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Mein erster Tag ganz vegan

Ab sofort heißt es Finger weg von Fleisch, Milch, Käse und Co. Was bleibt da noch übrig?

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Von Jane Pabst

Adieu Bratwurst, ab jetzt wird’s grün. 30 Tage lang gibt es keine tierischen Produkte mehr. In unserem neuen SZ-Selbstversuch lebe ich vegan auf Probe. Was kommt also an Tag 1 auf den Tisch?

Zum Frühstück gegen 10 Uhr steht ein Cranberry-Kokos-Ananas-Müsli auf dem Plan. Wider Erwarten schmeckt das richtig gut. Auch die Kollegen in der Redaktion sind begeistert. „Darf ich mir das Rezept kopieren?“, fragt direkt unsere Praktikantin, die übrigens Vegetarierin ist. Geschmacklich erinnert es ein wenig an ein Birchler-Müsli. Und das Tolle daran, es sättigt enorm. Somit kommen bei mir bis zum Mittag auch keine Hungergefühle auf. 12  Uhr suche ich die Ernährungsberaterin Doreen Janz auf der Bahnhofstraße auf. Auf der Herdplatte in ihrer Küche brodelt schon die Hirse, ein Base bildendes Getreide, dem viele gesundheitsfördernde Eigenschaften zugeschrieben werden. So enthält Hirse viele Mineralstoffe und Spurenelemente wie Silicium, Eisen und Magnesium. Diese wirken sich positiv auf die Knochen, Gelenke, die Haut, das Haar und die Nägel und das Blut aus. Doch so gesund das Getreide auch sein mag, das Gericht „Hirse mediterran“ kann mich nicht überzeugen. „Wie afrikanischer Wüstenfraß“, kommentiert Fotograf Alexander Schröter, der von dem Gericht probierte. Dabei roch es so köstlich. Doch auch die Ernährungsberaterin kritisiert: „Es schmeckt irgendwie grantig, im Nachgang bleibt ein unangenehmer Geschmack zurück. Ich tippe auf die Haselnüsse.“ Dennoch: Die Portionsgröße ist so reichlich, dass man einen zweiten Tag davon zehren kann. Doreen Janz greift zum Teeglas. 1,5 Liter Grüntee ist die Vorgabe gemäß Attila Hildmanns Buch „Vegan for fit“, an dem wir uns orientieren. Nachdem die Hirse heruntergespült ist, geht es frohen Mutes zum Sportprogramm über. Auf Doreen Janz warten 6 Stunden Training, ich gehe es mit einer halben Stunde joggen an der Riesaer Elbe da eher gemäßigt an. Davor und danach muss ich mich dazu zwingen, so viel Flüssigkeit zu tanken. Bis abends schaffe ich die empfohlenen 1,5 Liter Grüntee, nur mein Wasserkonsum hinkt hinterher. Normalerweise trinke ich einen Liter Wasser am Tag. Attila verlangt 2 bis 3 Liter. Was sollen da meine Nieren auf einmal denken? Bis zum Ende des Tages schaffe ich nur 1,2 Liter Wasser. So komme ich auf 2,2 Liter Flüssigkeit statt der empfohlenen 3,5 bis 4,5 Liter. „Ich habe meine 3 Liter heut geschafft. Alles aber in Form von Grüntee“, verkündigt Doreen Janz stolz. Na toll. Der Punkt geht wohl an sie. Derweil brodelt das heiße Wasser. Das Abendessen steht an. Es heißt Broccoholic - Brokkoli mit Zitronen-Mandel-Creme. Attila Hildmann verspricht: „Sehr schnell gemacht, sättigend und sehr gesund.“ Der Fotograf witzelt: „Fehlt nur noch das Steak“, so Alexander Schröter. Tatsächlich sieht es mehr nach einer Beilage als nach einem Hauptgericht aus. Aber dafür schön bunt und vor allem scharf. Brokkoli kalt habe ich auch noch nie gegessen, denke ich mir. „Ich find es echt lecker“, meint Doreen Janz, und ich kann nur zustimmen. Und das Schöne: Es ist wirklich sättigend. Vom Abendessen um 19 Uhr bis zum Schlafengehen 23.30 Uhr kommt kein Hungergefühl auf. Ich freue mich auf Tag 2.