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Dresden: Wo wird der Einkauf billiger?

Ab 1. Juli zahlt der Handel weniger Mehrwertsteuer. Welche Geschäfte das an die Dresdner weitergeben und welche Kritik es von den Händlern gibt.

Vor allem große Supermarktketten geben die Steuersenkung an Kunden weiter. Für kleinere Händler ist dagegen teilweise schon der Aufwand zu groß.
Vor allem große Supermarktketten geben die Steuersenkung an Kunden weiter. Für kleinere Händler ist dagegen teilweise schon der Aufwand zu groß. © dpa/Oliver Berg

Dresden. Die Coronakrise hat Dresden hart getroffen. Viele Branchen hatten durch die Schließungen gar keinen Umsatz, viele Dresdner waren oder sind in Kurzarbeit und haben weniger Geld zur Verfügung. Ab dem 1. Juli soll nun, um die Konjunktur anzukurbeln, die Mehrwertsteuer um drei Prozentpunkte sinken - von 19 auf 16 Prozent. Auch der ermäßigte Mehrwertsteuersatz wird gesenkt: von sieben auf fünf Prozent. Doch wirkt sich das auch für die Dresdner beim Einkaufen im Geldbeutel aus?

In den meisten großen Supermarktketten sollen sie ab Juli preiswerter einkaufen können. Netto will ab 29.Juni die Preise senken und das direkt am Regal angeben.  In der aktuellen Situation sollen damit Verbraucher entlastet und das Konsumklima in Deutschland gestärkt werden.  Das Unternehmen betont aber auch, dass mit dem Regierungsbeschluss für die Mitarbeiter allerdings auch erhebliche Mehrbelastungen verbunden seien. "Insbesondere bei der Artikelpflege und Preisauszeichnung in den Regalen", so das Unternehmen.  

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Auch der Discounter Aldi will die "Kostenvorteile an die Kunden weitergeben". Was das genau heißt, bleibt aber unklar. "Bitte haben Sie Verständnis dafür,
dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt zu unseren Plänen noch nicht im
Detail äußern möchten", so das Unternehmen.

Lidl will ab sofort die Preise senken, antwortet das Unternehmen auf SZ-Anfrage. Die Preissenkung erfolge direkt an den Artikeln am Regal und sei für die Kunden über das jeweilige rote Preisschild in der Filiale nachvollziehbar. Auch bei den Produkten im Onlineshop hat Lidl die Mehrwertsteuer gesenkt. Ausgenommen von der Preissenkung sind Tabakwaren, Zeitschriften, Babynahrung, Bücher, Pfand, Getränke aus Heißgetränkeautomaten, Telefon- und Geschenkkarten sowie Vermittlungsgeschäfte wie lidl-blumen.de, lidl-fotos.de oder lidl-reisen.de. 

Abzug direkt an der Kasse

Vor allem Kunden großer Ketten werden also von der Steuersenkung profitieren. Auch das saarländische Unternehmen Globus, das in Deutschland 47 Warenhäuser und davon eines im Dresdner Norden betreibt, bietet seine Produkte preiswerter an. Und das schon ab kommendem Montag. "Den entsprechenden Rabatt auf alle Preise am Regal und im Faltblatt gibt Globus direkt beim Bezahlvorgang an der Kasse an seine Kunden weiter", teilt das Unternehmen mit. Die Rabatte würden vollständig und bis zum 31. Dezember dieses Jahres gelten, so Jochen Baab, Sprecher der Geschäftsführung Globus SB-Warenhaus. Die Preissenkung weist Globus auf dem Kassenbon für jeden Einkauf einzeln aus.

Globus habe sich ganz bewusst dafür entschieden, die veränderten Preise nicht am Regal auszuweisen, sondern den geringeren Mehrwertsteuersatz direkt an der Kasse abzuziehen. "Wir handeln im Sinne unserer Mitarbeiter und der Umwelt, wenn wir für die Zeitspanne von sechs Monaten nicht jedes unserer mehr als 100.000 Preisschilder pro Markt händisch austauschen, sondern den Rabatt direkt beim Kassieren abziehen", so Jochen Baab weiter. Dadurch werde Papiermüll und Aufwand für die Mitarbeiter gespart.

Dresdner Einzelhändler: "Großer Aufwand"

Genau dieser zusätzliche Aufwand macht allerdings vielen Dresdner Einzelhändlern zu schaffen. Deshalb lässt auch Berit Heller in ihrem Unverpackt-Laden in der Neustadt die Preise unverändert. "Es wäre ein zu großer Aufwand jetzt alle Preise für ein halbes Jahr zu ändern", sagt sie. Was aber nicht bedeutet, dass Heller die Mehrwertsteuersenkung nicht weitergeben will. Ihre Kunden könnten an der Kasse entscheiden, ob sie die Differenz ausgezahlt bekommen oder dem Laden spenden. "Wir hatten natürlich durch die Schließung auch Umsatzeinbrüche", sagt sie.

Auch Brautmoden-Designer Uwe Herrmann, der seinen Laden am Wiener Platz hat, hält nicht viel von der Mehrwertsteuersenkung. "Es würde uns lokalen Händlern mehr helfen, wenn die Mehrwertsteuer für Amazon und Co. angehoben würde. Dann würden wieder mehr Kunden bei uns in Dresden in der Stadt kaufen anstatt nur online."

Etliche Händler haben bislang noch keine Lösung gefunden, wie sie mit der steuerlichen Senkung, die den Handel ja eigentlich unterstützen soll, umgehen werden. "Wir überlegen noch, wie wir das machen", sagt etwa Kevin Brüser vom Unverpacktladen "2Gut" in Löbtau. Auch Gordon Knabe, Centermanager im Elbepark, habe bislang noch keine Informationen von seinen Händlern, denn sie müssten sich erst auf die neue Situation einstellen. Offenbar gibt es bei diesem Thema viel Unsicherheit. 

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"Viele müssen Verluste ausgleichen"

Auch bei den Dresdner Bäckern wird es wohl keinen einheitliche Regelung geben. Elisabeth Kreuzkamm-Aumüller lässt in ihren Backhaus-Filialen die Preise, wie sie sind. "Wir haben durch Corona fast 500.000 Euro Umsatz weniger gemacht, da hilft uns die Senkung im Café-Bereich natürlich." Außerdem müsse sie sonst alle Preisschilder neu drucken lassen, das sei ein enormer Aufwand.

Manuale Lohse, Geschäftsführerin der Landesinnungsverbandes des sächsischen Bäckerhandwerks, bestätigt, dass es eine individuelle Entscheidung jedes Bäckers sei, ob er die Senkung an die Kunden weitergibt oder nicht. Dafür spreche der Verband auch keine Empfehlung aus. Es werde sicherlich beide Varianten geben, einige Bäcker nutzen die Senkung auch, um Werbung zu machen. 

Auf der einen Seite gebe es die politische Motivation, die Mehrwertsteuersenkung vorzunehmen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Andererseits müssten viele Bäckerbetriebe den Verlust ausgleichen, den die Corona-Krise im Umsatz mit sich gebracht habe. "Wir haben deshalb Verständnis, wenn die Senkung nicht 1:1 weitergereicht wird", sagt Manuela Lohse. 

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