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Mehrwertsteuer sinkt: Was wird billiger?

Der Staat senkt für ein halbes Jahr die Verbrauchssteuer. Wo Kunden im Landkreis Bautzen jetzt sparen können - und wo nicht.

Parfüm bald billiger? Mirjam Moschke sortiert in der Filiale der Parfümerie Thiemann im Bautzener Kornmarktcenter die Warenauslage. Ab Juli gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. Viele Händler geben den Vorteil an die Kunden weiter.
Parfüm bald billiger? Mirjam Moschke sortiert in der Filiale der Parfümerie Thiemann im Bautzener Kornmarktcenter die Warenauslage. Ab Juli gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz. Viele Händler geben den Vorteil an die Kunden weiter. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. Die  Mehrwertsteuer in Deutschland soll ab dem 1. Juli für ein halbes Jahr fallen - von 19 auf 16 Prozent. Der reduzierte Satz, etwa für Lebensmittel und Bücher, sinkt von 7 auf 5 Prozent. Bund und Länder verzichten damit auf Einnahmen von voraussichtlich 20 Milliarden Euro.

Erste Firmen senken bereits die Preise

Der Großteil der Händler im Landkreis Bautzen will die Steuerersparnis an die Kunden weitergeben und die Preise senken. Das ergab eine Umfrage von Sächsische.de. Einige Unternehmen reduzierten bereits im Juni die Preise. 

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So legte Multi-Möbel mit Geschäften unter anderem in Bautzen, Bischofswerda und Radeberg ein eigenes "Konjunkturpaket" mit der doppelten Steuerersparnis, also sechs Prozent, auf. Dieser Nachlass stehe im Zusammenhang mit einer Rabatt-Aktion anlässlich des 30-jährigen Bestehens des Unternehmens, sagt Geschäftsführer Tommy Fietze. Möglich sei sie, indem man mit den Lieferanten beim Einkauf zusätzliche Rabatte ausgehandelt habe.  

Der Fahrradhändler Little John Bikes reduzierte bereits vor zwei Wochen die Preise in seinen 37 Filialen, darunter Bautzen und Neukirch, um drei Prozent für alle Waren, sagt Inhaber Steffen John. 

Alte Preisschilder - dafür Rabatt an der Kasse

Auch im größten Einkaufszentrum der Region, dem Bautzener Kornmarkt-Center, werden viele Geschäftsinhaber die Preise senken. Center-Manager Christian Polkow nennt drei Varianten. 

Die erste Variante beinhaltet die Weitergabe der Steuersenkung erst an der Kasse. Das bedeutet, Preisschilder werden nicht neu gedruckt, aber an der Kasse wird entsprechend rabattiert. Die 16 Prozent Mehrwertsteuer werden auf dem Kassenbon beziehungsweise der Rechnung ausgewiesen. "Nach ersten Rückmeldungen unserer Händler planen relativ viele eine solche Vorgehensweise, zum Beispiel  Medimax oder die Parfümerie Thiemann", sagt Christian Polkow.

Bei der zweiten Variante wird komplett umgepreist und damit die Mehrwertsteuer-Senkung ebenfalls  weitergegeben. Für den Händler bedeutet das allerdings einen höheren Aufwand.  

Die dritte Variante wird wohl nur sehr vereinzelt vorkommen, erwartet der Center-Manager. Hier bleiben die Preise unverändert, was bei reduzierter Steuer zu einer etwas höheren Marge des Händlers führt.  

Bei Neuwagen: Tag der Übergabe zählt

Vor allem bei großen Anschaffungen fällt der Unterschied zwischen 19 oder 16 Prozent Mehrwertsteuer ins Gewicht. Wer beispielsweise ein neues Auto im Wert von 20.000 Euro netto kauft, spart 600 Euro.

Auch wer einen Neuwagen vor dem 1. Juli bestellt hat, ihn aber erst nach diesem Stichtag bekommt, wird von der Steuersenkung profitieren. "Es zählt das Leistungsdatum", sagt Uwe Simmang, Geschäftsführer des  Autohauses Elitzsch in Kamenz. Entscheidend sei nicht, wann das Fahrzeug bestellt wurde, sondern wann es zugelassen, bezahlt und dem Kunden übergeben wird.

Doch nicht in jedem Bereich wird das Autohaus, das in Ostsachsen an neun Standorten vertreten ist, die Preise senken. Bei den Gebrauchtwagen werde der Steuersenkungseffekt nicht eintreten, sagt Uwe Simmang. Auch die bereits anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums subventionierten Preise für die Haupt- und Abgasuntersuchung  werden nicht noch weiter reduziert.  

Noch offen ist, was zwei Prozent weniger Mehrwertsteuer für den Buchhandel bedeuten. "Wir sind an die Buchpreisbindung gebunden. Von unserem Lieferanten liegen uns noch keine Informationen vor", sagt Mandy Heinrich aus Bischofswerda.  

Branchen bewerten die Effekte unterschiedlich

Mit der Steuerreduzierung will die Bundesregierung den Konsum und in der Folge die Wirtschaft nach dem Lockdown ankurbeln. 

Tommy Fietze sieht den Handel "extrem unter Druck". Die Steuersenkung könne da eine Hilfe sein. Angesichts der Tatsache, dass viele in diesem Jahr ihren Urlaub wohl zu Hause verbringen werden, könnte die Möbelbranche nach seiner Einschätzung mit zu den Gewinnern gehören. "Die Leute wollen es sich zu Hause schön machen", sagt er. 

Steffen John würde es besser finden, wenn die Steuer nicht nur für sechs Monate sinken würde. "Ein halbes Jahr wird in unserer Branche nicht die gewünschten Effekte bringen, weil wir uns in drei bis vier Monaten schon in der Nebensaison befinden." Zudem sei der administrative Aufwand für die Umstellung sehr hoch, und es würden viele Ressourcen  gebunden, insbesondere in den Bereichen Vertrieb, Buchhaltung, IT und Marketing. 

Bei Adler-Mode - in Bischofswerda mit einem Bekleidungshaus vertreten - wägt Unternehmenssprecher Peter Dietz ab: "Der Ansatz der Bundesregierung klingt zwar sinnvoll und geht grundsätzlich in die richtige Richtung. Es darf jedoch sehr bezweifelt werden, ob dies tatsächlich zur Belebung der Umsätze im Einzelhandel beiträgt und ob dies den Arbeits- und bei einigen sicherlich auch relevanten Kostenaufwand rechtfertigt." Doch auch Adler werde die Steuereinsparung 1:1 an die Kunden weitergeben.  

Aus Sicht von Christian Polkow bleibt es abzuwarten, ob es für den Einzelhandel am Ende des halben Jahres einen messbaren positiven Effekt geben wird. "Die Mehrwertsteuer-Senkung wird in der Summe zu einem kleinen Vorteil für die Kunden. Für wichtiger halte ich aber eine weiterhin wachsende positive Grundstimmung in Gesellschaft und Wirtschaft, die sich dann auch positiv auf den Konsum auswirken kann", sagt er. 

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