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Mehr Verfahren gegen Schulschwänzer

Das Bautzener Kreisordnungsamt muss sich mit einer wachsenden Zahl von Schulbummelanten beschäftigen (s. Grafik). Dabei handelt es sich um Jugendliche, die dem Unterricht tagelang unentschuldigt fernbleiben.

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Von Heiko Engel

Das Bautzener Kreisordnungsamt muss sich mit einer wachsenden Zahl von Schulbummelanten beschäftigen (s. Grafik). Dabei handelt es sich um Jugendliche, die dem Unterricht tagelang unentschuldigt fernbleiben. Häufig komme dies an Berufsschulen vor, so Franziska Snelinski, Pressesprecherin des Landkreises. Diese Einschätzung können Schulleiter allerdings nicht nachvollziehen.

Schulen fordern Sozialarbeiter

Uwe Richter, amtierender Leiter des Beruflichen Schulzentrum für Technik (BSZ) in Bautzen, meldete im laufenden Schuljahr bisher zwei Schüler. Die Anzeige beim Ordnungsamt war das letzte Mittel. Gespräche und Verwarnungen durch Lehrer hätten nichts mehr gebracht, so Richter. Er und seine Kollegen unterrichten 1400 Schüler. Die meisten von ihnen Lehrlinge in einer Firma, die im BSZ die theoretische Ausbildung machen.

Bei den beiden Extrem-Schwänzern liegt der Fall allerdings anders. Sie absolvieren ein so genanntes Berufsvorbereitendes Jahr (BVJ). Dort lernen Mädchen und Jungen, die den Hauptschulabschluss nicht geschafft haben und eine zweite Chance erhalten. Zudem werden den Jugendlichen handwerkliche Grundkenntnisse vermittelt.

Ähnlich gelagerte Fälle gibt es auch im Bautzener Beruflichen Schulzentrum für Ernährung und Hauswirtschaft. Schulleiter Wolfgang Berge zeigte 2008 vier Fälle an. Er kennt die Gründe für Schulbummelei: „Soziales Umfeld und Familien funktionieren nicht richtig.“ In den Klassen mit regulären Azubis gebe es diese Probleme kaum. 700 Schüler besuchen das Berufsschulzentrum.

Die beiden Bautzener Berufsschulleiter sind sich einig: „Wir brauchen einen Sozialarbeiter, der sich gerade um die Jugendlichen im Berufsvorbereitenden Jahr kümmert“, sagt Berge. Die Lehrer könnten dies bei der Fülle an Unterrichtsstunden einfach nicht leisten. Gemeinsame Anträge der beiden Schulen bei den Behörden seien bisher aber erfolglos geblieben.

Wesentlich mehr Verfahren gegen Schulschwänzer leitete das Ordnungsamt im Altkreis Kamenz ein. Dort ist die Zahl der Fälle mittlerweile zwar stark rückläufig (s.Grafik). Aber die Mitarbeiter mussten sich allein 2007 immer noch um fünfmal mehr Schwänzer kümmern als ihre Bautzener Kollegen. Schulleiter Berge wundert das nicht. „In Kamenz wurde wahrscheinlich schon bei kleineren Vergehen durch das Ordnungsamt eingeschritten. Wir haben uns im Landkreis Bautzen damit etwas schwer getan.“ Günter Müller, Leiter der Bautzener Daimler-Mittelschule, teilt die Einschätzung. Er habe dies beim Ordnungsamt schon angesprochen. „Es kam keine Reaktion.“ Im Kamenzer Bereich werde wohl schneller eingegriffen. Was ihn stört: Nach einer Anzeige höre er vom Ordnungsamt nichts mehr über das weitere Verfahren. Müller meldet pro Jahr meistens einen Fall ans Ordnungsamt, weitere vier könnten durch die Schule geklärt werden. – Im Umgang mit Schulschwänzern muss sich etwas ändern, da sind sich Berge und Müller einig. Es fehle an einer einheitlichen Regelung. Schulleiter und Ordnungsamt sollten gemeinsam Richtlinien entwickeln. Kreissprecherin Snelinski hat keine Erklärung für die Unterschiede zwischen Bautzen und Kamenz. Auf die Anzeigen habe der Landkreis keinen Einfluss, diese seien Sache der Schule. Sie verwies auf die eine Verwaltungsvorschrift des Innenministerium, wonach ab dem fünften unentschuldigten Fehltag „grundsätzlich“ ein Verfahren einzuleiten sei. Daran habe sich der Kreis gehalten.Auf ein Wort