merken
PLUS

Mehr Platz für Kunst in Pulsnitz

Ernst-Rietschel-Kulturring öffnet Schaudepot und eine neue Ausstellung. Viele bekannte Namen finden sich hier.

© Wolfgang Wittchen

Von Anett Böttger

Pulsnitz. Bilderrahmen an Bilderrahmen: in einem Raum des Geburtshauses von Bildhauer Ernst Rietschel (1804 – 1861) stehen Kunstwerke dicht gedrängt im Regal. „Es hat sich viel angesammelt“, sagt Sabine Schubert, die Vorsitzende des Ernst-Rietschel-Kulturrings in Pulsnitz. In den vergangenen zwei Jahrzehnten kamen Arbeiten zahlreicher Künstler in den Besitz des Vereins – durch Schenkungen, Stiftungen und Ankauf. Ein Teil der Schätze wird künftig in einem Schaudepot präsentiert. Der Kulturring hat es in einen Raum des dreistöckigen Gebäudes eingerichtet, in dem sein Namenspatron zur Welt kam.

Anzeige
Frühlingsgefühle im Haus Rosengarten
Frühlingsgefühle im Haus Rosengarten

Die Diakonie Liberia sucht ab März neue Mitarbeiter (m/w/d) in den Bereichen Tagespflege und ambulanter Pflegedienst.

Das Schaudepot öffnet am 14. April. Überhaupt steht dann erstmals wieder das Rietschelhaus offen, in dem seit 2016 eine Dauerausstellung über den Bildhauer informiert. Wegen Bauarbeiten in der Rietschelstraße war das Gebäude mehrere Monate schwer zugänglich und blieb daher geschlossen. Zeitgleich wird auch die erste Ausstellung dieses Jahres in der Ostsächsischen Kunsthalle eröffnet, die der Kulturring in Pulsnitz ebenfalls betreibt.

2012 hatte der Verein eine ehemalige Kaufhalle zur Galerie verwandelt. Unter dem Titel „Transformation des Gewöhnlichen“ stellen dort bis 27. Mai 26 Künstlerinnen aus. Tatsächlich sind an der Schau nur Frauen beteiligt. Die Malerinnen, Grafikerinnen, Bildhauerinnen, Formgestalterinnen und Textilkünstlerinnen folgten der Aufforderung, profane Formstücke zu ungewöhnlichen Objekten neu zu arrangieren. Die Ergebnisse des Projekts waren 2016 bereits auf Schloss Übigau in Dresden ausgestellt und sind nun für sechs Wochen in Pulsnitz zu sehen.

Parallel werden im hinteren Teil der Kunsthalle Arbeiten des bedeutenden Expressionisten Carl Lohse gezeigt. Er lebte von 1929 bis zu seinem Tod 1965 in Bischofswerda. Zwei Töchter des Malers hatten dem Kulturring 2014 ein Ölgemälde sowie 18 Papierarbeiten, überlassen, darunter Akte, Porträts und Landschaftsansichten. „Jetzt ist die Schenkung erstmals öffentlich zu sehen“, freut sich Sabine Schubert.

Rietschels Luther in Görlitz

„Man hat uns zugetraut, das Werk in die Ewigkeit zu tragen und gut mit Kunst umzugehen“, glaubt die Vereinsvorsitzende. Durch langjährige Verbindungen wuchs in vielen Fällen das Vertrauen von Sammlern, Künstlern und deren Angehörigen zu den Pulsnitzern. Kompetenz hat der 1991 gegründete Verein nicht zuletzt unter Beweis gestellt, indem er seit Bestehen rund 250 Ausstellungen in der Kleinstadt organisierte. Hinzu kommen knapp 100 Ausstellungen in Kooperation mit verschiedenen Partnern an anderen Orten.

Als im Juni 2010 das Dresdner Albertinum wieder öffnete, das Gerhard Richters Arbeiten zwei Räume widmet, wurden Werke des berühmten Malers auch parallel in Pulsnitz gezeigt. Ohnehin erscheint das Engagement des Vereins in einer Stadt beachtlich, die rund 7  500 Einwohner zählt. Im Pulsnitzer Schloss, das als Klinik genutzt wird, veranstaltet der Kulturring regelmäßig Konzerte, Vorträge und Lesungen. Kulisse dafür ist der Kultursaal – als ein weiterer Raum im Ort, an dem die Vereinsmitglieder mehrere Ausstellungen im Jahr gestalten. Insgesamt mehr als zehn sind es 2018 in Pulsnitz.

So werden ab Juni Arbeiten von 50 Künstlern unter dem Titel „Die Oberlausitz im Landschaftsaquarell“ in der Ostsächsischen Kunsthalle gezeigt. Seit die frühere Kaufhalle als Galerie offen steht, kann der Verein Kunstwerke auf deutlich größerer Fläche präsentieren. Die kleinen Räume im Rietschelhaus wurden für neue Ideen frei.

Die kleine, feine Ausstellung im Erdgeschoss würdigt das Schaffen von Ernst Rietschel. Vor elegant grauen Wänden lassen sich dort Gipsabgüsse von mehreren Werken des Bildhauers bewundern, die meisten in Miniaturform. Zu den bekanntesten gehören das Goethe-Schiller-Denkmal vor dem Nationaltheater in Weimar und das vielfach kopierte Standbild von Luther mit der Hand auf der Bibel. Es steht unter anderem in Görlitz, vor der Dresdner Frauenkirche oder vor der Annenkirche in Annaberg-Buchholz.

Im Raum darüber entstand das Schaudepot, um Einblick in den enorm gewachsenen Vereinsfundus zu geben. Er umfasst Hunderte Werke, unter anderem von Bernhard Heisig, Horst Leifer, Wolfgang Mattheuer, Horst Weber, Johannes Wüsten und Gottfried Zawadzki. Unter dem Dach des Rietschelhauses bewahrt der Kulturring die Walter-Nessler-Stiftung mit allein rund 750 Arbeiten. Der 1912 in Leipzig geborene Künstlers, lebte bis 1938 in Dresden, bevor er nach London ging.

Erst im Februar 2018 erweiterte sich die Sammlung durch Papierarbeiten, Grafiken und Druckstöcken des Oberlausitzer Künstlers Ludwig A. Böhme (1954 – 2017). Einige Arbeiten aus der Schenkung sind ab 14. April im Schaudepot ausgestellt. Die Kunstwerke an den Wänden im Raum werden künftig immer wieder wechseln. Auf einem großen Bildschirm können sich Besucher zudem Schätze aus der Sammlung des Kulturrings anschauen. „Fotografiert ist inzwischen sehr viel“, sagt Sabine Schubert. An jedem dritten Sonntag im Monat öffnet das Schaudepot zu einer besonderen Veranstaltung. Als erste ist am 22. April um 16 Uhr ein Vortrag unter dem Titel „Mit dem Fahrrad an Ostfrieslands Künsten“ geplant.

Die Ostsächsische Kunsthalle, Robert-Koch-Str. 12 in Pulsnitz, ist donnerstags, freitags und sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.

Das Geburtshaus Ernst Rietschel (Rietschelstr. 16 in Pulsnitz ) mit Dauerausstellung zu Ernst Rietschel und Schaudepot kann sonntags von 14 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden (Terminvereinbarungen über die Telefonnummer 035955 42318 oder unter [email protected]