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Mehr Bunt im Regenbogenhaus

Zwei Jahre war das Mehrgenerationenhaus in Freital eine Baustelle. Nun ist alles fertig. Doch es gibt noch ein Problem.

Katrin Hollube leitet das Regenbogenhaus, welches nach Sanierung, Umbau und Corona nun wieder öffnet.
Katrin Hollube leitet das Regenbogenhaus, welches nach Sanierung, Umbau und Corona nun wieder öffnet. © Egbert Kamprath

Im Eltern-Kind-Treff riecht es nach frischer Farbe. Bunt ist es hier tatsächlich. Auf dem Boden liegen flauschige Teppiche mit farbigen Karomustern, ein rotes Bobbycar steht mitten im Raum und das Spielzeughaus lädt mit blauen Decken zum Kuscheln und Verstecken ein. "Schön ist es geworden, das hat man sich ja vor einem Dreivierteljahr gar nicht vorstellen können", freut sich Katrin Hollube, die Leiterin des Freitaler Mehrgenerationenhauses Regenbogen.

Viele Monate sah es im Regenbogenhaus eher staubgrau aus - typisch Baustelle eben. Während der Innensanierung wurde das gesamte Gebäude vom Keller bis zum Dachgeschoss erneuert. Ein Jahr zuvor hatte das Haus an der Poststraße im Stadtteil Deuben bereits ein neues Dach und eine frische Fassade erhalten. Insgesamt flossen um die 840.000 Euro in das Sanierungsprojekt - finanziert vom Verein mithilfe von Fördermitteln. Unterstützung kam auch vom Landkreis und der Stadt Freital.

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"Was hast du zu essen mit, Mama?"
"Was hast du zu essen mit, Mama?"

Kaum sind die ersten Meter zurückgelegt, ertönt lautstark diese Frage. Denn so schön das Wandern ist, ohne Picknick ist der Spaß nur halb so groß.

Seit Oktober 2019 wurde im Haus gebaut. Bei vollem Betrieb wurden die Heizungsanlage modernisiert, die gesamte Elektrik neu installiert, Türen überarbeitet, der Brandschutz erneuert und schließlich jeder Raum und alle Flure frisch gemalert. "Das war anstrengend für uns, aber wir hatten hervorragende Handwerker, die sich gut an unsere Bedürfnisse und Termine angepasst haben", berichtet Hollube. Kaum eine Veranstaltung habe ausfallen müssen. Im Erdgeschoss gibt es nun behindertengerechte Sanitäranlagen, dank des bereits 2018 eingebauten Treppenlifts gilt das Mehrgenerationenhaus zumindest in der untersten Etage nun als barrierefrei. Dort wurde auch ein Empfangsbüro als ersten Anlaufpunkt für alle Gäste eingerichtet.

Nicht nur außen, sondern auch innen wie neu: Das Regenbogenhaus an der Poststraße wurde in zweijähriger Bauzeit komplett saniert.
Nicht nur außen, sondern auch innen wie neu: Das Regenbogenhaus an der Poststraße wurde in zweijähriger Bauzeit komplett saniert. © Egbert Kamprath

Jahrelang war das Haus ein Sanierungsfall. Seit 1995, als der Regenbogen-Verein hier einzog, wurde nur das notwendigste repariert. Errichtet wurde es Ende des 19. Jahrhunderts als Haushaltschule für junge Frauen. Gestiftet hatte es der gebürtige Deubener Traugott Leberecht Krönert, weshalb das Haus als Krönert-Stift bezeichnet wurde. Krönert selbst war bei der Eröffnung 1892 bereits verstorben - in der Schweiz. Dorthin war er als junger Mann während politischer Unruhen 1849 geflüchtet. Die großzügig erbaute und für damalige Verhältnisse modern ausgestattete Frauenfachschule erlangte unter anderem für die Ausbildung von Berufen wie Kindergärtnerin, Säuglingsschwester, Wohlfahrtspflegerin und Diätassistentin Bedeutung. Nach dem Zweiten Weltkrieg dient das Gebäude unter anderem als Feierabendheim und als Bestandteil des Rehabilitationswesens.

Katrin Hollube und ihre Mitarbeiter führen nun das gesellschaftliche Engagement Krönerts fort. "Wir sind ein offenes Haus, wo jeder mit seinem Anliegen willkommen ist", umschreibt es Katrin Hollube. Es gibt hier viele Freizeitangebote, Unterstützung bei allen erdenklichen Sorgen und Problemen, Beratungen für Familien und Senioren. Im Haus untergebracht ist ein offener Kinder- und Jugendtreff und das Café, welches täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet ist. "Da kann jeder kommen, der Kontakte sucht, einfach mal schwatzen will oder Lust auf neue Bekanntschaften hat", erklärt Hollube. Und wer wenig Geld hat, muss sich keine Sorgen machen - im Café gibt es keine Verzehrpflicht.  

Saozialarbeiterin Martina Siegert rückt die Stühle im Café zurecht. Hier ist der Dreh- und Angelpunkt des Vereins.
Saozialarbeiterin Martina Siegert rückt die Stühle im Café zurecht. Hier ist der Dreh- und Angelpunkt des Vereins. © Egbert Kamprath

Viel Wert legt man im Regenbogenhaus auf das Thema Alltagshilfe. Ob Bewerbungsschreiben, das Abarbeiten von schwer verständlicher Behördenpost, ob Hilfe bei der Pflege von Angehörigen und beim Einkaufen - wer Unterstützung braucht, bekommt sie hier garantiert. Beim Verein arbeiten fast 70 Ehrenamtler mit, die gerne bereit sind, einzuspringen. "Speziell in der Corona-Zeit sind auch viele neue Leute zu uns gestoßen und haben solche Aufgaben übernommen", berichtet Mitarbeiterin Martina Siegert. Sowohl für den Verein als auch für die Ehrenamtlichen ist das eine sogenannte Win-Win-Situation. "Wir können damit unser breites Angebot abdecken und die Ehrenamtler haben die Möglichkeit, sich einzubringen", erklärt Siegert. Denn viele der freiwilligen Helfer - oft Langzeitarbeitslose - haben über den Verein wieder Anschluss gefunden, Selbstvertrauen getankt, Rhythmus und Struktur in ihr Leben gebracht. Siegert: "Das sind ganz wichtige Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt."

Im Keller des Hauses ist nun mehr Platz und eine zweite Kreativwerkstatt entstanden.
Im Keller des Hauses ist nun mehr Platz und eine zweite Kreativwerkstatt entstanden. © Egbert Kamprath

Darüber hinaus gibt es im Regenbogenhaus Eltern-Kind-Treffs, Seniorennachmittage und Kreativangebote. Vier bis fünf regelmäßige Treffs und Kurse stehen täglich im Veranstaltungsplan. Dazu kommt meistens noch eine zusätzliche Veranstaltung pro Tag oder Abend, zum Beispiel Vorträge. Wenn alles normal läuft.

Doch derzeit läuft nichts normal - wegen der Corona-Pandemie. Nun muss man auch bei Betreten des Regenbogenhauses erst mal die Hände desinfizieren, in den Gängen einen Mundschutz tragen und auf die Abstandsregeln achten. Seit März war das Haus komplett geschlossen, ausgerechnet zu einer Zeit, als nach der langen Bauphase und einer zweimonatigen Schließzeit alles wieder anlaufen sollten. "Wir hatten viel geplant und schon jede Menge Vorbereitungszeit investiert", ärgert sich Katrin Hollube im Nachhinein noch ein bisschen.

Jetzt wolle man nach vorne schauen und ganz allmählich den Betrieb wieder hochfahren. So öffnen der Kinder- und Jugendtreff und die Hausaufgabenunterstützung wieder. Allerdings muss man sich dafür im Voraus telefonisch anmelden. Über dem Ferienplan sitzen Hollube und ihr Team auch schon - es gilt, Alternativen für das Sommerferiencamp zu finden. Das muss leider coronabedingt ausfallen, dafür möchte man spannende Angebote im Haus machen. Genügend Platz und neue Möglichkeiten hat man nach der Sanierung - und die Motivation beim Team ist nach der langen Bauzeit groß.

www.regenbogen-freital.de

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