merken
PLUS Döbeln

Mehr Kunden, weniger Ware bei der Tafel

Fast 160 Bedarfsgemeinschaften aus der Region Döbeln nutzen das Angebot. Corona und der Sommer erschweren die Arbeit für das Team der Tafel.

Symbolbild: Die Tafel in Döbeln bietet seit April auch einen Lieferservice an.
Symbolbild: Die Tafel in Döbeln bietet seit April auch einen Lieferservice an. © Archiv/Dietmar Thomas

Region Döbeln. Haushalten müssen derzeit Marion Sommerfeldt und ihr Team von der Tafel. Denn momentan sind die Waren, die für Bedürftige gesammelt und abgegeben werden, mitunter rar. Grund dafür ist nicht nur der Sommer, sondern auch das Coronavirus.

Dass die Märkte über den Sommer weniger Waren für die Tafel übrig haben, sei normal. Schließlich würde auch weniger angeboten, da urlaubsbedingt von einer geringeren Zahl an Kunden ausgegangen werde. Da aufgrund von Corona in diesem Jahr aber mehr Kunden zu Hause geblieben sind, bleibt weniger Ware übrig, vermutet die Erlauerin. 

Anzeige
Kompakt, regional und sicher
Kompakt, regional und sicher

Die Fachmesse "all about automation" findet am 23. und 24. September 2020 in Chemnitz statt - mit einem umfassenden Hygienekonzept.

Hinzu kommt, dass Frostware nur noch an die Tafel gegeben werden kann, wenn sie vor der Öffnung des Marktes aussortiert wird. Aufgrund der Hygienevorschriften dürfte die Ware nicht mehr im Lauf des Tages für die Tafel zur Seite gelegt werden, wenn bereits Kunden damit Kontakt gehabt haben könnten. 

Dann bräuchten die Märkte einen separaten Kühlbereich für die Tiefkühlkost für die Tafel. Das sei jedoch nicht zu leisten, schildert Sommerfeldt. Der Verlust im Frostbereich sei eher gering. Aber auch das Gemüse ist weniger geworden. Die Tafel-Leiterin vermutet, dass während des Lockdowns in den Betrieben auch weniger Pflanzen angebaut worden sind.

Mehr Rentner und Familien kommen

Doch alles in allem genüge die Ware noch. Obwohl die Zahl der Bedarfsgemeinschaften in den vergangenen Wochen leicht gestiegen sei, meint Sommerfeldt. 

Aktuell würden an der Ausgabestelle in Döbeln, die einmal wöchentlich geöffnet hat, zwischen 90 und 100 Gemeinschaften versorgt, an den Außenstellen in Waldheim und Roßwein jeweils um die 20, in Hartha um die 30. Vermehrt aufgesucht worden seien die Ausgabestellen von Rentnern sowie Familien, sagt die Koordinatorin.

Der Anteil an Kurzarbeitern, die auf Unterstützung durch die Tafel angewiesen sind, sei zwar gestiegen, aber immer noch eher gering. Inzwischen müssten die Betroffenen ihren Bedarf gegenüber dem Team der Tafel nachweisen, betont Sommerfeldt. Denn Kurzarbeit muss nicht zwangsläufig Armut bedeuten: „Manch einer hat mit Kurzarbeit mehr in der Tasche als wir“, meint Sommerfeldt. 

Kurz nach der Öffnung der Ausgabestellen zu Beginn der Pandemie galt diesbezüglich noch ein eher lockerer Umgang mit dem Thema. Bedarf hätten vielmehr diejenigen, die durch Corona arbeitslos geworden sind, weil Mini-Jobs in der Krise weggefallen sind.

Die Tafel hatte auch während der Corona-Pandemie geöffnet - mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz.
Die Tafel hatte auch während der Corona-Pandemie geöffnet - mit Abstand und Mund-Nasen-Schutz. © Archiv/Dietmar Thomas

Nach den starken Einschränkungen im Rahmen des Lockdowns sind nun auch die meisten Mitarbeiter der Tafel wieder mit im Einsatz. Die Außenstellen in Waldheim, Roßwein sowie Hartha sind damit wieder normal geöffnet. 

Lediglich in Döbeln ist eine Änderung geblieben: Die Tafel hat nur noch Donnerstag, dafür jedoch durchgängig von 9.30 bis 15 Uhr, geöffnet. „Freitag war auch früher schon nur ein Notfalltag“, sagt Sommerfeldt. Doch es sei sehr aufwendig, die Tafel an zwei Tagen zu öffnen.

Neue Ausgabestelle der Tafel in Rochlitz

Doch das Angebot der Tafel ist im Zuge von Corona an anderer Stelle auch erweitert worden. Seit April können Kunden sich die Waren auch nach Hause bringen lassen. Bisher werde dieses Angebot in Döbeln nur vereinzelt genutzt, sagt Sommerfeldt. Es sei jedoch problemlos in den Tagesablauf zu integrieren gewesen. 

Ermöglicht wurde der Lieferservice durch einen Zuschuss der Aktion Mensch, wie Anne Katrin Koch, Geschäftsführerin des Netzwerk Mittweida, sagt. Der Sozialverein hat 2017 die Tafel in Döbeln übernommen. 

Von der Förderung ist zudem eine weitere Ausgabestelle in Rochlitz eingerichtet worden. „Die ist sehr gut angelaufen“, sagt Koch. Für ein Jahr gebe es Fördergeld. Doch der Service für die Kunden, für den von der Aktion Mensch unter anderem die notwendigen mobilen Kühlsysteme finanziert worden sind, soll aufrechterhalten werden. 

Davon profitieren sollen vor allem diejenigen, die Hilfe benötigen, aber aus materiellen oder gesundheitlichen Gründen nicht mobil sind.

In der Region Döbeln sind es nach Angaben von Marion Sommerfeldt vor allem Senioren und Alleinstehende, die sich an die Tafel wenden. „Etwa 25 Prozent sind Familien mit Kindern, knapp 20 Prozent ältere Ehepaare noch vor der Rente, gut zehn Prozent sind Asylbewerber“. Ganz schön hoch sei für sie der Anteil an jungen Leuten, die suchtbedingt arbeitslos seien.

Mehr lokale Nachrichten aus Döbeln und Mittelsachsen lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Döbeln