen eine Lieblingsbeschäftigung von Luca, Tom, Olivia und Mats. Schnell sind die Kinder bei der Tagesmutter. Da ist der tolle Blick aus dem Spielzimmer nicht so wichtig, weder auf die linkselbischen Hänge noch auf das Pferd, das auf einer nahen Wiese steht.

Anzeige
Mit Stil zum neuen Job
Mit Stil zum neuen Job

Der Friseursalon Villa Baumgarten sucht Stylisten und Kosmetiker/innen.

Vor einem Jahr ist Angelika Kajcsos als Tagesmutter gestartet. Hat zuvor den Grundkurs besucht, die notwendige Qualifizierung abgeschlossen. Und viel praktische Erfahrung mit dem Nachwuchs, sagt sie. Durch die eigene Patchworkfamilie. Zwei Kinder brachte sie mit, zwei der Mann, fünf Enkel sind auch da. Und dazu viel Rückhalt für die Tagesmutter-Pläne, allein beim dafür nötigen Umbau im Haus. Zum anderen hat sie sich sechs Jahre in einem Privathaushalt um Kinder gekümmert, zuvor bei der Volkssolidarität in der Familienbetreuung gearbeitet. Schließlich stand die Frage, ob sich das nicht zur selbstständigen Profession machen lässt.

Fünf Schützlinge

Zwischen anderthalb und drei Jahre sind ihre Schützlinge jung, fünf insgesamt. Wenn sie nicht gerade im Haus oder im Garten spielen, geht es mit einem speziellen Kinderwagen – sogar mit Motor – hinaus, die Umgebung erkunden, auf den Spielplatz oder in die Turnhalle. Fürs Mittagessen sorgt Angelika Kajcsos selbst, mit viel Gemüse und Obst aus eigenem Anbau, alles rechtzeitig vorbereitet. Die Eltern schätzen das, sagt sie, ebenso die individuelle Zuwendung.

Und die Zitzschewigerin schätzt die kürzliche Entscheidung der Stadt Radebeul. Der sogenannte Aufwendungsersatz für die Tagesmütter wurde erhöht, beträgt seit Jahresanfang monatlich 510 Euro pro Kind bei neun Stunden Betreuung am Tag. Bisher gab es 480 Euro, seit 2009. Da hatte der Landesjugendhilfeausschuss letztmals eine Erhöhung empfohlen.

Angesichts der gestiegenen Kosten billigte der Stadtrat der Tagespflege mehr Geld zu. Kindertagesplätze sind Bianca Erdmann-Reusch (CDU) zufolge ein wichtiges Kriterium für die Ansiedlung von Firmen und junger Familien. Es sei an der Zeit, das zu tun. Schließlich tragen die Tagesmütter zur Trägervielfalt bei. Für Radebeul bedeutet die Steigerung bei 26 Tagesmüttern etwa 54 000 Euro mehr im Jahr. Für den höheren Aufwendungsersatz zuzüglich des Anteils für Renten-, Pflege und Krankenversicherung. Nach den Worten von Uwe Wittich, Freie Wähler, keine exorbitante Summe. Ilka Petzold, Die Linke, verspricht sich davon eine gewisse Planungssicherheit für die Tagesmütter. Aus Sicht von Martin Oehmichen, Bürgerforum/Grüne, reicht diese Steigerung allerdings noch nicht aus.

Zumindest hat der Stadtrat schon mal entschieden, den Betrag regelmäßig auf den Prüfstand zu stellen und aller zwei Jahre anzupassen. Entsprechend des Verbraucherpreisindexes für Sachsen – er misst die Durchschnitts-Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte für Konsumzwecke kaufen. Und noch etwas wurde festgelegt: Dass die Eltern ihren Anteil jetzt nicht mehr direkt an die Tagesmutter zahlen. Das Geld wird nun von der Stadt eingezogen, die Tagesmütter erhalten damit alles aus einer Hand.

Eine Superlösung

Angelika Kajcsos nennt das eine Superlösung. Nicht etwa, weil es Zahlungsschwierigkeiten bei den Eltern gegeben hätte. Nein, die Tagesmütter müssen aber bei bestimmten Sozialleistungen wie Unterstützung fürs Essengeld regelmäßig Anträge bei der Behörde stellen. Alles zusätzlicher Aufwand.

Dass der flachfällt, freut auch Barbara Plänitz von der Familieninitiative Radebeul. Der Verein bringt Eltern, Kinder und Tagesmütter zusammen, berät, begleitet, qualifiziert die Kindertagespflegepersonen in sieben Kommunen des Landkreises: Radebeul, Coswig, Lommatzsch, Radeburg, Diera-Zehren, Moritzburg, Weinböhla.

Mit 26 Tagesmüttern – jüngst ist wieder eine dazugekommen – hat Radebeul die meisten, derzeit zuständig für 100 Kinder, Kapazität bis zu 115. Vor allem für Ost werden noch Betreuerinnen gebraucht. Ebenso in Coswig, wo vier Pflegemütter arbeiten und bis auf einen alle 19 Plätze belegt sind. Weinböhla hat gerade keine Tagesmutter, sucht aber. Die 15 Plätze in Diera-Zehren und drei in Radeburg sind komplett vergeben. Moritzburg hat noch was frei, 18 von 23 Plätzen sind belegt.

In allen sechs Kommunen gibt es die Erhöhung des Aufwendungsersatzes wie in Radebeul, damit für insgesamt 44 Tagesmütter. Neun Gemeinden bieten diese Form der Kinderbetreuung gar nicht an. Die übrigen zwölf Kommunen des Kreises – mit 43 Tagesmüttern und 154 besetzten von 199 Plätzen – zahlen weiter 480 oder 485 Euro, laut letzter Empfehlung von Landesjugendamt sowie Städte- und Gemeindetag. In Strehla gibt es nur 450 Euro. Einige Gemeinden prüfen derzeit dem Kreisjugendamt zufolge eine Erhöhung.