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Mehr Radverkehr in Dippoldiswalde

Das Fahrrad gewinnt in der Stadt an Bedeutung. Aber Dipps liegt immer noch weit zurück im sächsischen Vergleich. Wo die Schwachpunkte liegen.

Dank Elektroantrieb ist die Steigung kein Problem: Wolfgang Bartzsch fährt auf der Rabenauer Straße in Dippoldiswalde stadtauswärts.
Dank Elektroantrieb ist die Steigung kein Problem: Wolfgang Bartzsch fährt auf der Rabenauer Straße in Dippoldiswalde stadtauswärts. © Egbert Kamprath

Der Radverkehr in Dippoldiswalde hat in den fünf Jahren von 2013 bis 2018 um mehr als die Hälfte zugenommen. Das geht aus einer Verkehrsstudie hervor, welche die Technische Universität Dresden regelmäßig erstellt. 504 zufällig ausgewählte Einwohner von Dippoldiswalde sind dabei nach ihrem Verkehrsverhalten befragt worden, informierte der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club ADFC.

Aber trotz dieser Zunahme des Radverkehrs ist Dippoldiswalde nicht auf dem Weg zu einem Zweiradzentrum. Von allen Wegen, welche die Dippser zurücklegen, macht der Radverkehr 6,2 Prozent aus. Unter 25 sächsischen Städten, die dabei untersucht wurden, spielt in Dipps das Fahrrad mit die geringste Rolle. Nur in zwei Städten ist es noch weniger, in Zwickau und Bischofswerda. Viele Städte in der Nähe haben einen weit höheren Anteil an Radverkehr. In Pirna macht er 10,3 Prozent des gesamten städtischen Verkehrs aus, in Heidenau 11,7 Prozent, in Meißen 12,4 Prozent oder in Dresden 18,4 Prozent.

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Ist weniger laut, verursacht keine Staus

Janek Mücksch vom Vorstand des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs in Sachsen sagt dazu: „Wenn mehr Menschen Rad fahren, ist es weniger laut, die Luft wird sauberer, die Menschen gesünder und es gibt weniger Staus.“ Er fordert aber auch, dass die Stadt dem Radverkehr mehr Platz einräumen muss.

Dippoldiswalde hat in dieser Hinsicht einigen Nachholbedarf. Ein Projekt ist seit den 1990er-Jahren in der Diskussion, aber bisher noch kaum vorangekommen: der Radweg rings um die Talsperre Malter. Dass da bisher nicht vorangeht, kritisiert auch Wolfgang Bartzsch aus Paulsdorf, den die SZ mit seinem Elektro-Fahrrad an der Rabenauer Straße in Dippoldiswalde traf.

Für die Malter-Radstrecke ist aber in weiten Teilen der Landkreis verantwortlich. Daher hat Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) auch geplant, den Beigeordneten im Landratsamt, Heiko Weigel, in den Stadtrat einzuladen, damit er den aktuellen Planungsstand einmal vorstellt, wie sie mitteilte. Vor der Oberbürgermeisterwahl hat Weigel angekündigt, dass dieser Radweg bis 2026 verwirklicht wird.

Planungen Richtung Reichstädt, Glashütte und an der B170

Andere Radwegprojekte in Dippoldiswalde und Umgebung werden in der Zuständigkeit des Landesamts für Straßenbau und Verkehr bearbeitet. Im den letzten Monaten sind Vermessungsarbeiten entlang der Bundesstraße 170 zwischen dem Bannewitzer Ortsteil Börnchen und Dippoldiswalde gelaufen. Im vergangenen Jahr hat das Landesamt erste Untersuchungen vornehmen lassen entlang der Staatsstraße zwischen der Kernstadt Dippoldiswalde und Reichstädt. Hier ist inzwischen die Vorplanung und die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange abgeschlossen worden, informierte das Landesamt. Auch von Dippoldiswalde in Richtung Glashütte gibt es erste Planungen.

Ein weiteres Vorhaben ist ein innerstädtischer Radweg, der von der B170 an der Aral-Tankstelle abzweigen und dann an der Bahnstrecke entlang vorbei an Bahnhof und Polypark durch die Dippser Unterstadt führen soll. Schließlich soll er an einen Malter-Radweg anschließen. Das Vorhaben ist im Flächennutzungsplan für Dippoldiswalde eingezeichnet. Die Stadtverwaltung achtet auch schon seit Jahren darauf, dass nichts gebaut wurde, was diesen Radweg blockieren könnte. Bis hier die Radfahrer aber durchgehend rollen können, müsste die Stadt erst noch mehrere Grundstücke kaufen. Es ist also noch Zukunftsmusik.

Nachteile: Steigungen und einige enge Straßen

Andere Punkte, welche in Dippoldiswalde das Radfahren wenig attraktiv machen, sind kaum zu ändern. Das sind erstens die natürlichen Gegebenheiten. Wer in Dipps radeln will, muss fast überall Höhenunterschiede überwinden und kräftig in die Pedale treten. Selbst von Paulsdorf nach Dippoldiswalde sind einige Höhenmeter zu überwinden. Wer aber nach Reichstädt strampelt, muss erst die Reichstädter Höhe überwinden und wenn er vom unteren Ortseingang von Reichstädt ins Oberdorf will, hat er insgesamt 200 Höhenmeter vor sich. Hilfe bieten dabei E-Bikes. So haben zwar die Dippser im Vergleich wenig Fahrräder, sind aber in der Spitzengruppe, was die Verfügbarkeit von Elektrofahrrädern angeht, wie die Verkehrsforscher der TU herausgefunden haben. Damit sind dann auch Steigungen leichter zu packen.

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Ein zweiter Punkt, der das Radfahrer erschwert, sind die engen Straßen in der Innenstadt von Dippoldiswalde. Dort ist der Raum einfach zu knapp, um verschiedene Verkehrsmittel und noch Fußgänger sicher aneinander vorbei zu lenken. Drittens haben bei einer vorhergehenden Befragung des ADFC zum Fahrradklima in deutschen Städten sehr viele Radfahrer in Dipps angegeben, dass sie sich nicht sicher fühlen. Solange es entlang den wichtigen Straßen wie der B170 und den Staatsstraßen kaum Radwege gibt, wird sich daran wohl wenig ändern. Aber dieser Punkt lässt sich auf lange Sicht durchaus verbessern. Wenn Dippoldiswalde also den Fahrradverkehr in der Stadt weiter fördern will, muss die Stadt noch heftig strampeln, um den Radlern mehr Platz und Sicherheit zu bieten.  

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