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Maskenpflicht bleibt - das müssen Sie wissen

Die Diskussion über das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes ist neu entflammt. Die Gesundheitsminister lehnen es ab, die Regel zu kippen. Was Experten sagen.

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt inzwischen öffentlich mit Maske auf.
Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel tritt inzwischen öffentlich mit Maske auf. © dpa/Wolfgang Kumm

Von Patrick Eickemeier, Georg Ismar und Thorsten Mumme

Im Kampf gegen die Corona-Krise wird die Maskenpflicht in Deutschland vorerst weiter gelten - auch im Einzelhandel. Das haben die 16 Gesundheitsminister der Länder am Montag vereinbart, wie die Deutsche Presse-Agentur nach einer Schaltkonferenz der Länderressortchefs mit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) aus Teilnehmerkreisen erfuhr.

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Zur Begründung hieß es, es dürfe nicht der falsche Eindruck entstehen, die Pandemie sei vorbei. Zuvor hatte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einer Aufhebung der Maskenpflicht in Geschäften eine klare Absage erteilt - mit Unterstützung der Parteiführungen von CDU, CSU und SPD.

Die Politiker waren aufgrund des Landwirtschaftsministers Mecklenburg-Vorpommerns unter Zugzwang geraten. Harry Glawe dürfte vielen Bürgern außerhalb seines Bundeslandes bisher kein Begriff gewesen sein. Nun hat der CDU-Politiker es geschafft, die Bundespolitik bis hin zur Kanzlerin auf den Plan zu rufen. 

Glawe hatte der Zeitung Welt am Sonntag gesagt, wenn das Infektionsgeschehen im Norden so gering bleibe, sehe er keinen Grund, länger an der Maskenpflicht im Handel festzuhalten. Kurz danach wurde er von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) zurückgepfiffen. Die öffentliche Diskussion konnte sie jedoch nicht mehr einfangen.

Warum ist das Thema Maske politisch gerade so brisant?

Seit vergangener Woche trägt plötzlich auch Angela Merkel in der Öffentlichkeit Maske. Die Botschaft ist klar: Kampf den Maskenmuffeln – denn das Virus ist nicht weg. Im CDU-Präsidium befürchtete man am Montag, dass es wegen eines zu sorglosen Umgangs mit dem Coronavirus zu einer zweiten Infektionswelle kommen könnte. Gerade an den Ostseestränden lässt sich gut studieren, dass für viele Bürger die Pandemie abgehakt ist.

 Die Spitzen von CDU, CSU und SPD und zahlreiche Ministerpräsidenten betonen daher unisono: Die Maskenpflicht bleibt – sie dürfte übrigens auch für Fußball-Bundesligaspiele gelten, sollte im Herbst entschieden werden, dass wieder einige Zehntausend Zuschauer – mit Abstand – in die Stadien dürfen. Auch das Staatsunternehmen Deutsche Bahn hat angekündigt in den kommenden Wochen mehr als 300.000 Schutzmasken kostenlos zu verteilen.

Wo im öffentlichen Leben der Mindestabstand nicht eingehalten werden könne, seien Masken weiterhin ein „unverzichtbares Mittel“, ließ Merkel am Montag Regierungssprecher Steffen Seibert mitteilen. Dies sei die „klare Haltung“ der gesamten Bundesregierung. Merkel hatte erstmals am 6. April nach einer Bund/Länder-Konferenz den Wandel beim Thema Maske erörtert. 

„Jetzt wandelt sich auch die Meinung der Experten, und der werden wir uns natürlich nicht entgegenstellen“, sagte sie damals.Durch die Abgabe der Verantwortung für die Maßnahmen an die Länder droht ein Flickenteppich. Sinnvoll wäre, dass sich gerade bei dieser heiklen Frage, solange es noch keinen Impfstoff gibt, Bund und Länder auf eine Linie verständigen.

Welche Forderungen stellt der Handel?

Aus der Einzelhandelsbranche ist seit Wochen zu hören, dass Masken die Geschäfte bremsen. „Die Maskenpflicht hemmt die Shoppinglust bei vielen Kundinnen und Kunden, Einkaufsbummel und Spontankäufe haben es schwer“, heißt es dazu beim Handelsverband Deutschland (HDE). Eine Lockerung der Verordnung fordert der Verband dennoch nicht direkt. Die Maskenpflicht solle nur fallen, „sobald dies gesundheitspolitisch vernünftig erscheint“. Die Entscheidung, wann und wo das geschieht müssten aber „Politik und Medizin“ fällen.

Inwieweit Umsatzeinbußen auf die Maskenpflicht zurückzuführen sind, lässt sich bislang nicht beziffern. Eine Umfrage des Handelsforschungsinstituts IFH in Köln untermauert allerdings die Annahmen des HDE. Rund die Hälfte der Befragten gab an, ohne die Maskenpflicht mehr Lust am stationären Einkauf zu haben und vermehrt in Geschäften zu stöbern. Ein Drittel gab zudem an, ohne die Maskenpflicht mehr Produkte zu kaufen. 27 Prozent haben demnach sogar seit Ende des Lockdowns noch gar kein Geschäft besucht.

Diese Entwicklung trifft allerdings nicht alle Branchen gleichermaßen. Insgesamt lagen die Umsätze des Einzelhandels im Mai sogar knapp vier Prozent höher als vor Jahresfrist. Lebensmittel-, Online- und Möbel- sowie Großgerätehandel profitierten überdurchschnittlich. Dafür steckt der Handel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen sowie Kaufhäuser noch tief in der CoronaKrise und setzte im Mai 2020 deutlich über acht Prozent weniger um als 2019 im selben Zeitraum.

Was bringen Masken bei der Einschränkung der Corona-Pandemie?

Die Kurzformel der Bundesregierung zur Eindämmung der Corona-Epidemie im Alltag lautet: AHA – Abstand, Hygiene und Alltagsmasken. Diese einfachen Maßnahmen haben über den bundesweiten Lockdown hinaus dazu beigetragen, das Infektionsgeschehen mittlerweile auf vereinzelte Ausbrüche zu beschränken. Hinzu kommt die wohl wichtigste Maßnahme für den nationalen Infektionsschutz: die Isolierung von nachweislich Erkrankten. Für alle anderen gelten Händehygiene, Husten- und Niesetikette und das Abstandhalten von mindestens 1,5 Metern als die effektivsten Ansteckungsbremsen. Aber auch Masken leisten einen Beitrag. Das Robert Koch-Institut empfiehlt Mund-Nasen-Bedeckungen insbesondere in Situationen, in denen „mehrere Menschen in geschlossenen Räumen zusammentreffen“ und es schwierig sei, den Mindestabstand einzuhalten: in Geschäften, öffentlichen Verkehrsmitteln und bei der Arbeit.

Welche Art von Maskenhelfen gegen was?

Generell können Masken als physische Barriere Viren stoppen, indem sie etwa die meisten Tröpfchen aufhalten, die beim Husten, Niesen oder Sprechen abgegeben werden. Entscheidend ist die Größe der Tröpfchen und die Porengröße des Maskenmaterials. Beim Husten ausgestoßene Tröpfchen sind meist größer als ein Hundertstel Millimeter. Beim Atmen stoßen Menschen jedoch auch Tausende Tröpfchen von weniger als einem Tausendstel Millimeter Größe aus, die Stoffe durchdringen können. 

Diese Tröpfchen sind immer noch groß genug, um Virenpartikel zu enthalten. Masken schützen ihre Träger aber auch vor Schmierinfektionen der Schleimhäute in Mund und Nase durch die Hände, die mit infektiösen Virenpartikeln verschmutzt sein können.Masken zum Selbstschutz, etwa FFP-Masken, die die eingeatmete Luft filtern, sind für medizinisches Personal vorgesehen, die Erkrankte pflegen und behandeln. Es ist von gesamtgesellschaftlichem Interesse, das medizinische Personal bestmöglich zu schützen. Für die Bevölkerung hält das RKI das Tragen einfacher Mund-Nasen-Bedeckungen für ausreichend.

Warum ist die Gefahr in geschlossenen Räumen so hoch?

An der frischen Luft ist die Ansteckungsgefahr gering, da es leichter ist, Abstand zu anderen Personen zu halten und da die Konzentration von Aerosolen, die Virenpartikel enthalten können, gegen null geht. In geschlossenen Räumen sind weder der Abstand zu anderen Menschen noch eine ausreichende Belüftung immer gegeben. Dadurch erhöht sich die Infektionsgefahr. 

Wie hoch die Gefahr ist, hängt auch davon ab, wie beengt die Verhältnisse sind und welchen Aktivitäten die anwesenden Personen nachgehen.In der Covid-19-Epidemie sind verschiedene Superspreading-Events verlässlich dokumentiert, bei denen sich eine größere Zahl Anwesender ansteckte. Dazu gehören Chorproben, Gottesdienste, Konzerte und Karnevalsveranstaltungen. Diese Veranstaltungen haben vieles gemeinsam, was Tröpfcheninfektionen begünstigt: geringer Personenabstand, lautes Sprechen oder Singen und körperliche Aktivitäten wie Tanzen, die zu schnellem Atmen führen.

Welche Rolle spielen Aerosole bei der Infektion?

Für die Weltgesundheitsorganisation ist die Lage klar: Das Virus Sars-CoV-2 wird mit Tröpfchen von hustenden, niesenden oder sprechenden Personen auf andere übertragen, die diese Tröpfchen einatmen. Diese seien jedoch so schwer, dass sie schnell zu Boden sinken. Abstandhalten schützt, solange man die Tröpfchen nicht mit den Händen von Oberflächen aufnimmt und mit Mund oder Nase in Kontakt bringt.

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