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Mehr Stundenausfall

An einigen Schulen mussten besonders viele Stunden gestrichen werden. Wo gab es die größten Probleme?

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© hübschmann

Von Catharina Karlshaus, LindaBarthel und Nicole Czerwinka

Das Fach fällt heute aus. Diesen Satz hörten sächsische Schüler in der ersten Hälfte des Schuljahres 2014/15 häufiger als im Vorjahr. 3,6 Prozent der Unterrichtsstunden – und damit 0,4 Prozent mehr als 2013/14 – mussten gestrichen werden. Das zeigt die neue Ausfall-Statistik, die das Kultusministerium jetzt veröffentlicht hat.

Hauptgrund für den erhöhten Unterrichtsausfall waren krankgeschriebene Lehrer oder Kollegen, die Zuhause bleiben mussten, weil ihre Kinder krank waren. Besonders in den Wintermonaten gab es dadurch personelle Engpässe. Vor allem an den Oberschulen im Raum Meißen mussten viele Stunden gestrichen werden. Die Zahlen liegen – wie auch schon im Vorjahr – zum Teil weit über dem sächsischen Durchschnittwert von 3,7 Prozent.

Unterboten wurde dieser glücklicherweise in Großenhain. In der 2. Grundschule „Am Bobersberg“ kämpften die Pädagogen freilich auch mit der Januargrippe und brachten es auf eine Quote von 3,1 Prozent. Dennoch versuchte man die meisten erkrankten Kollegen, so Monika Kroll, zu ersetzen. Wie die Schulleiterin betont, sei dies in dem nur 14 Lehrer starken Kollegium natürlich nicht immer einfach. „Mitunter müssen dann wirklich Klassen aufgeteilt werden oder Integrationsstunden zugunsten aller Schüler zur Vertretung verwendet werden“, erklärt Monika Kroll.

Dass nicht jede einzelne Stunde fachgerecht vertreten werden kann, weiß auch Ilona Reichel. Die stellvertretende Schulleiterin der 2. Oberschule „Am Schacht“ ist für den Bau des Stundenplanes und damit die Vertretungsstunden zuständig. Mit viel Geschick und sicherlich geübtem Hin- und Hergeschiebe einzelner Unterrichtseinheiten konnte sie den Ausfall im ersten Halbjahr auf 2,4 Prozent begrenzen. Leicht, so Ilona Reichel, sei das allerdings nicht. Immerhin wären nur noch ganz wenige Kollegen unter 50 Jahren. „Das macht sich natürlich auch in der gesundheitlichen Konstitution bemerkbar. Wir hatten Langzeiterkrankte von vier bis sechs Wochen, meistens sind es sieben oder 14 Tage.“ Diese Ausfälle mit Vertretungen abzusichern, sei manchmal eine enorme Herausforderung.

Ihr nicht standhalten konnte das Riesaer Heisenberg-Gymnasium. Muss Schulleiterin Sylvia Mebus vergleichsweise zwar nur 3,4 Prozent Unterrichtsausfall beklagen, gab es aber erhebliche Probleme im Fach Computer und Technik. Zum Halbjahr hatten die fünften Klassen keine Note auf dem Zeugnis stehen. Der Grund: Lehrermangel. Auch der Informatikunterricht für die Neuntklässler fiel in letzter Zeit mangels Lehrkraft häufig aus. „Das Problem ist, dass im Dezember eine Kollegin krank wurde, die für längere Zeit ausfällt. Somit konnten wir die Ressourcen in diesem Fach nicht mehr abdecken.“

Kein Wunder: Im ländlichen Raum ist es ohnehin schwierig, neue Lehrer zu finden. Deshalb will der Freistaat Sachsen angehende Lehrer zum Wintersemester mit Stipendien locken. Künftig sollen bis zu 100 Studenten mit monatlich 300 Euro unterstützt werden, wenn sie sich dazu verpflichten, nach dem Abschluss für die Dauer der geleisteten Förderung eine Stelle an einer ländlichen Schule zu übernehmen.