merken
PLUS

Mehr Zeit für Zuwendung

Seit Januar gibt es drei Alltagsgestalterinnen im Elstraer Seniorenzentrum. Dank neuem Pflegegesetz.

© René Plaul

Von Manuela Reuß

Anzeige
Auf den Spuren des „Weißen Goldes"

Erhalten Sie am 23.11. exklusive Einblicke in die Meissner Porzellanwelt. Jetzt zwei Tickets zum Preis von einem sichern!

Dora Wolf turnt. Das macht die 90-Jährige im Sitzen und mit großer Begeisterung. Gemeinsam mit einem Dutzend Heimbewohner im Halbrund. Alltagsgestalterin Birgit Stöber gibt als Vorturnerin die Kommandos: „Wir strecken unsere Arme nach vorn und wackeln mit den Fingern.“ Die Senioren lassen ihre Finger zappeln. Plötzlich fängt Dora Wolf an, zu rezitieren: „Zehn kleine Zappelmänner zappeln hin und her. Zehn kleinen Zappelmännern fällt das gar nicht schwer.“ Alle vier Verse trägt die ehemalige Erzieherin fehlerfrei vor. Mit tanzenden Fingern und hingebungsvoller Betonung. Ihre Mitbewohner stimmen ein, machen begeistert mit. So wie bei jeder Übung, die Birgit Stöber bildlich erklärt. Zum Beispiel beim Stampfen mit den Füßen („Damit die Heimleiterin auch hört, dass wir da sind“) oder beim Mahlen der fiktiven Kaffeebohnen („Riechen Sie den Kaffee schon?“).

Zusätzliche Betreuungskräfte

Die Heimbewohner haben Spaß. Nicht nur beim Sport, sondern auch beim Gedächtnistraining, Singen oder Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel. Für Abwechslung ist gesorgt. Jeden Tag steht im Elstraer Seniorenzentrum eine andere Beschäftigung auf dem Plan. Von Montag bis Sonnabend. Vormittags und Nachmittags.

Bis Ende vorigen Jahres war das noch nicht so. Da gab es montags bis freitags nur eine Beschäftigung pro Tag. Mehr war für eine Alltagsgestalterin nicht zu schaffen, erzählt Heimleiterin Daniela Gnauck. Inzwischen gibt es drei Alltagsgestalter im Haus. Möglich macht dies das sogenannte Pflegestärkungsgesetz, welches mehr Geld für verschiedene Leistungen bereitstellt. Unter anderem sei der Personalschlüssel für zusätzliche Betreuungskräfte angepasst worden. Bisher finanzierte die Pflegekasse eine solche Kraft für 24 Pflegebedürftige. „Wir haben 44 Bewohner, hätten also erst ab 48 eine zweite Alltagsgestalterin einstellen können“, resümiert die Heimleiterin. Nun sei der Personalschlüssel auf 20 gesunken. Mit drei zusätzlichen Betreuungskräften sei man jetzt sogar recht komfortabel besetzt. „Wir wussten ja, dass das Gesetz rauskommt“, erklärt die Heimleiterin. Deshalb habe sich die Geschäftsführerin der Westlausitz Pflegeheim & Kurzzeitpflege gGmbH, zu der das Elstraer Seniorenzentrum gehört, rechtzeitig darum gekümmert, entsprechend ausgebildete Mitarbeiter zu finden, erzählt Daniela Gnauck. Denn seit diesem Jahr würden nicht mehr nur an Demenz Erkrankte in den Genuss zusätzlicher Betreuung und Aktivierung kommen, sondern alle Heimbewohner.

Tägliche Beschäftigungsangebote

Diese Entwicklung passt genau in die Betreuungsphilosophie der Heimleitung. Schließlich wird das Elstraer Seniorenzentrum nach der Eden-Alternative geführt. Deren Grundannahme besagt, dass Einsamkeit, Hilflosigkeit und Langeweile für den Großteil der Leiden älterer Menschen in Pflegeheimen und ähnlichen Einrichtungen verantwortlich seien. Deshalb sorgt das Team von Daniela Gnauck für allerlei Abwechslung. Neben den täglichen Beschäftigungsangeboten gibt es noch einen monatlichen Veranstaltungsplan mit tollen Höhepunkten. In Januar war das beispielsweise der Tanztee, im Februar wird der Fasching das besondere Extra sein. Und nicht zuletzt organisiert jeder Mitarbeiter – von der technischen Kraft bis zur Heimleiterin – zusätzlich noch Events im Rahmen der Eden-Alternative. Jeden Monat gibt es ein solches Schmankerl. „Mitunter haben sich zwei, drei Kollegen dafür zusammengetan.“ Im Februar ist beispielsweise eine Wellnessbadewoche – mit Obstkorb, Sekt und Kerzenschein – geplant. Hintergrund der Aktion: „Unsere Bewohner sollen sich einmal wie in einer Wellnessoase fühlen.“

Daniela Gnauck ist froh, dass jetzt drei Alltagsgestalterinnen im Haus sind. Denn nun können nicht nur mehr Beschäftigungen angeboten werden, sondern vor allem auch individuellere. Beispielsweise werden an Demenz Erkrankte extra betreut und es gibt auch spezielle Angebote für bettlägerige Bewohner. Gerade Letztere bräuchten eine Eins-zu-Eins-Betreuung, für die bisher zu wenig Zeit blieb.