merken
PLUS

Dresden

Wie sicher kann man sich in Dresden fühlen?

Beim ersten SZ-Wahlcheck ging es um Kriminalität und Polizei. Dabei gab es bei den Kandidaten wenig Gemeinsamkeiten.

Vize-Polizeipräsident René Demmler, AfD-Kandidat Heiko Müller, SPD-Kandidatin Rasha Nasr und Clubbetreiber Christian von Canal (v.l.) diskutierten beim Wahlcheck. SZ-Redakteur Andreas Weller (Mitte) leitete die Runde.
Vize-Polizeipräsident René Demmler, AfD-Kandidat Heiko Müller, SPD-Kandidatin Rasha Nasr und Clubbetreiber Christian von Canal (v.l.) diskutierten beim Wahlcheck. SZ-Redakteur Andreas Weller (Mitte) leitete die Runde. © Marion Doering

Es wird getanzt und gesungen vor der Scheune, Flohmarktverkäufer rücken regelmäßig ihre Tische in Position, es gibt Gemüse zu kaufen und Falafel. So könnte der Platz inmitten der Neustadt vom gefährlichen Ort zum beliebten Treffpunkt werden, an dem man sich verabreden kann, ohne mit Pöbeleien, Dieben oder Schlimmerem rechnen zu müssen. René Demmler ist davon überzeugt, Rasha Nasr auch. Der stellvertretende Polizeipräsident sprach am Dienstagabend für seine Dienststelle bei einer Podiumsdiskussion im Haus der Presse. Die SZ hatte zum Wahlcheck eingeladen, Redakteur Andreas Weller moderierte eine Runde zum Thema Sicherheit. Rasha Nasr saß als Stadtratskandidatin der SPD auf der Bühne, gemeinsam mit Heiko Müller, der für die AfD in den neuen Rat möchte. Der Gastronom und Clubbetreiber Christian von Canal war dabei, um von seinen Erfahrungen zu sprechen. „Die Umsätze in der Neustadt gehen massiv zurück“, klagte der Geschäftsmann, er und seine Kollegen hätten sehr unter dem Sicherheitsproblem im Szeneviertel zu leiden. Und von Canal sprach eine Tatsache an, die fortan stets Thema war: Die Täter seien „nicht zu 100 Prozent Ausländer, aber es ist massiv, dass es sehr viele Migranten sind“.

René Demmler ging auf diese Feststellung nicht ein. Laut den Polizeizahlen sei Dresden eine der sichersten der 14 deutschen Großstädte mit mindestens 500.000 Einwohnern, sagte der stellvertretende Polizeichef. Bei der Gewaltkriminalität habe die Stadt nach München die zweitgeringste Rate. „Ja, Dresden ist sicher und sicherer als die meisten deutschen Großstädte“, fasste er zusammen. Dass das nicht jeder Dresdner so empfindet, dass also das subjektive Sicherheitsgefühl und die Zahlen der Polizei nicht immer zusammenpassen, räumte Demmler ein. „Ich bin weit davon entfernt, behaupten zu wollen, hier ist alles gut.“

So ist die Situation

Heiko Müller belegte das mangelnde Sicherheitsgefühl mit einer selbst gemachten Umfrage, die allerdings nicht repräsentativ ist. Demnach fühlten sich fast 72 Prozent der 161 Personen, die er auf der Prager Straße und dem Wiener Platz befragt hat, nicht sicher. Und die Stadtverwaltung samt dem aktuellen Stadtrat nehme dieses Problem nicht ernst, hat seine Umfrage ergeben. Müller will mehr Beleuchtung, mehr Polizei und kündigte an, als Stadtrat künftig alles zu erfragen, woran er Zweifel hat. So will der AfD-Vertreter vermeintliche Fehler aufdecken und Missstände anprangern.

Damit zielte er auch auf den Verdacht, abgelehnte Asylbewerber hätten von Mitarbeitern aus dem Rathaus vor ihrem Abschiebetermin einen Tipp bekommen. Das ist derzeit Thema für Polizei und Staatsanwaltschaft. Müller meint, diese Tipps seien wohl eher von Helfern gekommen, die Asylbewerber in Dresden unterstützen.

© Marion Doering

Rasha Nasr, eine in Deutschland geborene Tochter syrischer Eltern, findet diesen Vorwurf unerhört. Die 26-Jährige berichtete, sie sei selbst schon als „Asylantenschlampe“ beschimpft worden, die „zurück ins Asylantenheim zu ihren Freunden“, gehen soll. Sie sprach sich für einen „Dreiklang“ aus: Repression durch die Polizei, Prävention durch Netzwerke mit Akteuren vor Ort und die Umnutzung öffentlicher Plätze.

Für Christian von Canal war das keine Hilfe. Er berichtete von dem Versuch, das Kriminalitätsproblem in der Neustadt gemeinsam mit anderen Gastronomen anzugehen. Doch Kriminelle, die beim ihm Hausverbot bekommen hätten, kämen eben am nächsten Tag wieder, da sei nicht die Polizei, sondern die Justiz gefragt.

Weiterführende Artikel

Symbolbild verwandter Artikel

Wohnungsnot oder angespannte Situation?

Beim dritten SZ-Wahlcheck ging es darum, wie bezahlbarer Wohnraum entstehen kann. Ideen dafür gibt es einige.

Symbolbild verwandter Artikel

Wie lässt sich Wohnraum für alle schaffen?

In Dresden wird bezahlbarer Wohnraum immer knapper. Was tun? Darüber diskutieren wir beim nächsten SZ-Wahlcheck. Seien Sie dabei!

Symbolbild verwandter Artikel

SZ-Podium streitet um Verkehr der Zukunft

Beim zweiten Wahlcheck ging es vor allem um Fahrradfahrer. Und es gab eine doppelte Zusage.

Eineinhalb Stunden dauerte diese erste von drei Podiumsdiskussionen, die die SZ vor der Kommunalwahl am 26. Mai organisiert. Bei den nächsten zwei Wahlchecks geht es am 16. Mai darum, welche Schwerpunkte im Verkehr wichtig sind und wie der Verkehr der Zukunft aussehen soll. Am 23. Mai wird darüber diskutiert, wie die Mieterhöhungen aufgehalten und ausreichend Wohnungen geschaffen werden können.

Um Anmeldung wird gebeten unter: [email protected]. Anmeldungen mit den Betreff: SZ-Wahlcheck Verkehr sind bis Dienstag, 14. Mai um 19 Uhr, möglich.