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Mehr Schwangere nehmen Crystal

Die Droge greift auch im Landkreis um sich. Abhängige Mütter gefährden das Leben ihrer ungeborenen Kinder.

Von Juliane Richter, Katarina Lange und Christian Eissner

In Dresden und dem Dresdner Umland kommen immer mehr Kinder zur Welt, deren Mütter die Droge Crystal nehmen. Laut einer Analyse des Dresdner Uniklinikums gab es dort 2009 ein betroffenes Baby, 2012 waren es bereits 16, im letzten Jahr 33. Für dieses Jahr rechnen die Ärzte der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin bereits mit 50 Fällen von crystal-abhängigen Schwangeren.

Charlotte Meentzen
Pioniergeist und Weitblick in Naturkosmetik vereint
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Für Hautbedürfnisse gilt dasselbe wie für Beziehungen oder Arbeitssituationen: Die richtige Balance sorgt für langfristiges Wohlbefinden. Charlotte Meentzen hat schon damals verstanden, dass schöne Haut am erfolgreichsten zusammen mit dem Geist gepflegt wird.

Auch in der Sächsischen Schweiz zeigt sich dieser Trend. Hier war das Problem noch vor fünf Jahren praktisch nicht bekannt. Im vergangenen Jahr registrierte das Klinikum Pirna bereits fünf Fälle von crystal-abhängigen Schwangeren. „Sicherlich besteht hier auch eine Dunkelziffer“, sagt Klinik-Sprecherin Heike Klameth. Auch die Sächsische-Schweiz-Klinik in Sebnitz kennt solche Fälle.

Der Rauschgiftmissbrauch, speziell von Crystal, zieht sich durch alle Schichten. Und macht eben auch vor werdenden Müttern nicht halt. Im Uniklinikum Dresden analysiert die Ärztin Claudia Zinke diese Fälle. Sie hat festgestellt, dass bei der Hälfte der betroffenen Neugeborenen irgendeine körperliche Auffälligkeit auftritt. „Das sind Fußfehlstellungen, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Zysten im Gehirn oder Herzfehler.“ Seit zwei Jahren führen die Ärzte beim Verdacht auf Drogenkonsum der Mutter spezielle Untersuchungen am Säugling durch. Wird der Drogenkonsum jedoch nicht sofort erkannt, können dessen Folgen beim Kind zunächst auch unentdeckt bleiben. Denn die Babys fallen zum Beispiel nicht durch lautes Schreien auf. „Es ist eher so, dass sie vermehrt ruhig sind, teilweise sogar schlapp und lethargisch“, sagt Claudia Zinke. Die Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass jedes vierte Kind von crystal-süchtigen Müttern zu früh auf die Welt kommt. Zudem sind 20 Prozent der Babys zu leicht. Obwohl es bisher wenige Studien bezüglich der Kinder gibt, gehen die Mediziner auch von Langzeitwirkungen aus. Die Kinder würden häufig motorische Einschränkungen, aber auch Aufmerksamkeitsdefizite und aggressives Verhalten zeigen. Noch unklar ist, welchen Anteil die Droge an sich und welchen möglicherweise das soziale Umfeld hat.

Die Experten weisen aber auch immer wieder darauf hin, dass Crystal in allen Bevölkerungsschichten konsumiert wird. Marko Rogge, Oberarzt der Suchtstation des Krankenhauses Arnsdorf, kennt sowohl abhängige Hartz-IV-Empfänger als auch Manager und Hausfrauen. Die Droge steigere die Leistungsfähigkeit enorm. Wer diesen Zustand einmal erlebt habe, wolle ihn wieder erreichen. Ärztin Claudia Zinke ergänzt mit Blick auf ihre Patientinnen: „Unsere Gesellschaft fordert wach, agil und schlank zu sein. All das scheint Crystal den Frauen zu geben.“ Hinzu kommt, dass die synthetische Droge leicht und für wenig Geld zu beschaffen ist.

Dr. Helen Urban von der Klinik für Geburtshilfe erlebt die crystal-abhängigen Schwangeren häufig im Kreißsaal. Nicht jede kann ihr Kind überhaupt zur Welt bringen. Denn der Drogenkonsum führt zu einer schlechteren Durchblutung der Plazenta. Manchmal löst sich diese zu zeitig ab, sodass das Kind nicht mehr versorgt wird und stirbt. In den seltensten Fällen geben die Frauen ihren Drogenkonsum zu. Lediglich das verlebte Aussehen, schlechte Zähne und aggressives Verhalten können Anhaltspunkte sein. Ein Urintest, der für Klarheit sorgen kann, darf nur mit Zustimmung der Frauen durchgeführt werden.

Den Ärzten liegt viel daran, den Drogenkonsum eindeutig festzustellen – weil bei jedem positiven Befund das Wohl des Kindes gefährdet ist. „Wir empfehlen den Müttern stets, ihre Kinder nicht zu stillen. Manche machen es trotzdem, sodass ihr Kind die Droge mitkonsumiert“, sagt Helen Urban.

Unter bestimmten Bedingungen können die Ärzte trotz ihrer Schweigepflicht das Jugendamt einschalten und über die Kindswohlgefährdung informieren. Das Klinikum Pirna pflegt engen Kontakt mit dem Jugendamt des Landkreises und auch mit den niedergelassenen Kinderärzten, erläutert Sprecherin Heike Klameth. So soll zum einen die ärztliche Überwachung des Kindes nach der Entlassung aus dem Krankenhaus sichergestellt werden, zum anderen auch Hilfe für die Mutter.