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Mehr junge Dresdner wohnungslos

Obdachlose schlafen kaum noch unter Brücken, auf den Straßen fallen sie nicht auf. Aber es gibt sie, wie neue Zahlen nun zeigen.

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Vor allem junge Dresdner rutschen immer häufiger in die Obdachlosigkeit. Im vergangenen Jahr haben fast 560 wohnungslose Menschen Hilfe bei der Stadtmission gesucht, wie die Diakonie gestern mitteilte. Ein Drittel sei noch nicht einmal 30 Jahre alt gewesen, sagte Berater Michael Schulz.

Hartz-IV sei meistens der Ausgangspunkt für Obdachlosigkeit. Dass es schließlich so weit kommt, dass das Geld nicht mehr für die Miete reicht, führt Schulz auf die scharfen Sanktionsinstrumente des Jobcenters zurück. Im Klartext: Wer sich nicht an die Regeln der Arbeitsvermittler hält, erhält weniger Geld oder gar keins mehr.

Im Stadtbild würden die jungen Leute kaum auffallen. „Sie sind in Cliquen verhaftet und achten auf ihr Äußeres“, sagt der Berater. Smartphones seien Statussymbole. „Sie ziehen von Kumpel zu Kumpel, hoffen, dass es weitergeht, und wissen, dass sie schon am nächsten Tag rausfliegen könnten.“ Obdachlose, die unter Brücken schlafen, gebe es dagegen kaum noch. Obwohl Schulz einschränkt, dass die veröffentlichten Zahlen nicht ganz die Realität widerspiegeln dürften. Man müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgehen, denn nicht jeder Obdachlose würde an die Tür der Diakonie klopfen. Fest steht nur, dass die Zahl der Dresdner, die obdachlos sind und kurz davor stehen, ihre Wohnung zu verlieren, stetig steigt. 2010 hat die Wohnungslosenhilfe noch 992 Menschen betreut, letztes Jahr waren es 1172. (SZ/sr)