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Mehr Lehrer gefordert

Ein Vater wehrt sich gegen Stundenausfall am Heisenberg-Gymnasium. Ein Einzelfall, sagt das Ministerium.

Von Britta Veltzke

Riesa. Eines Morgens hat es Heiko Hettich einfach nicht mehr ausgehalten. Es war ein Sonntag, die Familie lag noch in den Federn – auch Sohn Peter, bei dem der Stundenausfall zum Schulalltag geworden sei, berichtet der besorgte Vater und Elternsprecher am Riesaer Werner-Heisenberg-Gymnasium. An jenem Sonntag vor einigen Wochen belastete das den Strehlaer so sehr, dass er aus dem Bett aufsprang, um eine Petition zu schreiben, in der er mehr Lehrer an Sachsens Schulen fordert. „Ich habe einfach gesehen, dass auch die Schulen und das Kultusministerium mit dem Rücken an der Wand stehen und ich einen anderen Weg einschlagen muss“, sagt Heiko Hettich.

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Das Resultat hat er gestern im Sächsischen Landtag übergeben – nicht wie geplant an den Landtagspräsidenten Matthias Rößler, sondern an die Vorsitzende des Petitionsausschusses Anja Jonas (FDP). Rößler musste sich derweil dafür rechtfertigen, dass Rechtsextremen am Dienstag nach einer Demonstration der Zutritt ins Landtagsgebäude gewährt worden war. Für Hettich ein kleiner Dämpfer: „Es hätte schon eine andere Symbolik gehabt, wenn Rößler die Petition persönlich in Empfang genommen hätte“, sagt er. Conny Falken, bildungspolitische Sprecherin der Linksfraktion, sieht darin gar eine Missachtung des Petenten. Wie die Mitglieder des Petitionsausschusses sieht sie die Brisanz des Themas. Auch Hannelore Dietzschold von der in Sachsen regierenden CDU bestätigt den Mangel, den der Petent Hettich in seiner Petition beschreibt: „Wir sehen, dass nicht genügend Lehrer da sind.“ Liane Deicke, SPD, ebenfalls Mitglied im Petitionsausschuss, warnt vor Überalterung, Stress und hohen Stundenausfällen in den Schulen. „Das ist im Grunde Konsens in allen Landtagsfraktionen“, sagt Deicke.

Heiko Hettich bescheinigt mit einer eigens für die Petition aufgestellten Statistik einen Stundenausfall von über 20 Prozent exemplarisch für den Monat Februar. „Für unsere Kinder, aber auch für die Zukunft des Landes Sachsen ist das ein untragbarer Zustand. Unsere Ressource, mit der wir hier in Sachsen wuchern können, ist eben die Bildung“, so Hettich. Das Werner-Heisenberg-Gymnasium steht für ihn stellvertretend für die Bildungspolitik in ganz Sachsen. Im Kultusministerium bewertet man die Diskussion um den Stundenausfall ganz anders. Sprecher Dirk Reelfs bestätigt zwar den hohen Stundenausfall im Heisenberg-Gymnasium im Monat Februar, das aber sei „ein bedauerlicher Einzelfall“ gewesen. „Vor den Winterferien sind dort 17 Lehrer auf einmal krank geworden. Das waren einfach zu viele, um das ausgleichen zu können“, so Reelfs. Schon im März habe der Stundenausfall aber wieder im einstelligen Prozentbereich gelegen. Von einem dramatischen Zustand spricht das Ministerium ab zehn Prozent Stundenausfall. Einen Lehrermangel kann das Ministerium am Heisenberg-Gymnasium nicht bestätigen – ganz im Gegenteil: „Wie in allen anderen sächsischen Schulen, mit Ausnahme der Förderschulen, ist auch in Riesa der Grundbereich abgedeckt. Für Angebote neben dem regulären Unterricht stehen am Heisenberg-Gymnasium sogar überdurchschnittlich viele Lehrer zur Verfügung“, so der Ministeriumssprecher. Dennoch habe man auch dort versucht, junge Lehrer für unbefristete Stellen zu gewinnen. Bei den Bewerbern habe es jedoch nicht die Bereitschaft gegeben, nach Riesa zu ziehen.

Für Heiko Hettich liegt in der Antwort des Ministeriums die Krux: „Die geben sich mit einem Ausfall von zwei, drei Prozent einfach zu frieden. Wenn aber in einem Fach dadurch genau das Wissensgebiet auf der Strecke bleibt, das später im Abitur dran kommt, verbaut sich der Schüler unter Umständen seinen Berufswunsch.“ Sein Sohn etwa habe fünf Wochen lang am Stück keinen Chemieunterricht gehabt. „Da kann doch keine Rede davon sein, dass es am Heisenberg genug Lehrer gibt“, entgegnet Hettich.

Seine Petition wird nun im Ausschuss beraten. Da für mehr Lehrer aber nicht das Kultusministerium allein sorgen kann, muss zudem das Finanzministerium eingeschaltet werden. Es werden also einige Monate vergehen, bis Heiko Hettich wieder von seiner Petition hört. Bis Dezember könne das schon dauern, so die Vorsitzende des Petitionsausschusses.