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„Mein Gehirn hatte einen Komplettausfall“

Elbflorenz-Torhüter Max Mohs spricht über einen Kopftreffer, der fast seine Karriere beendet hätte.

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Max Mohs kann wieder spielen und jubeln. Am Sonntag aber zunächst einmal für die zweite Mannschaft des HC Elbflorenz.
Max Mohs kann wieder spielen und jubeln. Am Sonntag aber zunächst einmal für die zweite Mannschaft des HC Elbflorenz. © Lutz Hentschel

Solch einen komplizierten Fall hat es in der 2. Handball-Bundesliga wohl noch nie gegeben. Nach einem Kopftreffer am 12. Oktober im Sachsen-Derby gegen Aue klagte Max Mohs, Torhüter des HC Elbflorenz knapp fünf Wochen lang über Nachwirkungen. Nun steht der 20-jährige Nachwuchs-Nationalspieler wieder zwischen den Pfosten und spricht erstmals ausführlich über seine lange Auszeit.

Max, wie geht es Ihnen heute?

Ich bin tatsächlich noch nicht ganz frei von Kopfschmerzen. Tagsüber schon, früh oder abends meldet sich da hin und wieder noch etwas. Das geht aber.

Seit wann trainieren Sie wieder richtig?

Seit Dienstag letzter Woche. Da habe ich wieder was mit dem Ball gemacht. Davor war ich Fahrrad fahren, ein bisschen laufen, einfach um fit zu bleiben. Ich habe auch ein bisschen Gewicht verloren.

Selbst Ihrem Trainer Rico Göde ist kein Fall bekannt, der nach einem Kopftreffer eine so lange Zwangspause hätte hinnehmen müssen.

Mir auch nicht. Das wird wahrscheinlich auch mit der Trefferstelle zusammenhängen, genau an der Nasenwurzel. Mir ist eingefallen, dass ich früher mal in der Schule einen Fuß dagegen bekommen habe. Das ist nicht zu unterschätzen, ich habe es ja auch gemerkt, dass ich noch ein bisschen mehr verpeilter war, als ich es ohnehin schon bin. Das Kurzzeitgedächtnis war in dieser Auszeit auch manchmal weg, aber das kommt jetzt alles wieder.

Hatten Sie in dieser Zeit Angst um Ihre Gesundheit, Ihre Karriere?

Ich bin kein Schwarzmaler. Ich bin an sich ein ziemlich entspannter Mensch. Gerade bei so etwas vertrete ich die Meinung, dass man positiv denken sollte. Die Situation wird nicht besser, wenn man negativ denkt. Es ist passiert, da kann ich nur das Beste daraus machen. Erst als ich noch mal in Leipzig bei einem Spezialisten war, habe ich mir gedacht: Oh, da kann ich mich glücklich schätzen, dass ich noch stehe.

Welche Untersuchungen wurden bei Ihnen vorgenommen?

Ich war erst hier in Dresden in einer Radiologie, das ging aber nicht so tiefgründig, dass man mir sagen konnte, weshalb ich nach zwei Wochen immer noch Kopfschmerzen und Schwindelgefühle habe. Der Verein hat für mich den Kontakt zu einem Spezialisten an der Uniklinik in Leipzig hergestellt. Da war ich ein paar Tage. Dort wurde mein Kopf genauer untersucht, die Arbeit des Gehirns lässt sich rückwirkend über Monate rekonstruieren. Da wurde festgestellt, dass ich zu dem Zeitpunkt einen Komplettausfall hatte. Jetzt müssen sich sozusagen wieder alle Synapsen neu vernetzen – eine Art Relaunch. Der Prozess ist im Gange. Irreparable Schäden konnte man ausschließen, neurologisch ist alles wieder in Ordnung. Der Professor stellte mir einen Etappenplan auf. Wenn ich nach jeder Etappe 24 Stunden beschwerdefrei bin, kann ich eine Stufe weitergehen. Ich bin jetzt in der sechsten Etappe, die siebente ist die Spielfreigabe. Das kann ich selbst entscheiden. Und ich werde am Sonntag für unsere zweite Mannschaft auflaufen.

Sind Sie auch psychologisch wieder bereit, sich treffen zu lassen?

Das Zutrauen erarbeite ich mir, das bewusste Risiko einzugehen, auch Bälle aus Nahdistanz in der oberen Etage zu blocken. Das hat ganz gut funktioniert, ich wurde im Training tatsächlich schon wieder am Kopf getroffen – ohne Nachwirkungen. Das gibt mir das Gefühl, dass alles da oben wieder funktioniert. Ich habe wieder richtig Bock auf Handball, das hat mich schon genervt, dass ich nicht das machen kann, was ich eigentlich tun möchte.

Suchten Sie sich für den Prozess psychologische Hilfe?

Ja, tatsächlich. Ich habe darüber mit meiner alten Sportpsychologin in Magdeburg gesprochen. Wir haben das nicht auf die Kopfsache reduziert, sondern uns darauf fokussiert, dass es mir ja Spaß macht, einen Ball zu halten. Dass ich einfach mein Ding machen soll. Wenn man nicht daran denkt, was alles passieren könnte, hat man auch kein Problem damit. Von dem ersten Spiel am Sonntag würde ich es auch abhängig machen, ob ich das noch weiter brauche.

Sind Sie in dem Prozess der Gesundung ohne Medikamente ausgekommen?

Kopfschmerztabletten wurden mir nahe gelegt, darauf verzichtete ich anfangs. Ich bin nicht so für Medikamente. In den letzten ein, zwei Wochen habe ich schon mal eine genommen, wenn der Kopfschmerz kurz mal wiederkam. Aber beim Sport will ich nüchtern antreten, ich will meine Empfindungen nicht beeinflussen.

Mit welchem Gefühl treten Sie am Sonntag zu Ihrem Comeback an?

Die Vorfreude überwiegt. Ich will da so rangehen, wie an andere Spiele auch.

Das Interview führte Alexander Hiller.