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Mehrwertsteuer sinkt – was wird im Rödertal billiger?

Ab 1. Juli gelten für Autos, Fernseher oder Lebensmittel verminderte Sätze. Die SZ hat bei Händlern nachgefragt.

Ist das schon der reduzierte Preis? Händler gehen unterschiedlich mit der Senkung der Mehrwertsteuer um. Einige ändern die Schilder an Regalen andere mindern den Preis erst an der Kasse.
Ist das schon der reduzierte Preis? Händler gehen unterschiedlich mit der Senkung der Mehrwertsteuer um. Einige ändern die Schilder an Regalen andere mindern den Preis erst an der Kasse. © Robert Michael/dpa

Radeberg. Ab 1. Juli geht es offiziell runter mit der Mehrwertsteuer. Die Bundesregierung will die Wirtschaft ankurbeln und die Kauflaune der Kunden verbessern, deshalb senkt sie den Satz von 19 auf 16 Prozent. Wo schon der verminderte Steuersatz gilt, das ist etwa bei Obst, Gemüse, Milch, Fleisch- und Backwaren der Fall, schmilzt er von sieben auf fünf Prozent ab.Doch wie gehen die Händler damit um? Bleibt es beim bisherigen Endpreis und in den Geschäften wird die Spanne einbehalten um eventuelle Ausfälle während des Lockdowns auszugleichen? Die SZ hat sich im Rödertal umgehört.

Bei einem der größten Einzelhändler der Region, bei Edeka-Scheller in Radeberg, geht es mit den Preisen nach unten. „Wir geben die Steuersenkung im vollen Umfang weiter“, sagt Franziska Gleditsch, Mitarbeiterin der Geschäftsführung. Der reduzierte Satz gilt in dem Supermarkt nicht erst ab Mittwoch, als am 1. Juli, sondern schon ab Montag, den 29. Juni. Ab dem Tag werden die Preise an den Regalen neu ausgewiesen. „Jeder sieht so auf einen Blick, wie viel er bezahlen muss. Eine Umrechnung kann er sich ersparen.“ Für die Edeka-Mitarbeiter bedeutet das viel Arbeit. Sie kommen am Sonntag in die Filiale und ändern die Preisschilder. „Da müssen wir den Familienausflug an einem anderen Tag planen.“ 

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Stark bemerkbar macht sich die Steuersenkung bei großen Einkäufen. Etwa beim Autokauf. „Je nach dem, wie teuer das Wunschfahrzeug ist, sind da mehrere hundert Euro drin. Wer 30.000 Euro für seinen Wagen bezahlen würde, spart 900 Euro. Das ist schon eine ganze Menge“, sagt Peter Kunath von Automobile Radeberg, einem Händler, der Autos der Marken Kia und Opel anbietet. In dem Geschäft erfolgt der Preisnachlass quasi automatisch. „Wir stellen die Kasse auf den neuen Steuersatz um, dann rechnet sie jeden Posten mit dem neuen Satz.“ Autokäufer müssen nicht bis zum 1. Juli warten. „Jeder kann schon jetzt bei uns sein Auto bestellen. Bezahlt wird erst bei Lieferung und Übergabe. Das dauert ja meist einige Tage.“

Günstiger kommen auch alle Fahrzeugbesitzer, die ihren Wagen reparieren lassen wollen. Die Absenkung der Mehrwertsteuer gilt auch für Handwerksleistungen. „Diese Arbeiten werden ab dem 1. Juli zum verminderten Satz erledigt. Wer vorher seinen Wagen reparieren lassen möchte, bezahlt noch die bisherige Höhe." Peter Kunath hofft, dass jetzt viele Kunden zugreifen. „In der Zeit des Lockdowns haben sich die Käufer zurückgehalten. Vielleicht holen sie jetzt ihren Kauf nach und vielleicht setzt die Ersparnis bei der Mehrwertsteuer einen zusätzlichen Anreiz, bei allen, die  noch unentschlossen waren.“

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Einige Unternehmen reduzierten bereits im Juni die Preise. So gab es bei Multi-Möbel mit mehreren Geschäften im Landkreis, eins davon in Radeberg, sechs Prozent Rabatt. Dieser Nachlass stehe im Zusammenhang mit einer Rabatt-Aktion anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Unternehmens, sagt Geschäftsführer Tommy Fietze. Möglich sei sie, indem man mit den Lieferanten beim Einkauf zusätzliche Rabatte ausgehandelt habe. Fietze sieht den Handel „extrem unter Druck“. Die Steuersenkung könne eine Hilfe sein. Angesichts der Tatsache, dass viele in diesem Jahr ihren Urlaub wohl zu Hause verbringen werden, könnte die Möbelbranche nach seiner Einschätzung mit zu den Gewinnern gehören. „Die Leute wollen es sich zu Hause schön machen“, sagt er.

Runter mit den Preisen heißt es auch im Toom-Baumarkt am EKZ in Radeberg. „Wir geben die Steuersenkung komplett weiter“, sagt die stellvertretende Marktleiterin Beatrice Friede. Die Absenkung gilt bereits ab 26. Juni und für das gesamte Sortiment. An den Regalen werden die Kunden allerdings noch die bisherigen Preise sehen. „Die Prozente werden an der Kasse abgezogen. Dann fällt die Rechnung als günstiger aus als gedacht“, sagt sie. Sie rechnet damit, dass am Sonnabend schon einige Kunden mehr in ihren Markt kommen. „Bei größeren Anschaffungen sind es ja doch etliche Euro, die eingespart werden.“ Allerdings rechnet sie nicht mit einem großen Ansturm. „Die Ermäßigung gilt ja ein halbes Jahr lang. Da muss niemand gleich am ersten Tag loslaufen, wenn er nicht ohnehin etwas einkaufen wollte.“ Sie vermutet, dass das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr etwas üppiger ausfällt. Da werden wohl mehr größere Anschaffungen gemacht.

Im Elektronik-Fachmarkt Euronics XXL in Radeberg kommen Käufer schon jetzt in den Genuss der Preisminderung. „Wir ziehen ab sofort die drei Prozent Mehrwertsteuer ab und zwar auf den Cent genau“, sagt der stellvertretende Marktleiter Alexander Weder. Das führe zwar mitunter zu kuriosen Preisen, etwa 101,13 Euro, aber der Händler will die Ermäßigungen eins zu eins weitergeben. „Für uns bedeutet das auch, mehr Wechselgeld bereit zu halten. Denn kaum jemand bezahlt ja auf den Cent genau. Es sei denn, er hat seine EC-Karte dabei.“ An den Regalen sind noch die bisherigen Preise zu sehen, spätestens bis 1. Juli  ist  alles neu ausgezeichnet, sagt Alexander  Weder. (mit SZ/ir)

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