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Mehr Zille und neue Projekte im Heimatmuseum

Das Radeburger Haus präsentiert sich seit gut einem Jahr nicht nur saniert und mit neuem Konzept. Auch neues Personal sorgt für frischen Wind.

Von Sven Görner
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Robert Rösler, Leiter des Heimatmuseums Radeburg, mit einer im Vorjahr restaurierten Schützenuniform. An der derzeit noch freien Wand sollen künftig Objekte aus der umfangreichen Waffensammlung des Museums präsentiert werden.
Robert Rösler, Leiter des Heimatmuseums Radeburg, mit einer im Vorjahr restaurierten Schützenuniform. An der derzeit noch freien Wand sollen künftig Objekte aus der umfangreichen Waffensammlung des Museums präsentiert werden. © Norbert Millauer

Radeburg. Als das Radeburger Heimatmuseum im Dezember 2018 nach über einem Jahr denkmalgerechter Sanierung wieder öffnete, war mancher Zille-Städter enttäuscht. Denn statt des nicht einmal zehn Jahre alten großzügigen Ausstellungsbereichs über den Pinsel-Heinrich war dem großen Sohn der Stadt nur noch ein deutlich kleineres Kabinett gewidmet. Und das war noch nicht mal ganz fertig.

Inzwischen zeigt sich allerdings, dass die in Zusammenarbeit mit der Landestelle für Museumswesen vorgenommene Neuausrichtung Erfolge bringt, ohne dass Zille dabei zu kurz kommt. Denn inhaltlich hat das neue Kabinett weit mehr zu bieten als das frühere.

 Seit dem Jahresende wird dort nun zudem in einer von der Großdittmannsdorfer Tischlerei Schrödel gefertigten Grafikvitrine auch der neue Schatz des Museums übersichtlich und sicher präsentiert: Druckgrafiken, Zeichnungen und Fotografien Zilles. Durch Ankauf und Schenkung aus dem Besitz von Professor Dr. Matthias Flügge hatte die Stadt den Sammlungsteil zu Heinrich Zille 2018 umfangreich erweitern können.

„Insgesamt hat das Museum über 200 Objekte zum 1858 in Radeburg geborenen Maler und Grafiker Heinrich Zille“, sagt Robert Rösler. „Neben originalen Grafiken und Drucken sind das Briefe und Autogrammkarten sowie Gegenstände zur Rezeption Zilles, wie Figuren, Gedenkmünzen, Briefmarken oder Plastiken.“ 

Der studierte Historiker ist seit März vergangenen Jahres neuer Leiter des Museums. Zuvor hatte der 40-Jährige drei Jahre in der Provenienzforschung der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek gearbeitet, sechs Jahre das Museum in Sebnitz geleitet und an der Neugestaltung der großen Dauerausstellung des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig mitgewirkt.

Archiv- und Museumsmitarbeiterin Magdalena Steinborn an der neuen Grafikvitrine, in der jetzt Originale Heinrich Zilles präsentiert werden.
Archiv- und Museumsmitarbeiterin Magdalena Steinborn an der neuen Grafikvitrine, in der jetzt Originale Heinrich Zilles präsentiert werden. © Norbert Millauer

In Radeburg gehören zu seinen Aufgaben im Rahmen eines vom Dresdner Heidebogen geförderten Projekts unter anderem die weitere Umsetzung des Museumskonzepts, der Ausbau der Museumspädagogik, der Aufbau einer Datenbank und die Digitalisierung. Immerhin umfasst der Museumsfundus rund 5.500 Exponate.

Der Großteil der Bestände soll dabei künftig Eingang ins Archiv finden. Da ist es durchaus sinnvoll, dass Magdalena Steinborn als zweite Neue sowohl im Archiv als auch im benachbarten Museum arbeitet.

„Mit der Bestandserfassung sollen im System auch der Zustand der Exponate und eventuell notwendige Restaurierungen festgehalten werden“, sagt Robert Rösler. Im vergangenen Jahr waren das beispielsweise Teile der Sammlung Archäologie, Taufschalen, Zille-Blätter und eine Schützenuniform. Ein Teil dieser Objekte ist nun im neuen Ausstellungsteil „Kirche & Glaube“ zu sehen, in dem auch wertvolle Leihgaben der Ev.-Luth. Kirchgemeinde Radeburg gezeigt werden.

„Auch in diesem Jahr werden die Stadt und die Sächsischen Landesstelle für Museumswesen eng zusammenarbeiten, um einen weiteren Ausstellungsteil umzusetzen“, verrät der Museumsleiter.

„Dieser befasst sich mit der umfangreichen Waffensammlung des Museums, die wir im Rahmen der Ausstellung zur 1226 gegründeten Radeburger Schützengesellschaft präsentieren werden. Er soll die Verwendung von Waffen im Rahmen des Schützenwesens in Radeburg und im Sachsen der vergangenen drei Jahrhunderte abbilden.“ Dafür sind auch weitere Restaurierungen erforderlich, weshalb Spenden willkommen sind.

Sehr hilfreich, so Robert Rösler, sei, dass seine Vorgängerin, Kerstin Hartmann, immer noch einige Stunden im Museum arbeite. „Sie kennt die Sammlung aus dem Effeff und kann so viele Tipps und Hinweise zu Objekten geben.“ Dankbar ist der Museumsmann auch für die gute Unterstützung und die Wertschätzung durch die Stadt. „Das ist nicht überall so.“

Die neu konzipierte Ausstellung des Museums ist indes nur ein Grund dafür, dass im Vorjahr 1.798 Besucher begrüßt werden konnten. Zum Vergleich: Im überdurchschnittlichen Jahr 2015 waren es 1.100 gewesen.  Beigetragen zum guten Vorjahresergebnis  haben auch vier Sonderausstellungen – zwei im Zusammenhang mit dem erstmals vergebenen Zille-Karikaturenpreis, eine über das Sporturgestein Armin Zosel und eine zur Narrenpolizei des RCC.

Erstmals wurde im Juli ein „Zille-Café“ im neu geschaffenen Mehrzweckraum veranstaltet. Das Thema waren Wendeerlebnisse. Der Museumschef würde daraus gern eine quartalsweise stattfindende Veranstaltung in Form einer lockeren Gesprächsrunde werden lassen.

Für dieses Jahr sind unter anderem erneut vier Sonderausstellungen geplant – die erste mit Arbeiten des 2. Zille-Karikaturenpreises läuft bereits –, zudem ein museumspädagogisches Programm anlässlich 125 Jahre Zille-Schule und der Aufbau einer Hörstation. Diese soll Michael Rom gewidmet sein.

„Der war in den 1980er-Jahren nicht nur Leiter des Museums, sondern auch Mitglied der Punkgruppe Zwitschermaschine und hat Gedichte geschrieben“, so Robert Rösler.

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