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Mehr Zeit für Fußgänger

Die Ampelphase an der S 34 soll für Passanten auf neun Sekunden erhöht werden. Das Ende eines langen Kampfes.

Von Maria Fricke
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Noch müssen die Roßweiner den Blindentaster betätigen, wenn sie nicht in fünf, sondern in neun Sekunden zwischen der alten Post und der Sparkasse die Straßenseite wechseln wollen. Ab Dezember soll sich das ändern.
Noch müssen die Roßweiner den Blindentaster betätigen, wenn sie nicht in fünf, sondern in neun Sekunden zwischen der alten Post und der Sparkasse die Straßenseite wechseln wollen. Ab Dezember soll sich das ändern. © Dietmar Thomas

Roßwein. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr lenkt ein. Es wird die Ampelschaltung an der S 34 ändern, nach mehreren Monaten Protest durch die Roßweiner.

Passanten, die derzeit an der Fußgängerampel zwischen der Sparkasse und der alten Post die Straßenseite in Roßwein wechseln, müssen schnell sein. Nur knapp fünf Sekunden haben sie Zeit, bis die Ampel wieder auf Rot umschaltet. Für Menschen, die zum Beispiel auf einen Rollator, Rollstuhl oder Stöcke angewiesen sind, kaum zu schaffen. Aus diesem Grund hatte sich die Stadtverwaltung an das zuständige Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gewandt.

Nach langem Ringen und viel öffentlichem Interesse mit Berichten in dieser Zeitung gibt es in dieser Hinsicht nun ein Einlenken der Behörde. „Am 25. Oktober fand ein Ortstermin mit dem Bürgermeister der Stadt Roßwein, der Straßenverkehrsbehörde und dem Lasuv statt. Das Ergebnis der Gespräche ist die generelle Erhöhung der Fußgängerfreigabezeit zwischen ehemaliger Post und Sparkassenfiliale auf neun Sekunden. Die Umsetzung ist für Dezember 2019 geplant“, teilte Isabel Pfeiffer, die Sprecherin des Lasuv, auf Anfrage des Döbelner Anzeigers mit. Die Behörde rechnet für die Änderung mit Kosten in Höhe von rund 5 000 Euro, so Pfeiffer.

Roßwein Bürgermeister Veit Lindner (parteilos) bestätigte, dass es am 25. Oktober noch einmal ein Treffen mit allen Beteiligten vor Ort gegeben hat. „Dort wurde die Lage besichtigt und die Zeit im beidseitigen Einvernehmen festgelegt“, sagte Veit Lindner. „Wir begrüßen die Änderung und damit die Schaltzeit von neun Sekunden. Wir denken, diese Zeit dürfte ausreichend sein und freuen uns über die nun schnelle und unbürokratische Entscheidung des Lasuv“, so das Stadtoberhaupt weiter.

Ob die Lösung wirklich schnell kam, ist sicher Ansichtssache. Aufgekocht ist das Thema Mitte 2017 mit der Freischaltung der Ampeln. Schon bei einem damaligen Rundgang habe der Behindertenbeirat darauf aufmerksam gemacht, dass die Ampelschaltung zu kurz sei, sagte Kerstin Bauer, eine der Vorsitzenden des Beirates. „Man hat uns damals kein Gehör geschenkt und war zu keiner Änderung bereit.“ Im September 2019 kochte das Thema wieder hoch und der Döbelner Anzeiger berichtet darüber. Ältere Einwohner seien an ihn herangetreten und hätten bemängelt, dass die Grünphase für das Überqueren der Straße zu kurz sei. Auch der Stadtrat Peter Krause (Die Linke) sowie Landtagsabgeordneter Henning Homann (SPD) nahmen sich der Sache an. Sie maßen die Schaltzeit, die derzeit bei knapp fünf Sekunden liegt.

Kurze Zeit später war das MDR in der Stadt, um über den Sachverhalt einen Beitrag zu drehen. Bei diesem ist deutlich geworden, dass die Ampelschaltung nicht ausreicht. „Es gab durchaus kritische Situationen, in denen Fußgänger noch auf der Straße waren, als die Autos relativ schnell da waren“, schilderte Kerstin Bauer. Am 7. Oktober gab es zudem einen Vor-Ort-Termin mit der Präsidentin des Lasuv, Vertretern der Stadt, des Stadt- und Behindertenbeirates sowie dem Landtagsabgeordneten Henning Homann (SPD) zum schrägen Gehweg an der Döbelner Straße. Auch dabei wurde über die Schaltung gesprochen. Eine Lösung war da noch nicht in Sicht.

Selbst die Zwischenzeit, die gilt, wenn die Ampel bereits auf Rot ist, reiche nicht aus, um sicher auf die andere Straßenseite zu gelangen, sagte Peter Krause. Er selbst habe es am vergangenen Freitag zum Verkaufsabend in Roßwein getestet. Zehn Sekunden Zeit sollten nach dem Rot für die Fußgänger noch bleiben, um sicher auf dem Gehweg anzukommen. „Ich war einen Meter vor dem Bordstein, da starteten die Autos schon“, sagt Krause.

Noch im September hatte sich das Lasuv gegen eine Änderung der Zeit ausgesprochen. „Eine generelle Erhöhung der Fußgänger-Freigabezeit hat negative Auswirkungen auf die Freigabezeit der Kfz-Signalgruppen sowie die Koordinierung der Teilknotenpunkte“, sagte Isabel Pfeiffer auf eine damalige Anfrage. Wer mehr Zeit benötige, der solle den Blindentaster an der Ampel nutzen. Durch dessen Betätigung steigt die Grünphase auch jetzt schon auf neun Sekunden an. Dies soll nun dauerhaft für alle Passanten so sein. Der Blindentaster gibt dann nur noch lediglich ein akustisches Signal ab. Eine nochmals verlängerte Grünphase gibt es dann nicht mehr.

Peter Krause freut diese Entwicklung, trotzdem will er erst einmal abwarten. „Das klingt für den Moment erst einmal gut. Vier Sekunden mehr, das ist eine realistische Zeit. Aber wir werden uns das noch einmal ansehen, wenn die Ampel umgestaltet ist“, sagte Peter Krause.

Auch Henning Homann begrüßt den Schritt, den das Lasuv nun geht. „Den gefundenen Kompromiss mit dem Lasuv halte ich für vernünftig. Mit der verlängerten Grünphase wurde nach dem Fußgängerblinki eine nächste wichtige Verbesserung erreicht. Ich bin froh, dass es der Stadt, dem Behindertenbeirat und mir gemeinsam gelungen ist.“

Die Fußgängerampel ist nur eine von vielen Baustellen, die zurzeit am neuen Innenstadtring in Roßwein bearbeitet wird. Vom Behindertenbeirat ebenfalls seit der Freigabe der Straße im Sommer 2017 kritisiert wird der Gehweg an der Döbelner Straße. Erfolgreich für eine Veränderung gekämpft worden ist bereits an der Ampel Ecke alte Post/Gesundheitszentrum. Dort ist nach Kritik ein Schutzblinker angebracht worden. Auch diesen hielt das zuständige Lasuv lange Zeit für überflüssig. Nun also die verlängerte Grünphase.

Bleibt nun abzuwarten, wie die Kraftfahrer auf die neue Schaltung reagieren werden. Denn diese müssen dann in Zukunft vier Sekunden länger bei Rot warten.

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